Tour 2010 - Support: A Death In The Family + The Casting Out
Als ich an diesem Dienstag um 20:20 Uhr die Türen des Grünspan in der Großen Freiheit in Hamburg passiere, dröhnt schon der Sound der Vorband durch Vorraum und Raucherbereich des ehemaligen Kinos. Schon an der Garderobe fällt mir jedoch auf: Hier stimmt doch was nicht. Ich befinde mich hier auf dem Konzert von Samiam und draußen ist es kalt und verregnet, aber wo hängen die Jacken und warum muss man nicht anstehen? Schnell findet sich die Antwort. In dem Konzertsaal mit einem Fassungsvermögen von ca. 900 Personen stehen über die gesamte Fläche verteilt maximal 200 Leute. Der Weg zur Bühne ist ohne Probleme schnell zurückgelegt, wo ich dann auch meine Freunde (langjährige Samiamfans) antreffe. Die beiden können das mehr als lückenhafte Publikum ebenfalls nicht begreifen. Naja, abwarten und Vorband abchecken. Die heißt übrigens A Death In The Family und präsentiert eine Mischung aus 90'er Emo und Punkrock. Leider zeigen sich die Hamburger von ihrer typischen Attitüde: Kenn' ich nicht, mag ich nicht.
So sind die sonst so beliebten fünf Meter vor der Bühne komplett frei und nur vereinzelt sieht man den einen oder die andere verstohlen mit dem Kopf nicken. Irgendwie eher wie auf einem Konzert in einem Jugendzentrum, obwohl das Publikum durchaus älter wirkt. Hier und dort erkennt man die ersten Ansätze von Bierbäuchen oder kahlen Stellen auf den Köpfen. Die vier Australier gehen trotzdem ab - und nach sieben Songs von der Bühne.
Während man auf der Bühne ein wenig umbaut, wird im Raucherbereich geraucht. Viel mehr Leute sind immer noch nicht da, aber eine Vorband ist ja noch angekündigt. Diese heißt The Casting Out und spielt melodiösen Punkrock. Gleich zu Anfang kommt ein Schwall Energie von der Bühne und reißt das Publikum mit. Die fünf Meter vor der Bühne sind nun auch nicht mehr frei, vielmehr stehen dort Leute, die tatsächlich die gesamten Texte mitbrüllen und mit den Augen den herumwirbelnden Sänger Nathan Gray verfolgen. In den hinteren Reihen - Stille. Immerhin werden es mit jedem Bier, das ich mir hole, mehr Leute, und als The Casting Out nach knapp 60 Minuten und 15 Songs die Bühne verlassen, wirkt es längst nicht mehr so traurig wie zu Beginn.
Wieder nur eine kurze Umbaupause später, betreten dann endlich Samiam die Bühne und nach einer kurzen genuschelten Ansage geht’s direkt los mit dem Opener, der im Jahr 2000 erschienenen Platte "Astray - Sunshine". Auch wenn der erwartete Drang, an die Bühne zu rennen ausbleibt, merkt man sofort die Energie, die vom Publikum ausgeht. Um mich herum kennt scheinbar jeder die Texte und man wird mitgerissen von der euphorischen Stimmung aller Leute um mich herum. Auf der Bühne wird musiziert, gesungen und sich bewegt, direkt vor der Bühne wird mitgebrüllt, gepogt, getanzt und mit dem Kopf genickt. Dass die Leute hinter uns nur dastehen und keine Reaktion auf die Musik oder ihre Macher zeigen interessiert uns nicht, denn wir haben Spaß, Jason, Sean, Sergie, Jeremy, Johnny haben Spaß und solange niemand uns daran hindern will, ist es auch egal. Wer nah an der Bühne steht und textsicher ist kann damit rechnen, dass Jason (Sänger und Mitbegründer) ihm zwischendurch das Mikro vor die Nase hält. Töne treffen scheint hier nicht wirklich wichtig zu sein, sonst sollte er das Mikro lieber bei sich behalten.
Als ein Gast zwischen zwei Songs ruft, Jason sähe aus wie ein Baby, antwortet der nur spontan: "I guess your mum has a baby and it looks like you". Nein, von so etwas lässt sich der Mann mit Bierbauch und Platte nicht aus der Fassung bringen und so bringen die Fünf ein ziemlich gutes Set zu Ende und verlassen unter genugtuendem Applaus die Bühne, um zwei Minuten später um 22:55 Uhr mit einer Jim Beam-Flasche auf die Bühne zurückzukehren und mit "Clean", "No Size" und "Full On" zum finalen Schlag auszuholen. Dann nimmt Jeremy seinen Bass, wirft ihn in die Luft, woraufhin dieser scheppernd auf der Bühne landet, greift nochmal zu und wirft ihn erneut zu Boden. Gleichzeitig schmeißt Jason das Mikro hin, gibt den Jim ins Publikum und runter geht’s von der Bühne.
Nach der Show kommen dann alle nochmal raus um mit den Konzertgästen zu plaudern, wie es sich gehört, bevor ein wirklich gelungener Konzertbesuch zu Ende geht. Achja, von ihrem neuen Best Of-Album haben sie nichts erzählt. Dieses ist im September erschienen und trägt den Namen "Orphan Works".
Setlist A Death In The Family:
Lion Hearted
Sink We Swim
Shackled
Familiar
Scrape
Red Sky
Erasing
Setlist The Casting Out:
Let It Bleed
9-1
Say It
Walk Away
Lullaby
Everybody Down
Alone
Headfirst
Run Like Hell
Dance
Breathe
Power And Glory
Wait
All The Best
Heaven Knows
Setlist Samiam:
Sunshine
Get It Right
Visconsin
Superbrava
Mud Hill
Mexico
Storm Clouds
Dull
Take Care
Stepson
Factory
When Together
She Found You
Capsized
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Clean
No Size
Full On