Tour 2011 - Support: Tracer
Da haben Royal Republic wohl alles richtig gemacht. Von der kleinen Venue Luxor wurden sie direkt in die Essigfabrik nach Köln-Poll verlegt und spielen dort dann an diesem Samstag sogar vor ausverkauftem Haus. Am Merchandise Stand gibt es für alle Fans royale Kronen, natürlich in schwarz/weiß, und die gehen weg wie warme Semmeln. So sieht dann auch das Publikum sehr royal aus, zudem ist es sich in der Kleiderfrage hier mal wieder einig, Schwarz solls sein. Schön mal wieder eine homogene schwarze Masse vor der Bühne zu sehen. Die Vorband passt sich dem Motto an und kündigt sich mit einem schwarzen Banner mit weißer Schrift schon an. "Tracer" steht dort geschrieben und wer sie noch nicht kennt, sollte sie kennenlernen. Die Classic-Rock Band aus Adelaide, Australien, hat schon ein paar eigene Fans mitgebracht, die sie mit tosendem Applaus und Rufen begrüßt. Mit dem ersten Song "Devil Ride" reißen sie alle mit, spieltechnisch sind die Jungs auf hohem Niveau, und hauen einen mit ihren harten Riffs direkt um. So wird Musik gemacht, Gitarre, Gesang, Bass und Schlagzeug, dass das alles ist was man braucht, zeigen einem die Geschwister Michael und Leigh Brown zusammen mit ihrem Schlagzeuger Andre Wise. Letzterer wird vom Publikum in den hinteren Reihen als Dave Grohl’s Cousin betitelt, seinem Aussehen sei Dank. Die Songs überzeugen selbst den letzten Zweifler in der Ecke. Das Publikum rockt mit und erfreut sich an den tollen Liedern der Band. Nach einer halben Stunde ist ihr Set leider vorbei, doch sie schließen es mit dem grandiosen Song "Walk Alone", der knapp zehn Minuten dauert, ab und werden von allen Anwesenden mit lautem Beifall belohnt. Berauscht von der tollen Vorband kann das Publikum kaum noch auf die Band des Abends warten: Royal Republic.
Nach kurzem Warten ist es dann endlich soweit. Selbst als Blinder würde man sofort wissen, wann die Band die Bühne betritt. Die Frauen sind kaum zu halten und kreischen wie die Fangirlies der Backstreet Boys in den 90ern. Erst mal etwas erschreckend, aber wenn man die Jungs dann mal live sieht, weiß man wieso. Der Sänger und Gitarrist Adam Grahn könnte auch modeln und die anderen Mitglieder, an der Gitarre Hannes Irengård, Jonas Almén am Bass und Per Andreasson am Schlagzeug, sind auch nicht von schlechten Eltern. Diese sind natürlich auch in schwarz gehüllt, man will sich ja mit dem Publikum identifizieren, nur der Schlagzeuger Per denkt da ein wenig anders und hebt sich mit seinem weißen Hemdchen vom Rest der Band ab.
Direkt beim ersten Song ziehen sie das Publikum in ihren Bann. "We Are The Royal" lässt die Leute toben. Der Ton ist super, die Songs sitzen und Adam Grahn flirtet mit allen Mitteln der Kunst mit den Fans. Die Hände sind oben, alles klatscht und hüpft und alle lauschen den Worten der Band. Als dann Mister Grahn persönlich einige seiner Guitar Picks ins Publikum wirft, rasten die Leute aus. Die Stimmung ist unbeschreiblich gut, und die Jungs rocken die Bühne als hätten sie nie etwas anderes getan. Passend zum Song "Underwear" fliegen dann auch Höschen und BH’s auf die Bühne, nicht nur die Band ist textsicher, das Publikum weiß auch genau, wo es einsetzten muss. Kurz darauf folgt ein neues Lied der Band, "Be My Baby", welches auch großen Anklang beim Publikum findet. Jedem Aufruf den Sängers wird nachgegangen, ruft er "Jump", springen alle. So muss das sein. Die Fans gehorchen aufs Wort. Da man von solchen Profis dann auch gerne Tipps annimmt, kommt auch prompt einer: "The secret to a happy, healthy relationship is speed! So let's speed it up!" und da ertönen auch schon die ersten kraftvollen Klänge von "I Must Be Out Of My Mind". Entertainment-Potenzial hat die Band also auch, was will man mehr?
"Tommy Gun" ist das letzte Lied im Set, Grahn fordert alle auf sich hinzuhocken, das klappt bei den hörigen Fans sofort. In wenigen Sekunden sitzt die Halle und wartet aufgeregt auf das Zeichen zum Hochspringen. Kurz vor dem letzten Refrain ist es dann soweit und die Halle springt. Royal Republic kommt unheimlich gut an und verlässt nach einer Stunde die Bühne. Natürlich kommen auch sie nach Zugabe-Rufen wieder zurück auf die Bühne und performen noch zwei weitere Songs, diesmal ist der Drummer Oben-Ohne und der weibliche Teil des Publikums freut sich. Adam Grahn lässt es sich nicht nehmen und gibt ein paar deutsche Sätze zum Besten, unter anderem "Ich liebe Köln!". Spätestens jetzt sind die letzten Herzen geschmolzen und die Jungs haben ein paar Fans mehr. Der letzte Song des Abends ist "Full Steam Spacemachine", wo sich die Leute ein letztes Mal vollkommen auspowern können.
Danach ist die Show vorbei und die Menschen begeben sich Richtung Ausgang, ein echter Kampf, vor allem da man andauernd mit den Leuten kollidiert, die für die Garderobe anstehen. Was soll's, werden halt klatschnasse Männerkörper an einen gedrücktÂ… Einen Vorschlag gibt es jedoch zu machen: Vielleicht sollte man dem Sänger Adam einen Rotzeimer in die Nähe stellen, auf so einer vollgerotzten Bühne rutscht man ansonsten bestimmt schnell aus.