Saxon

Tour 2007 Support Masterplan & Rose Tattoo

13.03.2007 Live Music Hall / Köln

Von: Ingrid Silvasi

Saxon Köln

Ich ahnte es bereits, als ich im Backstage Bereich der Kölner Live Music Hall auf meinen Interviewpartner wartete und mir mitgeteilt wurde „Nimm dir was zu trinken – Kaffee oder etwas anderes, aber bitte kein Bier!“. Rose Tattoo als Opener sind im Haus...

Kleiner Mann, große Stimme – das fällt mir ebenfalls ein, wenn ich an die Australier von Rose Tattoo denke. Sänger Gary „Angry“ Anderson steht in einem weit offenen, weißen Overall und einem Plastikbecher Bier in der Hand auf der Bühne. Durchaus eine außergewöhnliche Erscheinung, der kleine Mann mit der Glatze... Mit dem neuen Song „Man About Town“ des Albums „Blood Brothers“ fegt er los. Seine einerseits rotzige Stimme hat unwahrscheinlich viel Soul inne, seine Bewegungen während seiner Performance fast etwas von Tina Turner. Der für Rose Tattoo typische Sound der Slide-Gitarre dröhnt in den Boxen, neue Songs wie „Black Eyed Bruiser“ und Klassiker à la „Bad Boy For Love“ vermischen sich perfekt.

Nach den ersten Songs befürchte ich, dass Angry Gary bald in einer Pfütze von Spucke und Bier steht, so oft wie er auf die Bühne spuckt. Mit „Nice Boys Don´t Play Rock´N´Roll” krönt er den halbstündigen Set mit den zahlreichen „Brothers and Sisters“ Ansprachen. In diesem Sinne: Rock´n´Roll is King, Brothers and Sisters!

In neuer Formation erstrahlt die Melodic Metal Band Masterplan um den ehemaligen Helloween Gitarristen Roland Grapow. Mike Terrana als Superdrummer wirkt mit seiner konzentrierten Miene wie eine Bestie, welches auf sein Opfer eintrommelt; nicht umsonst wird er „The Rhythm Beast“ genannt. Nachfolgesänger Mike DiMeo komplettiert die Band mit einer klaren Stimme wie er bereits beim speedigen, ersten Song „Spirit Never Die“ mit den herrlichen Staccato Riffs beweist. Er wirkt auf der Bühne noch etwas steif in seiner Rolle bei Masterplan und der Tick Ausstrahlung fehlt ihm noch, jedoch steigert er seine Leistung während der Show.

Es folgen zwei neue Songs: „I Can Fly“ und die Singleauskopplung von MKII „Lost And Gone“. Eine technische Panne mit Mackenrott´s Keyboard überbrückt Roland mit einem kleinen Publikumsplausch und Terrana kann sich an seinen Drums austoben. Als Belohnung gibt es vom Publikum zugerufene Glückwünsche zu seinem Geburtstag.

Panne behoben – weiter geht´s mit „Crystal Night“, harte Riffs mit Double Bass Einlagen gehen in ein Gitarrensolo über, welches „Soulburn“ einleitet. Als einziger Song der „Aeronautics“-Platte wird „Back For My Life“ gespielt, ein Mid-Tempo Song mit Extra Einlagen von DiMeo, der mit Echo-Effekten ein kleines Solo einlegt. Nettes Extra, die Stimme dazu hat er ja.

Das 45min. Set hat noch Platz für zwei Songs. Erstaunlicherweise wählt die Band erneut Songs des Debütalbums. Nach „Kind Hearted Light“ folgt die obligatorische Bandvorstellung. Die Band ist gut drauf und Roland merkt witzelnd an, dass Sänger DiMeo´s Spitzname „Bambi-Eye“ sei. Mit „Heroes“ beenden Masterplan ihr Kölner Konzert. Noch ein paar Konzerte zum Aufwärmen und DiMeo wird die Performance in Griff haben.

Heiß erwartet werden die Brit-Urgestein-Metaller Saxon, welche auf dieser Tour ihr neues Album „The Inner Sanctum“ präsentieren, die Fans aber auch mit so manchen alten Schmankerl verwöhnen. Biff trägt einen langen, grünen Mantel kombiniert mit einem schwarzen Halstuch, beides mit Totenköpfen verziert. Wie er die nächsten knapp über zwei Stunden beweisen wird, hat er keinerlei Stimmbeschwerden (...mehr; A.d.R.: wegen stimmlichen Problemen wurden die ersten Daten der Europatour verschoben). Mit „State Of Grace“ der neuen Platte beginnt Biff die erste Deutschland Show dieser Tournee und da ist sie bereits: die typische, coole Biff Pose. Mit einem Bein auf dem Monitor und seinen Arm aufstützend!

