Tour 2006
Mit Spannung erwartet die gut gefüllte Museumsmeile mal wieder einen Auftritt. Die Bonner Vorgruppe „Second Hand“ hält das Publikum derweil mit gecoverten Hits bei Laune. Das machen sie gut und auch nicht zu lange. Die Musiker haben einiges drauf -vor allem der Saxophonist- aber dennoch wird man sich wohl eher dem Original zuwenden. Die schönste Konzertlocation des Rheinlandes wartet also auf jemanden, der sein einziges Konzert in Bonn gibt, und zwischendrin fragen wird, wer der Anwesenden aus Köln oder Bergisch Gladbach kommt. „Bergisch“ spricht er dabei rheinländisch aus.
Seal stürmt auf die Bühne und nimmt die Menge mit ins Boot. Vom ersten Song an freut man sich auf den Abend. Es werden dann deren 15: u.a. „crazy“, „waiting for you“, „my vision“, natürlich „love´s devine“ sind dabei -und mir noch in Erinnerung geblieben. Zwischendrin plaudert er noch mit dem Publikum, kokettiert mit seinen Deutsch-Kenntnissen, und stellt die These auf, dass die Deutschen der Meinung sind, dass man ihre Sprache entweder korrekt oder gar nicht spricht. Der Brite entschuldigt sich daher für seine Happen. Obwohl „neinnein später“ genauso nach Heidi klingt, wie seine Ankündigung, er arbeite gerade an einem neuen Album. „Das ist nicht einfach“. Das glauben wir ihm. Aber Seal wird mit diesem erfolgreich sein wie eh und jeh. 15 Millionen verkaufte Platten, zahlreiche Auszeichnungen und jede Menge Lob der Musikpresse sprechen für ihn. Seal variiert gekonnt zwischen eingängigen soul-rock-Balladen und poppigen Tanzbein-Schwingern.„Killer“ ist so ein Song, den jeder kennt und der niemals vergessen werden wird.
Nachdem er dann gegen zwanzig vor zehn von der Bühne verschwindet, wissen wir alle; er wird wieder kommen. Drei Gründe sprachen dafür. Der Erste, das Totschlag-Argument: Es gibt eigentlich immer ne Zugabe! Der Zweite, die Uhrzeit (in der Museumsmeile ist erst um 22 Uhr Schluß) und drittens, „kiss from a rose“ hatte der 43-Jährige bis dato ausgelassen. Es folgt dann noch, zusammen mit zwei Songs vom neuen Album. Eine Weltpremiere sozusagen. Stilistisch macht er da weiter, wo er mit „Seal IV“ aufgehört hat. Das ist gut so, denn das kann er am besten oder noch drastischer: Das kann niemand so wie er.
Seal verschwindet endgültig und die Menge schlendert zu den Ausgängen oder gönnt sich noch einen letzten Drink. Der Himmel erstrahlt in unwirklichem türkisblau, in Yves Klein–Blau wie meine Begleiterin sagt. Einfach schön.
Auf dem Weg zum Parkplatz sehen wir Sealhenry Samuel Autogramme geben und nähern uns auf einen Meter. Der Sohn brasilianischer und nigerianischer Einwanderer mit den seltsamen Narben, die er von einer Kinderkrankheit davon trug, scheint wirklich aus Fleisch und Blut. Die Damen sind hin und weg und möchten am liebsten mit. Aber wenn das nicht geht, soll er „schöne Grüße an Heidi“ ausrichten. Er ist höflich und verabschiedet sich mit einem „Tschüüs“. Donnerwetter der Seal. Am Himmel leuchtet derweil ein Feuerwerk, das aus der Rheinaue aufsteigt. Der perfekte Abschied von einem schönen Konzertabend.