Rovaniemirock Festival

Rovaniemirock Festival 2006 feat. The 69 Eyes, PMMP, Apulanta, Negative, Bloodpit, Private Line

07.07.2006 Ounaspaviljonki / Rovaniemi

Von: Diana Hartmann

Rovaniemirock 2006 – strahlender Sonnenschein, 24 Stunden Tageslicht und ein vielversprechendes Line-Up – beim nördlichsten Rock-Festival der Welt mussten wir natürlich dabei sein.

Am Freitag Nachmittag – nach dem obligatorischem Besuch beim Weihnachtsmann, der sich als eingefleischter Metal Fan outete – machten wir uns auf den Weg zum Festivalgelände. Dank super organisiertem Transport seitens der Veranstalter, dauerte die Fahrt mit einem der regelmäßigen Shuttlebusse vom Zentrum zum Ounaspaviljonki gerade mal fünf Minuten. Dort staunten wir erst mal: was für ein süßes, familäres Festivalgelände, und ganz idyllisch direkt am Ounas Fluss gelegen.

Bevor die erste Band des Festivals loslegen konnte, kam erst mal der Weihnachtsmann höchstpersönlich – in Begleitung zweier seiner Elfen – um das Festival gebührend zu eröffnen. Dann aber stürmten DEEP INSIGHT die Bühne. Zum ersten Mal live mit dem neuen Bassisten Jore (von Rebel Head), boten sie uns ein energiegeladenes und gelungenes Set mit Songs wie Superficial, Hurricane Season and My Testimony. Das war ja schon mal ein guter Anfang.

Als etwas später TIK TAK mit ihrer Hitsingle Jää die Bühne vereinnahmten, herrschte bereits großer Andrang vor der selbigen. Die sechs Mädchen legten eine rockige Show hin, und das Publikum liebte sie. 

Während DAMN SEAGULLS und JONNA’S PROBLEM ihre Shows spielten, suchten wir uns lieber erst einmal etwas zum essen und trinken, was nicht wirklich schwer war. Die zwei Hauptbühnen lagen gegenüber voneinander, die Bands spielten jeweils im Wechsel und der Zeitplan wurde super eingehalten, also konnte sich nichts überschneiden. Wer ein Aus brauchte, relaxte am Strand, schwamm ein Ründchen oder stürzte sich am Bungeeseil in die Tiefe. 

Danach war es Zeit für mein Freitags-Highlight, selbst wenn es noch lange nicht aller Tage Abend war. Die Piraten von PRIVATE LINE enterten die Bühne und sorgten mit ihrer 45-minütigen Show dafür, dass das Publikum eine ordentliche Dosis Rock aud die Ohren bekam. Anfangs mussten wir zwar kurz die Luft anhalten, als Sänger Sammy an einem Kabel hängenblieb und rückwärts etwas unsanft zu Boden ging, aber er konnte sich schnell wieder fangen. Sowohl Sammy als auch Gitarrist Jack ließen es sich nicht nehmen, dem Graben hin und wieder einen kurzen Besuch abzustatten, während das Publikum zu Songs wie Already Dead, der neuen Single Broken Promised Land oder dem live eher seltenen While God Saves I Destroy abrockte. 

Die Girls von PMMP konnten nachfolgend ihr Publikum in Bewegung versetzen, mein Geschmack war es allerdings nicht. Genauso wenig wie TERÄSBETONI – Finnish Metal meets The Darkness – welche aber von ihrem Publikum mehr als begeistert empfangen wurden. 

Die letzte Band des Freitags waren die Goth Rocker von THE 69 EYES, die zu Devils die Bühne stürmten und dann gute 70 Minuten lang durch ihre seit gut 1,5 Jahren bestehende Setlist führten. Der Menge machte die nicht vorhandene Abwechslung jedoch so gar nichts aus und es wurde fleißig mitgerockt. Sänger Jyrki verabschiedete sich am Ende des Sets mit einer eleganten Vorwärtsrolle, und auch ich schloss mich dieser an, indem ich eine ebenso elegante Vorwärtsrolle in mein gemütliches Hotelbett machte, denn in der Nacht zuvor war während der 12,5-stündigen Zugfahrt an Schlaf nicht unbedingt zu denken.

Da UNIKLUBI leider krankheitsbedingt absagen mussten, hatte ich am Samstag Nachmittag ein kleines “Loch” in meinem Plan, welches aber charmant von den Private Linern gefüllt wurde, die sich unter der heißen Sonne Lapplands von mir einige Löcher in den Bauch fragen ließen (siehe auch unser Interview).

Nachdem SMAK mit ihrer ausdauernden Teenie-Energie das ebenso junge Publikum begeistert hatten, war es Zeit für BLOODPIT, welche schnell zu meinem Samstags-Highlight avancierten. Sänger Matthau brachte mich mit seinem “Schweinchen-mit-Sonnenbrille”-Hut erstmal gewaltig zum schmunzeln (der leicht außergewöhliche Modegeschmack liegt wohl irgendwie in der FamilieÂ…) bevor mich die Band mit ihrem 45-minütigem Set aus finnischem Depri- Rock musikalisch soweit überzeugte, dass ich am darauffolgenden Montag meine letzten Euros für die “Mental Circus” CD ausgab, und dafür lieber auf ein Mittagessen verzichtete. Matthau war sehr interaktiv mit dem Publikum, quasselte wie ein Wasserfall und ließ so die restlichen drei Bandmitglieder eher als Hintergrundmusiker wirken. Bei Autumn griff Überraschungsgast Ilari von Private Line für ein Solo in die Saiten, bevor die Band mit Out To Find You ein Powerfinale hinlegte.

