Scissor Sisters

Tour 2007

13.04.2007 Palladium / Köln

Von: Martina Dietrich

Scissor Sisters Köln

„Sexy, Sexy, Sexy“ - Diese magischen drei Worte hört man des öfteren in den letzten Wochen bei der Pro7-Sendung „Germany’s next Topmodel“. Absolut passend treffen sie die derzeit angesagte US-Band Scissor Sisters, die sich am Freitagabend in Köln die Ehre gab.

Der sommerliche Frühjahrsabend war perfekt gewählt, denn war man bereits durch die herrlichen Sonnenstrahlen vorgewärmt, so gaben die „Sisters“ an diesem Abend den Rest und heizten die Gemüter des Publikums bis zum Thermometeranschlag an.

Das Publikum war eines der besten, die ich bisher erlebte und mit einem Altersdurchschnitt von ca. 30 Jahren gut gemixt. Alles in allem war es sehr entspannend und dennoch mitreißend und man hatte von Beginn an das Gefühl, dass alle das Gleiche wollten, eine einzige großartige Party zu feiern.

Zu Beginn war DJ Sammy Joe aus New York City Zentrum der Bühne, um mit eingängigen Elektrobeats die nacheinander eintreffenden Gäste zu unterhalten. Die zunächst etwas zurückhaltende Zuhörerschaft löste sich allerdings nach einigen Minuten aus ihrer Starrheit und wippte und tanzte mit.

Als um 19:45 Uhr der Support die Bühne einnahm, wusste man zunächst nicht, was man zu erwarten hat. Bewaffnet mit einem Laptop und einem Keyboard offenbarte Soloartist „Snax“ eine enorme und vielfältige Show. „Snax“ bietet ein wahres Spektrum aus Elektro-Pop, groovigen 70’s Sound, phänomenalen Glanzleistungen am Keyboard sowie ein unverwechselbares Showtalent. Das Publikum war begeistert und würdigte das Allroundtalent mit tosendem Applaus bei dessen Finale um 20:25 Uhr.

Danach folgte ein Umbau von fast 60 Minuten, welcher durch nochmalige Begleitung des New Yorker DJs Sammy Joe nicht ganz so lang erschien. Hier und da vernahm ich, dass einige Frauen und Männer direkt aus New York angereist waren, um die Scissor Sisters zu erleben. Zwischenzeitlich erschien das Publikum ziemlich ungeduldig und ein enorme „Scissor Sisters“ – Rufe sollten den DJ anscheinend zum Aufhören bewegen.

Es war 21:15 Uhr, als die Bühne in purple-farbendes Licht getaucht wurde, welches durch den weißen Vorhang im Hintergrund sehr elektrisierend wirkte. Nach und nach betrat die Band die Bühne und stimmte die ersten Akkorde der aktuellen Single „She’s my man“, aus dem Album „Ta-Dah“ an. Mit tosendem Beifall und schrillem Gekreische wurden die Band“leader“ Jake Shears und Ana Matronic empfangen. Der Song wurde lautstark mitgesungen und das Publikum tanzte, hüpfte und klatschte begeistert mit.

Mit den danach folgenden Tracks, wie „Kiss you off“ steigerte sich das Publikum und kochte bei den Höhepunkten der Show. Zum einen die mehr als verschärfte Version von Ana, der von Bands allzeit genutzten Nachfrage – „How you’re feelin’“, in „From the deep of the crunch, how ya feelin’?“ und der dazugehörigen Hand im Schritt-Geste und natürlich dem Mikrophon-Blow-Job der Bandleader.

Ebenfalls brillierte Ana mit Deutschkenntnissen, wie mit der Offenbarung ihres deutschen Lieblingssatzes „Spritz mir auf die Titten“ oder der Imitation der 0190er-Werbungen. Ein absoluter Kreischfaktor für das Publikum.

Tief emotional wurde es, als die Band das Publikum bat seinen Support für Diane, Mutter des Drummers, der die Tour seit längerem nicht mehr begleitet, auszusprechen, um ihr und ihrem Sohn Stärke zu geben, wobei dann anschließend der Song „A land of thousand words“ erklang.

Nicht zu vergessen: Die Outfits der Band waren ein Blickfang. Während die drei restlichen Bandmitglieder in eher dezenten, schlichten, schwarzen Outfits mehr im Hintergrund erschienen, stachen Ana, mit einem bezaubernden silbernen Paillettenkleid, und Jake, gekleidet in einem schwarzen Anzug, darunter ein violettes Hemd und Ganzarmhandschuhen, hervor. Weiteres Highlight war ebenfalls die Stripteaseshow von Jake sowie auch der Outfitwechsel der Leadsänger zum Ende der Show.

Mehr und mehr lag ein Knistern in der Luft und die Menge kochte, tobte, doch vor allem schwitzte sie bei dieser heißen Bühnenshow. Somit verwunderte es überhaupt nicht, dass es ein kurzes Seufzen gab, als um 22:20 Uhr eine Pause von fünf Minuten angesetzt wurde.

Das Feel-Good-Feeling und das Knistern in der Luft ergab eine wahre Gefühlsexplosion als die Band für ihre letzten zwei Songs für diesen Abend auf die Bühne zurückkam. Hierbei handelte es sich um keine geringeren als die Klassiker schlechthin „Take your Mama out“ und „I don’t feel like dancin’“. Es war verrückt, ein Ausnahmezustand pur und eine so wahnsinnig tolle Atmosphäre, dass sich der ein oder andere (mich eingeschlossen) wünschte, der Abend würde nie enden.

Für einen Fan war der Abend wohl ein absoluter Höhepunkt, als er von Ana zum besten „Audience Member“ gekürt wurde, ausgezeichnet mit der Setlist des Abends, welche ihn berechtigte, sich am Merchandise-Stand einen Artikel seiner Wahl auszusuchen. Das nenne ich wirkliche Band-Fan-Liebe.

Niemals wäre es mir in den Sinn gekommen, dass diese Band, welche im ersten Augenblick zu schrill, zu Disco-like herüberkommt, einem ein so wahnsinnig gutes Gefühl geben kann. Ein Gefühl, welches man gleichsetzen muss, mit allem was einem gut tut und was man mit emotionalem Wohlbefinden verbindet – wie die ersten warmen Frühlingstage, die einen von innen und von außen aufblühen lassen und das Herz erwärmen.

In diesem Sinne sind die „Scissor Sisters“ wärmstens zu empfehlen!

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