Tour 2007
"Do you like my tight sweater?" - Róisín Murphy zu Gast in Köln
Moloko - eine der Speerspitzen der sogenannten „Trip Hop-Ära“ Großbritanniens Mitte der Neunziger (kaum eine Studentenparty, die während dieser Zeit ohne den allseits bekannten Chartstürmer „Fun For Me“ auskam) – gehört seit nunmehr drei Jahren der Vergangenheit an. Nun tourt Róisín Murphy, die weibliche Hälfte dieses Duos, das gegen Ende mit „Sing It Back“ und „The Time Is Now“ noch zwei respektable Hits vorweisen konnte, als Solokünstlerin durch die Lande.
Und die 34jährige irische Powerfrau live in concert – das beinhaltet neben einer grossen musikalischen Bandbreite von Electro über Pop bis hin zu Soul und Funk auch immer eine extravagante Modenschau. So auch am heutigen Abend in der gut gefüllten Kölner LMH.
Das Basis-Kleidungsstück ist ein cremefarbenes, hautenges Longsleeve. Weitere Accessoires - ob Trenchcoat, Fransenlederjacke, „animalische“ Gesichtsmaske, groteske Sonnenbrillen, sexy Lederhandschuhe bis zu den Oberarmen, pinkfarbene Federboa und diverse Kopfbedeckungen - werden zwischen den Songs auf der Bühne munter gewechselt. Gleich zu Beginn ihre Mitteilung ans Publikum, dass sie nur drei deutsche Wörter kenne – „danke schön“ und „flauschig“. Letzteres trifft auch auf die meisten Stücke zu, die sie zum Besten gibt, dazwischen darfs aber auch mal laut krachen. Unterstützt wird Róisín Murphy von vier Musikern an Gitarre, Bass, Drums und Keyboards nebst zweier graziler Gastsängerinnen. Da ist dann schon mal Headbanging angesagt und die zierliche Róisín (sprich: Rosheen, gälisch für "kleine Rose"), die schon oft mit Kolleginnen wie Kylie Minogue oder Madonna verglichen wurde, erinnert in ihrer Exzentrik und lasziven Art auch etwas an die Kanadierin Peaches, wenn auch in der textlich eher jugendfreien Variante.
Leider gibt es nur Songs ihrer beiden bisherigen Studioalben „Ruby Blue“ und „Overpowered“ zu hören, auf Klassiker aus der oben erwähnten Moloko-Periode wartet die Crowd, deren Durchschnittsalter an diesem Abend locker bei Anfang/Mitte Dreissig gelegen haben dürfte, auch bei der obligatorischen Zugabe vergeblich.
Alles in allem jedoch zwei Stunden voller leidenschaftlicher, zeitgemässer Tanzmusik im Schatten der Discokugel, an deren Ende auch die freudige Erkenntnis steht , dass die Künstlerin bei ihrer Bühnenshow gänzlich unverletzt geblieben ist – was bei ihrem Auftritt Ende Oktober in Moskau leider nicht der Fall war und den deutschen Tourplan somit etwas durcheinander brachteÂ…