Noch kraftvoller geht es mit „Let Me Feel Your Power“ weiter. Eine starke Double Bass Nummer, bei dem Biffs Reibeisenstimme sehr gut zur Geltung kommt. Die aktuelle Single „If I Was You“ überzeugt mich auch live leider nicht.

Die Bühne ist für Saxon recht klein ausgefallen. Es gibt keine Laufgitter zum erhöhten Podest, auf welchem Nigels Drums stehen und so ist auch Nibbs Bewegungsradius eher eingeschränkt. Dafür wirbelt er seine Haare an Ort und Stelle durch die Luft – das Publikum folgt seinem Beispiel.

Nun ist das Motto: Hits, Hits, Hits! „White Great Buffalo“ und der leicht ins Ohr gehende Refrain zu „Requiem“ können von allen mitgesungen werden. Biff allerdings scheint noch Schwierigkeiten mit den neuen Songtexten zu haben. Mehrere Songtexte sind auf die Monitore vor ihm geklebt, unauffällig lehnt er sich beim Singen von „Red Star Falling“ nach vorne, um besser den Text ablesen zu können. Ein Bild für die Götter!

Weiter geht es mit alten Krachern: spätestens nun bei „Strong Arm Of The Law“ und „To Hell And Back Again“ ist das Publikum voll dabei, denn die Spielfreude der Band überträgt sich binnen Sekunden auf das Publikum. Bassist Nibbs hat sich schon längst seines verschwitzten Shirts entledigt; Biff schwitzt dagegen weiterhin im langen Mantel. Er hat es drauf zu entertainen, ohne übertrieben zu wirken und seine charismatische Ausstrahlung zieht auch mich als junge Frau in seinen Bann.

Die erste Pause läuten Saxon ein, nachdem sie ihr Lebensmotto performt haben – „Gotta Rock To Stay Alive“ passt in diesem Fall wie die Faust auf´s Auge und ist als zweite Singleauskopplung genau richtig gewählt. Zu Höchstleistung läuft die Band nach den Zugaberufen mit „Atila The Hun“ auf. Auch live ist der Song der reinste Headbanger! Nach einem Medley aus Klassikern („Dallas 1pm“, “747“ und „And The Band Played On“) verabschiedet sich Biff ein zweites Mal und kommt mit guten Nachrichten wieder. Das neue Album ist auf Platz 36 der deutschen Charts eingeschlagen! Das Leben „on the road“ hat allerdings seine Tücken... er weiß nicht genau welchen Tag wir haben und flucht auf „Rock´n´Roll fucking heaven or hell“.

Nach „Crusader, Crusader“ schlägt Biff vor, eine Art Iron Maiden Set zu spielen und dabei das eigene komplette neue Album zum Besten zu geben. Selbstverständlich gibt es Proteste aus dem Publikum, denn ohne „Princess Of The Night“ verlässt niemand gerne eine Saxon Show. Bis in die letzten Reihen wird mitgesungen und mitgeklatscht. Biff verabschiedet sich mit „We´ll see you at Wacken!“, lässt es sich jedoch nicht nehmen, noch ein paar Hits aus der Manteltasche zu ziehen und so kommen wir noch in den Genuss von „Wheels Of Steel“ und seinen Deutschkenntnissen beim Anfeuern mit Abzählen auf deutsch.
„Thank you very much, Deutschland! – We´ve got time for one more” läutet den Schluss des Abends ein: nach “Denim And Leather” und noch Teile von “Ashes To Ashes” sind wohl alle Saxon Fans zufrieden gestellt.

Trotz ihres Erfolges sind Saxon weiterhin eine Band, die sich live ihren Arsch aufreisst und auftrumpft und auch trotz der zahlreichen Konzerte nicht routiniert wirkt. Wer die Show noch nicht kennt, darf die Briten auf dem Wacken Festival keinesfalls verpassen!

Setlist Saxon:
State Of Grace
Let Me Feel Your Power
If I Was You
Killing Ground
Witchfinder General
White Great Buffalo
Requiem (We Will Remember)
Power & The Glory
Travellers in Time
Forever Free
Red Star Falling
Strong Arm Of The Law
To Hell And Back Again
I´ve Got To Rock (To Stay Alive)
-----------------------------
Atila The Hun
Dallas 1pm/ 747 (Strangers In The Night)/And The Band Played On
-----------------------------
Crusader
Princess Of The Night
-----------------------------
Wheels Of Steel
Denim And Leather/Ashes To Ashes

Twitter

Amazon, Musicload, Napster & AOL-Download

Amazon.de Musicload

Mehr zum Thema:

Musicheadquarter Twitter RSS Feed abonieren! Musicheadquarter bei Facebook
Rhingtön
Digg Reddit Del.icio.us Facebook Twitter Google Yahoo! MyWeb Furl" BlinkList Technorati Mixx Windows Live MySpace Mister Wong
Eagles Tickets bei www.eventim.de