Die Temperaturen taten ihr Übriges (da sage nochmal einer in Lappland sei es kaltÂ…) und so verkrümelte ich mich erst mal für ein kaltes Cider nach Backstage. Während ich die Beine im Wasser baumeln liess (mit dem Handy am Ohr, dem Negative Gig aus Ruisrock lauschend), konnten einige der Rocker & Crews den Temperaturen wohl auch nichts abgewinnen und hüpften unaufhörlich ins Wasser – wohlgemerkt ohne Badehosen, weil sowas hat man in Finnland einfach nicht ;) Auch eine Form von UnterhaltungÂ… ;)

POETS OF THE FALL begeisterten dann mit einem guten Sound, bevor der Überraschungsact SUBURBAN TRIBE für Lautstärke sorgten. Es wurde ja vorher gemunkelt, dass LORDI kommen sollten, was sich jedoch als Gerücht erwies. Der eigentliche Überraschungsact waren KOTITEOLLISUUS, die allerdings leider in letzte Minute absagen mussten, da einer der Bandmitglieder in einen Motorradunfall verwickelt wurde. 

APULANTA ließen dann als letzter Act den zweiten Festivaltag ausklingen. Der Gig war zwar in Ordnung und der Graben wurde kurzerhand zur Partyzone umfunktioniert, allerdings habe ich die Band schon in besserer Form erlebt.

Der Sonntag wirkte von den Publikumszahlen her gesehen etwas ruhiger, wobei ruhig relativ ist, denn das Festival selbst war so klein, mit so einer intimen und relaxten Atmosphäre, dass es generell schon mal nicht mit herkömmlichen Festivals zu vergleichen war. Am Nachmittag zeigte uns ANTTI TUISKU, was ein richtiges “Pop-Idol” ist (DSDS nennt man das wohl hierzulande). Was genau er auf dem Festival machte, ist mir zwar ein Rätsel, aber aus irgendeinem unerfindlichen Grund schien er doch zumindest bei den Teenies sehr populär.

Da war der nachfolgende Act schon wesentlich interessanter, obwohl FLINCH selber auch noch sehr jung sind, und dementsprechend auch ein jüngeres Publikum anziehen. Es war deren erste Show nach einer einmonatigen, krankheitsbedingten Pause, und obwohl Sänger Villes Stimme ab und an noch ziemlich mitgenommen klang, wussten die fünf Jungs zu überzeugen. Nach anfänglicher Schüchternheit ging Jonne Aarons kleiner Bruder (die Ähnlichkeit in der Bühnenpräsens ist unverkennbar) aus sich heraus, und wusste ziemlich genau wie er seinen Sexappeal einsetzen musste um die Girls zum Kreischen zu bringen. Beim letzten Song, der Hit-Single Liikaa, fasste sich der kleine Charmeur dann ein Herz und ließ sich sogar im Graben vom begeisterten Publikum feiern.

Für mich hieß es dann erst mal wieder etwas auszuruhen, Cider zu trinken, und mich mental auf die letzte Band des Abends vorzubereiten – mein Festival-Highlight NEGATIVE. Das Herz klopfte bis zum Hals als das Intro erklang und die Jungs dann mit L.A. Feeding Fire loslegten. Ich habe wohl die gesamte Stunde lang im Kreis gegrinst, so happy war ich, sie nach fünf langen Monaten des Wartens endlich wieder live zu sehen. Die Setlist beinhaltet neben den üblichen Krachern auch zwei neue Songs, die auf dem im September erscheinenden Longplayer “Anorectic” zu finden sein werden: Glory Of The Shame (welches wir von früheren Gigs her ja schon kannten) und die erste Single Planet Of The Sun – sehr melodiös, catchy aber irgendjemand hat da wohl leider die Gitarren etwas leiser gedreht. Ich bin jedenfalls gespannt wie ein Flitzebogen auf’s neue Album. Die Show war gut, wenn auch bei weitem nicht die beste, die ich von ihnen gesehen habe, aber das hat wohl eher mit der Atmosphäre auf der Bühne zu tun gehabt – sowas fällt wohl auch nur auf, wenn man eine Band in-und auswendig kennt. Technisch gesehen war das Set jedenfalls perfekt. Als Zugabe servierten die sechs Jungs dann ein Led Zeppelin Cover: Rock’n’Roll. Ein ziemlich aggressives Teil, aber die Menge liebte es.

Zusammenfassung: In Lappland gibt es den Weihnachtsmann, und (zumindest an einem Wochenende im Juli) keine Mücken, dafür aber viel Sonne, See und ein grossartiges Konzertangebot in relaxter Atmosphäre. Rovaniemirock 2007 kreuze ich mir auf jeden Fall schon mal rot im Kalender an.

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