Roxy Music

A Special Night with Roxy Music / Summer Open Air 2005

01.07.2005 Museumsmeile / Bonn

Von: Stefan Bink

Roxy Music Bonn

Es ist Freitag, der 1. Juli 2005. Die Arbeitswoche haben wir erfolgreich hinter uns gebracht, wollen nun den Abend in den 70ern und 80ern verbringen und sind bereit für eine musikalische Zeitreise mit Bryan Ferry und seinen früheren Weggefährten. Ziel ist die Bonner Museumsmeile und A special night with Roxy Music. Den Fluchs-Kompensator haben wir durch einen CD Player ersetzt und der Deloreon ist heute ein Honda. Einprogrammiert ist das Jahr 1972. Das Jahr, in dem Roxy Music ihr Debütalbum veröffentlicht hat.

Die Probleme der Gegenwart – Stau auf der A3 – verhindern jedoch zunächst einmal, dass wir den Special Guest des Abends, Bros´Sis Mitglied Faiz Mangat & Band verpassen. Da ich ihn nicht gesehen habe, verbittet sich selbstverständlich ein Kommentar zu seinem Auftritt, welcher nominell ein großes Kontrastprogramm geboten hätte. Pop-Ikone vs. Casting-Retorte, aber ich möchte hier nichts Unbekanntes verdammen.

Die Museumsmeile ist auf jeden Fall schon rappelvoll als wir das Konzertgelände betreten. Das Publikum besteht überwiegend aus langjährigen Fans der Band und die wenigen anwesenden Teenies sind vermutlich eher auf sanften Druck der Eltern mit dabei. Im Bühnenhintergrund prangt ein überdimensionaler, doppelköpfiger Adler und unter lautem Beifall betritt die zehnköpfige Band um Sänger Bryan Ferry um kurz nach Acht die Bühne. Aus der Originalbesetzung sind neben ihm noch Gitarrist Phil Manzanera, Saxophonist Andy Mackay und Drummer Paul Thompson mit dabei. Opener des Abends ist die erste Singleauskopplung Virginia Plain aus dem Debütalbum „Roxy Music“ und sofort ist Stimmung unterm Zeltdach. Hervorragend sind bei Ladytron das Klarinettenintro von Andy Mackay und das Gitarrenextro von Phil Manzanera. Das Gleiche gilt auch für den folgenden Song for Europe mit seinem Pianointro und dem Ausklang mit dem Saxophon. Musikalischer Individualismus statt abgemischtem Einheitsbrei. In klassischer Roxy Music Manier kommen zu Both ends burnig noch zwei hübsche Tänzerinnen in roten Paillettenkleidern auf die Bühne, die sich zu beiden Seiten des Adlers positionieren. Sehr nett anzusehen. Nach guten 70 Minuten ist dann das Standardset mit Re-Make vorbei. Da dies jedoch einfach ein bisschen wenig gewesen wäre und mindestens noch einer der größten Hits mit Love is a drug fehlt, glaubt niemand ernsthaft an das Konzertende und nach ein wenig Klatschen kommen die Musiker dann auch artig wieder auf die Bühne. Genau diesen Song spielt Roxy Music dann auch. Die beiden Tänzerinnen sind auch wieder mit dabei und wurden sogar noch mit großen, roten Pfauenfedern getunt. Die Stimmung ist auf dem Höhepunkt. Um Punkt halb Zehn ist dann nach der zweiten Zugabe Do the strand Feierabend. Die Band verschwindet erneut von der Bühne das Publikum ist in bester Laune. Alle hoffen auf eine weitere Zugabe als die Roadies mit dem Abbau des Equipments beginnen und den Reaktionen meines Umfeldes zu Folge war ich nicht der Einzige, der noch wenigstens einen weiteren Song erwartet hätte.

Ein schönes Konzert ist zu Ende. Abzüge gibt es allerdings beim Sound. Die Instrumente waren sehr gut ausgesteuert, doch der Gesang von Bryan Ferry klang teilweise einfach etwas „brazzig“. Lobend erwähnen möchte ich jedoch einfach auch mal die Organisation des ganzen. Selbst bei solchen gut besuchten Veranstaltungen hat man nie den Eindruck, daß die Museumsmeile überlaufen sei.

Unterm Strich bleibt ein erfolgreiches Zeitreiseexperiment festzuhalten. Gerade Bryan Ferry trägt hierzu einen großen Beitrag bei. Kaum alternd scheint er die vergangenen dreißig Jahre unbeschadet überstanden zu haben und er hat nichts von seiner charismatischen Art verloren. Die Musiker, allen voran Saxophonveteran Mackay, lieferten bei ihre exzellenten Solis eine fantastische Vorstellung und gemeinsam haben alle bewiesen, dass sie nicht umsonst ihren Platz in der Pop-Geschichte einnehmen.

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