Sarah Bettens

Tour 2007 - Support: Hollywood Pornstars

09.12.2007 Prime Club / Köln

Von: Thomas Welsch

Sarah Bettens Köln

Auf Konzerte der vor zwei Jahren aufgelösten belgischen Rockband K´s Choice habe ich mich in den 90ern immer besonders gefreut. Da war eine strahlende Sängerin, mit toller Stimme und großem Ausdruck. Neben überzeugendem Songmaterial war da aber auch der Bruder der Sängerin, der weit mehr als nur Gitarrist und Zweitstimme war. Dieser wichtige Part fehlt heute, da Sarah Bettens solo unterwegs ist und auch im Kölner Prime Club Station macht. Bruder Gert geht mit seiner Band Woodface eigene Wege.

Das Publikum setzt sich grob betrachtet aus zwei Fraktionen zusammen: Zum einen aus den seit vielen Jahren treuen K´s Choice-Anhängern und zum anderen aus lesbischen Pärchen und Cliquen, die in Sarah Bettens nach ihrem Coming-Out eine neue Ikone vermuten oder einfach nur eine tolle Frau on stage erleben möchten. Beide feiern den Support Act Hollywood Pornstars, die wenig bis keine Worte um sich machen und für Neulinge aufgrund sehr heterogenen Songmaterials schwer einzuschätzen sind.

Während des Bühnenumbaus frage ich an der Kasse nach, wie viele Karten noch erhältlich sind und bekomme „40" zur Antwort. Der Prime Club ist quasi ausverkauft, was man im hinteren Teil nicht vermutet. Die Fans drängen mit aller Macht in den vorderen Bereich, um Sarah Bettens nah zu sein, die dann auch gegen 22 Uhr unter großen Sympathiebekundungen auf die Bühne kommt und sofort mit „Put It Out For Good" die rotzigste Rocknummer ihres aktuellen Albums "Shine" raushaut, das nahtlos in „Fine" übergeht. Schon beim melancholischen „Shine" wird deutlich, dass der Großteil der Besucher bei Bedarf auch ruhig genießen kann. Mit „Come Over Here" und „Daddy´s Gun" trifft die Belgierin den Nerv der Fans. Zwei Nummern, die es schaffen ohne jeglichen Tempowechsel auszukommen und dabei die Zuhörer begeistern, müssen ihren Reiz jenseits jeglicher Komplexität haben. Sie bieten einen monotonen Klangteppich auf dem sich die ganze Qualität und Wärme von Sarahs Stimme entfalten kann.

Nach dem wilden „Not Insane" richtet sie einige Worte auf deutsch ans Publikum: „Wie geht es Ihnen, Köln"? Sarah, du darfst uns gerne duzen. Wir bitten sogar darum. Deine schüchterne Art bei gleichzeitig unübersehbarem weiblichen Selbstbewusstsein macht es unmöglich, dich nicht zu mögen.

Sehr ruhige Töne schlägt sie anschließend mit „Just Another Day" an und die Fans zeichnen sich durch absolute Ruhe und Hingabe aus. Selbst die Bediensteten hinter der langen Theke im Prime Club wagen nur noch flüsternd zu kommunizieren. „Thanks for listening" ist Sarah´s dankbare Antwort auf diese Art des Respekts. Den ersten K´s Choice Hit holt sie mit „Believe" aus der Wundertüte. In der steckte auch „Not An Addict", wie sich zwei Stücke später herausstellt. Ich freue mich, diese alten Bekannten zu hören und dennoch fehlt mir was. Ist es die stimmliche Harmonie mit Bruder Gert, die mich an K´s Choice so fasziniert hat und die ich jetzt vermisse? Sieht ganz danach aus.

Das intime „Pave The Way" bereitet den Weg für einen rocklastigen Abschluss des Mainsets. Ein Songduo, dass sich aus den jeweils zentralen Songs ihrer beiden Soloalben zusammensetzt: „Scream" und „I Can´t Get Out". Die Zugabe besticht durch einen weiteren großartigen K´s Choice Song, bei dem ich jedoch nicht nur Bruder Gert vermisse, sondern die aktuelle gesangliche Unterstützung in Person des Gitarristen mies finde. Die wenigsten scheint´s gestört zu haben, denn der Jubel ist groß. Die vorderen Reihen möchten sich unbedingt in Sarah´s Video verewigen. Sie hat die Gitarre aus der Hand gelegt und gegen eine Videocam getauscht, mit der sie die Fans filmt.

Zur zweiten und letzten Zugabe kommt die sympathische Musikerin noch einmal alleine auf die Bühne und gibt mit „I Can Do Better Than You" einen akustischen Swing zum Besten. Nach Abklingen des Abschiedsjubels stellt mein Konzertbegleiter noch einmal völlig richtig fest, dass Sarah sich in den letzten Jahren kaum verändert hat. Sie strahlt noch immer eine jugendliche Begeisterung und eine fühlbare Nähe zu ihren Fans aus. Danke, Sarah, für einen netten Abend und wir sehen uns auf deiner Akustik-Tour 2008. Diese hat sie im Interview (welches ihr hier findet) mit uns angekündigt.

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