Rose Hill Drive

Tour 2008 - Support: The Blue Sinners

15.09.2008 Die Werkstatt / Köln

Von: Thomas Kröll

Rose Hill Drive Köln

Der Montag ist ein undankbarer Tag um ein Konzert zu geben. Die meisten Leute haben am Wochenende gefeiert und gehen den Start in die neue Woche entsprechend gemächlich an. So ist es wohl auch zu erklären, dass sich heute abend nur an die 40 bis 50 Leute in "Die Werkstatt" verirrt haben, um Rose Hill Drive aus Boulder, Colorado zu sehen. Allerdings liegt der Laden für Ortsunkundige auch etwas versteckt. Immerhin: "Die Werkstatt" bietet ein rundum nettes Ambiente und ist vor allem rauchfrei, was mir sehr zugute kommt, begehe ich aktuell doch den 37. Tag in Folge ohne Glimmstengel. Darauf erstmal ein Kölsch!

Rose Hill Drive, das sind die Brüder Jacob (am Bass) und Daniel Sproul (Gitarre) sowie Schlagzeuger Nate Barnes. Im Juli erschien ihr zweites Album "Moon Is The New Earth", das nach dem Urteil des geschätzten Kollegen Norbert Kopf so klingt "als träte Josh Homme noch einmal Randy Bachman in den Hintern - und als hätten die Geister von John Bonham und Namensvetter Lennon einen quietschlebendigen Ausflug getan". Damit schaffte es das Trio bereits bis ins Vorprogramm von Van Halen, Aerosmith, den Black Crowes oder niemand geringerem als The Who, wobei Pete Townshend hin und wieder sogar höchstselbst mit den Jungs jammte. Jetzt ist das Trio auf kleiner Deutschland Tour und Köln die erste von vier Stationen.

Bevor wir uns allerdings an Rose Hill Drive erfreuen können, müssen wir erst die Vorgruppe über uns ergehen lassen. The Blue Sinners aus der Lüneburger Heide klingen mit ihrem Rockabilly-Geschrammel reichlich monoton und als das Quartett nach einer halben Stunde die Instrumente wieder ausstöpselt, kann der Abend beginnen. In der Umbaupause lässt Led Zeppelins "Stairway To Heaven" schon erahnen, was nun folgen soll. Als Rose Hill Drive gegen 22 Uhr die Bühne betreten, fällt zunächst auf, dass außer bei Daniel Sproul die Langhaarmähnen passé sind. Von weiter hinten sieht das nun so aus, als habe Jesus mit Brad Pitt zusammen eine Band gegründet (was die Frauenwelt sicherlich nicht weiter überraschen würde).

Das Spektrum des Dreierpacks reicht von 70er Jahre Rock über Psychedelic bis hin zum erdigen Bluesrock. Früher nannte man sowas "Kiffermusik", heutzutage sind Rose Hill Drive Teil der neuen sogenannten Neo-Hippie-Bewegung. Da vibriert der Bass in der Magengrube und die Gitarre brutzelt einem die Großhirnrinde weg. Und das ganz ohne Zuhilfenahme irgendwelcher bewußtseinserweiternder Substanzen. Gute anderthalb Stunden lang schrauben sie sich durch das Repertoire ihrer beiden Alben und zerlegen so ganz nebenbei noch den Deep Purple-Klassiker "Hush" in seine Einzelteile. Zwischendurch wird immer wieder ausgiebig improvisiert. Es geht sehr laut zu in der Werkstatt. Die Gebrüder Sproul wechseln sich dabei am Mikro ab, wobei Jacob den Löwenanteil am Gesangspart übernimmt. Die Action auf der Bühne hält sich in engen Grenzen, hier spricht die Musik deutlich genug für sich. Einige schüchterne "Thank you very much" sind die einzige Interaktion mit dem Publikum. Erfreulicherweise fehlt auch mein persönlicher Favorit "One Night Stand" nicht im Set. Die Leute scheinen zunächst noch ein wenig erschlagen von der musikalischen Wucht, die da auf sie zurollt, mit zunehmender Dauer verwandelt sich die Starre aber dann doch bei fast allen in ausgelassenen Bewegungsdrang. "Solange die Leute nicht gähnen, hat man keine Probleme", hat Daniel Sproul einmal in einem Interview gesagt. In der Werkstatt gähnt trotz Montagabend niemand.

Rose Hill Drive legen einen handwerklich perfekten Auftritt auf die Bretter und ernten dafür langanhaltenden Applaus. Wer bei ihrem Gig die Augen geschlossen hält, der fühlt sich anschließend um mindestens 30 Jahre jünger. In diesem schönen Bewußtsein verlassen lauter 10- bis 15jährige die Werkstatt. Was bleibt ist das starke Gefühl, dass Rose Hill Drive zu Höherem berufen sind. Auf der kleinen Bühne wirken die Drei fast verschenkt. Diese Musik braucht mehr Raum zur Entfaltung als ihn "Die Werkstatt" bieten kann. Nicht umsonst gelten Rose Hill Drive laut Rolling Stone als einer der "Top 10 Artists to Watch". In Köln haben sie bewiesen, warum sie tatsächlich zu den vielversprechendsten Erben von Page, Plant & Co. gehören.

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