Rocky Votolato

Tour 2008 - Support: Senore Matze Rossi

25.09.2008 Gleis 22 / Münster

Von: Sascha Knapek

Rocky Votolato Münster

„Hast du vielleicht noch ein Ticket übrig?“ - Das war kurz vor Rocky Votolatos erstem Deutschlandkonzert seiner aktuellen Herbst-Tour eine häufig gestellte Frage auf dem mit abgestellten Fahrrädern gepflasterten Vorplatz des Gleis 22 in Münster. Ein paar Karten gab es zwar noch an der Abendkasse des kleinen Clubs, die waren allerdings schneller weg, als viele Ticketsuchende gucken konnten. Während des Supports Senore Matze Rossi hatte man dann kurzzeitig den Eindruck, die Veranstalter hätten aus Nächstenliebe alle die reinwollten auch reingelassen – bis vor die Toiletten herrschte stickige Enge und null Manövrierspielraum für Menschen mit Getränken in der Hand. Der Grund war jedoch eher, dass direkt vor der Bühne wohl noch einiger Freiraum war. Als Rocky Votolato die Bühne betrat, wurde dann auch das Stehen im letzten Viertel des niedrigen Raums angenehm und stressfrei. Die meisten drängte es nach vorne.

Bis es jedoch soweit war und Votolato die Bühne betreten konnte, verging eine ganz schöne Weile. Der Konzertbeginn war für 21 Uhr anberaumt, als der Mann aus Seattle dann um 22.30 Uhr die Bühne betrat, war das Publikum schon etwas unruhig. Ein Vorwurf soll das an dieser Stelle übrigens nicht sein, eher ein Dankeschön, dass es mit dem Gig überhaupt noch geklappt hat. Wie später deutlich wurde, verbrachte die Crew nämlich 13 Stunden im Auto und reiste direkt vom Tourauftaktort Stockholm an. Da sieht man gerne über ein bisschen Verspätung hinweg und die heranwachsenden Besucher der anschließend stattfindenden Emo-Party werden die Wartezeit auch verkraftet haben. Weit mehr als die Hälfte hat sich eh aus dem mit Emo-Studis nur so gespickten Votolato-Publikum rekrutiert.

Über den Auftritt des 30-jährigen US-Amerikaners gibt es bis auf die Länge – dazu später noch ein paar Worte – nichts zu meckern. Wie schon bei seinem Deutschlandbesuch im Februar dominierten Songs aus seinen beiden Alben “Makers“ und “Suicide Medicine“ das äußerst stimmige Set. Mit Akustikklampfe und umgeschnalltem Dylan-Rig waren vor allem “Tinfoil Hats“, “Portland Is Leaving“, “Goldfield“, “Automatic Rifle“, “I’ll Catch You“ und “Alabaster“ frenetisch begrüßte Glanzlichter. Abseits dieser Alben überraschte Votolato mit zwei neuen Songs (u.a. “Eyes Like Static“) und überzeugte mit seiner gewohnt prägnanten Wick Blau-Stimme. Der trotz fehlendem Soundcheck erreichte Spitzensound schnürte den Auftritt des Americana angehauchten Singer/Songwriters zu einem rundum gelungenen Gesamtpaket.

Zum Schluss wurde wegen der anstehenden Party leider etwas auf die Tube gedrückt. Zeit für Zugaben bekam Rocky natürlich trotzdem und so endete der Abend nach gut einer Stunde u.a. mit dem Waxwing-Song “Keep This Up“ und den standesgemäßen Schlusslichtern “Mixtapes/Cellmates“ und “The Light And Sound“. Danach war es Zeit für den Erwerb von Votolato-Vinyl – der Songwriter hatte alle (!) seine Alben im Schallplattenformat dabei – und die anschließende Heimreise oder den Besuch des Emo-Fests. In Bezug auf die Anziehungskraft des Songwriters aus Washington ziehe ich meinen Hut und spreche zum Schluss ein herzliches ’Dankeschön’ an den Mann (oder die Männer) hinterm Steuer aus. Stockholm-Münster ist kein Pappenstiel! 

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