Runrig

Tour 2008 Support: The Storys

15.07.2008 Museumsmeile / Bonn

Von: Shirin K

Runrig Bonn

„Ich gehe heute Abend auf das Runrig Konzert!“ – „Hast du schon Taschentücher eingesteckt?“ – „Ach, ist das nicht diese schreckliche kitschige Band? Da würden mich keine zehn Pferde hinkriegen!“ – „Das ist doch diese Metal-Band Â… oder war das Warwick?“ – „Looooooch Looooooomond!“ So oder ähnlich waren die Reaktionen auf meinen Runrig-Konzertbesuch, und so stand ich an diesem Dienstag im Juli auf der Museumsmeile herum und wusste nicht so recht, was mich erwartete. Ein paar Songs der schottischen Band, die es seit Urzeiten zu geben scheint, sind natürlich auch an mir nicht vorbeigezogen, aber so richtig wusste ich nie etwas mit der Band anzufangen.

Auf jeden Fall scheint die Band eine stetig wachsende, treue Fan-Gemeinschaft zu haben, denn die Schlange vor dem Museumsplatz war schier unendlich. Hier und da wehten Schottland-Fahnen in der Luft, Runrig-Trikots und Schottenröcke wurden stolz hergezeigt, die thirty- und forty-somethings, die sich eingefunden hatten, um den Helden ihrer Teenager-Zeit zu huldigen, schienen schon lange auf diese Show gewartet zu haben. Aber auch einige junge Leute und Kinder warteten schon gespannt auf die musikalische Abendunterhaltung.

Diese wurde von der Vorband „The Storys“ eröffnet. Ich würde jetzt gerne sagen, dass es sich dabei um die Entdeckung des Abends handelte, ja, dass ein Act mit noch nie da gewesenen Melodien und lyrischen Ergüssen mir da also eine gigantische Gänsehaut verpasst hätte, aber leider boten die „Very Boring Storys“ nur Abgegriffenes und Belangloses der Marke Country-Pop, so dass ich meine Ohren ziemlich früh auf Durchzug stellte.

Um 8 betraten dann endlich Runrig die Bühne, bestehend aus: Bruce Guthro (Gesang und akustische Gitarre), Rory MacDonald (Bass und Gesang), Malcolm Jones (Gitarre), Calum MacDonald (Percussion), Iain Bayne (Schlagzeug) und Brian Hurren (Keyboards). Wie erwartet etwas ältere Herren bis auf den Keyboarder, der bis vor kurzem noch gestillt worden sein muss. Es ging los mit einem recht neuen Song „Atoms“ und das Publikum war sofort bereit, mitzuwippen und zu klatschen. Die Musik überzeugte mich nicht wirklich, auch die auf den Opener folgenden Songs wollten sich nicht so recht an meine Gehörgänge schmiegen. Zu flach waren die Songstrukturen, Bruce Guthro kam nicht wirklich aus den Puschen und spazierte lustlos auf der Bühne umher. Auch der Rest der Band wirkte ziemlich unentschlossen. Konnte das denn noch was werden?!

Das Publikum machte auf jeden Fall seinen Job gut, es sang und klatschte mit, wann immer es von der Band gefordert wurde, hier und da sah man in feuchten Augen Erinnerungen aufsteigen, Paare sich aneinander kuscheln. Runrig – eine Band des Herzens!! Ein bisschen Bewegung kam auf die Bühne, als Küken-Keyboarder Brian Hurren sich nach vorne begab, sich neben Guthro auf einen Stuhl setzte und mit einer überraschend schönen Stimme „In Search of Angels“ zu singen anfing. Da wurde es auch mir endlich warm ums Herz. Auch der direkte Übergang zu dem Song „Every River“ gelang der Band sehr gut. Sogar das Publikum merkte die Verbesserung und klatschte nun noch engagierter mit. Es gab unter Anleitung Guthros Einlagen mit Wohoho und klatschklatschklatsch, so kamen sich Band und Publikum endlich so richtig nahe.

Dann folgten zwei weitere Höhepunkte: Zum einen eine furiose Percussion-Show mit Brian, Ian, Malcolm und Calum an den Drums. Rhythmisches Trommelgewitter brachte die Menge zum Tanzen und Johlen, während Gittarist Rory dazu den gälisch-sprachigen Song „Reiteach“ zum Besten gab. Zum anderen haute mich der Song „In Scandinavia“ um. Nach dem Trommelchaos genau das richtige zum Herunterkommen: Guthros Stimme schwebte elegisch und sehnsuchtsvoll über die Menschenmassen und wieder kullerten Tränen die eine oder andere Wange herunter. Ein mächtiger Song mit Gänsehaut-Faktor, bei dem die Stimme Guthros zum ersten Mal wirklich zum Tragen kam und den gesamten Museumsplatz einlullte. Sehr mystisch!

Nachdem der Knoten geplatzt war, ging es nun munter weiter. Es folgten Hits wie „Proterra“, „Clash of the Ash“ und natüüüürlich „Loch Lomond“ – sozusagen die Hymne der Band, zu der schon Ehen geschlossen wurden. Letztendlich schafften Runrig es doch, eine Show, die ziemlich farblos anfing, in ein fulminantes und unterhaltsames Konzert zu verwandeln. Das bestätigten auch die Gesichter der Besucher, die am Ende vor Glücksgefühlen nur noch so strahlten. Und ich? Nun, ich werde mir wohl weder ein Runrig-Trikot kaufen, noch mir die Alben besorgen, aber ich habe Respekt bekommen vor einer Band, die schon so viele Jahre im Geschäft ist und immer noch schafft, die Massen zu mobilisieren. Es muss die Mischung aus modernem Gefühls-Pop und alten Folk-Songs sein, die so gut funktioniert. Und natürlich eine ganze Menge Professionalität und Arbeit, die hinter der Musik steckt. Ich sag mal: Chapeau!

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