Tour 2011 - Support: Off With Their Heads
Hamburg läutet den Herbst ein. Wenige Tage zuvor lagen die Menschen noch in kurzen Hosen und knappen Oberteilen in der Sonne und konnten die Wärme gar nicht fassen, doch heute ist es kalt, nass und ungemütlich. Kein Wetter, bei dem man das Haus verlassen möchte. Doch heute spielen Samiam und die will ich mir, genau wie schon im Vorjahr, nicht entgehen lassen.
Vor dem Knust, einer deutlich kleineren Location als dem Grünspan, wo das letzte Mal zum Rocken aufgerufen wurde, stehen schon einige Leute. Off With Their Heads spielen gerade als ich eintreffe, irgendetwas von der Reeperbahn wird ins Mikro gegrölt. Das Publikum zeigt sich eher desinteressiert und raucht stattdessen vor dem kleinen Fernseher, auf dem das Spiel Deutschland gegen die Türkei läuft, massenweise Zigaretten und glüht mit Astra vor, obwohl das Spiel auch im Vorraum auf Leinwand zu verfolgen ist. Aber dort ist es laut, und das wird man eh noch den ganzen Abend haben. Deutschland schießt das 1:0 und die Vorband beendet ihren Auftritt. Aus dem Konzertraum strömen weitere Gäste um ebenfalls zu rauchen, das Spiel zu verfolgen oder sich an dem Würstchenstand zu erschwinglichen Preisen Brat- oder Currywurst zu genehmigen. Gerade als im Fernseher das 2:0 geschossen wird, beginnen Samiam mit "80 West", einem Song vom neuen Album "Trips", ihren Auftritt.
Die Bühnendeko ist schlicht, ausschließlich mit Licht wird gearbeitet, egal, der Sound ist dafür gut, und eine super Bühnenperformence erwartet hier eh keiner. Weiter geht es mit einem weiteren Song vom neuen Album, direkt darauf weiter mit "September Holiday". Es beschleicht einen fast das Gefühl, es wird heute das neue Album von Anfang bis Ende durchgespielt, doch dann kommt endlich "Sunshine", bei dem sowohl Band als auch ein kleiner Teil des Publikums beginnen, sich ein wenig zu bewegen. "Wisconsin" und "Mexico" folgen und dann auch noch "Mudhill", der Astrayblock des Abends.
Die Songs werden solide vorgetragen, der Sound ist alles in allem gut, die Stimmung auch. Zum Glück, denn bei dem Schietwetter hätte man auch Schlimmeres erwarten können. So macht es auch nichts, dass keine Aufpasser am Bühnenrand stehen, um Stagediver von ihrer Mission, auf der Menge zu landen, abzuhalten. Die Band kann mit dem einen Typen, der dies dann doch nicht lassen kann, aber umgehen und so muss er erfolglos wieder die Bühne verlassen, denn keiner will ihn auffangen. Song um Song verstreicht, es passiert nicht viel, aber langweilig wird es definitiv nicht. Mal beobachte ich Sergie, den Gitarristen, der wie in Trance mit dem Kopf zur Musik wackelt, mal Jason, der kraftvoll ins Mikro brüllt. Besonders aber fällt mir Mark Mortinsen auf, der offensichtlich weiß, wie man ein Schlagzeug bearbeitet. Alles auf den Punkt prügelt er sich durch das Set.
Nach 14 Songs verlässt die Band die Bühne, kommt aber, wie beim letzten Konzert in Hamburg und warscheinlich jedem anderen Konzert in der Welt, mit einer Flasche Jim Beam zurück, um noch weitere drei Songs zu spielen und abwechselnd diese in großen Zügen zu leeren. Um 23:10 Uhr verlassen dann alle Fünf die Bühne und ziehen sich zurück. Sean Kennerly, Gitarrist der Band, läuft zielsicher an den Gästen vorbei, raus zu einer Bekannten, um sich in vollgeschwitztem Shirt noch etwas zu unterhalten... und zu erkälten. Deutschland hat die Türkei übrigens 3:1 geschlagen.