Tour 2006 Support: Nneka
So schnell kanns gehen. Vom belächelten Sonderling bei der Kölner Popkom vor einigen Jahren, über Echo-Auszeichnungen 2002 und 2004 hin zu einem festen Bestanteil der deutschen Musiklandschaft. Seeed hat diesen Weg in nur wenigen Jahren hinter sich gebracht, touren nun in immer größer werdenden, ausverkauften Hallen und sind neben Gentleman und Patrice die deutschen Reggaemusiker, die die größte Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit erhalten.
Mit ihrem aktuellen Album Next ziehen sie zur Zeit durch die Lande und machen heute einen Zwischenstopp im bis zum Rand gefüllten Kölner Palladium. Der erste musikalische Act des Abends ist jedoch die aus Nigeria stammende Hamburgerin Nneka, die auch schon im Vorprogramm von Sean Paul und Patrice gespielt und somit auch genug Routine entwickelt hat, um auch die auf Seeed wartende Menge zu begeistern. Ehrliche Soulmusik gepaart mit einer Stimme mit Widererkennungseffekt - damit hat sie das Kölner Publikum schnell überzeugt und wurde zur Recht mit großem Applaus verabschiedet.
Wer nun auf Seeed wartete, musste sich zwar noch ein wenig gedulden, wurde aber nicht enttäuscht. Das Pow Pow Movement Soundsystem sorgte für die einstimmenden Reggae-Klänge und als sie nach einer halben Stunde die Bühne wieder verlassen, ist das Palladium bereit für Seeed.
Die ersten Songs die Seeed an diesem Abend spielen sind vom aktuellen Album Next. Der Opener ist Aufstehen, gefolgt von Stand Up und insgesamt ist das Set dominiert von den neuen Songs. Routiniert im besten Sinne des Wortes spielen sie die Stücke und scheinen offensichtlich genauso viel Spaß zu haben wie das Publikum. Peace und Happieness als Botschaft, die sie nicht nur musikalisch ausdrücken. „Wir hassen Terrorismus. Wir hassen Bin Laden und wir hassen George Bush“ ist zwar nicht unbedingt ein politisches Statement mit Tiefgang, wird aber vom Publikum mit Jubel aufgenommen.
Nach einer kleinen Stage-Dive Einlage spielen Seeed auch noch einige ihrer alten Erfolgssongs wie Music Monks und Psychodelic Kingdom und schließen dann das Mainset mit den ersten aus Next ausgekoppelten Singles Schwinger und dem Bundesvision Songcontest Siegertitel Ding.
Sich selber bezeichnen Seeed als mobiles Reggaeeinsatzkommando und sie schwimmen momentan auf einer Welle des Erfolges. Im Vorfeld wurde jedoch schon die erste Kritik laut, da Teile des Publikums der vergangenen Konzerte schon die Interaktion mit dem Publikum vermissten und der Gruppe ein Runterspulen ihres Programms vorwarfen. Im Palladium haben sie sich auf jeden Fall von ihrer Schokoladenseite gezeigt. Die Show energiegeladen, die Stimmung gelöst und von Berührungsängsten keine Spur. Es bleibt zu hoffen, dass sich die Berliner ihre eigene Art beibehalten, nicht zu sehr dem Mainstream hinterherlaufen und sich nicht für den kurzfristigen Erfolg verheizen lassen. Der Auftritt in Köln hat auf jeden Fall Spaß gemacht!