Selig

Von Ewigkeit zu Ewigkeit-Tour 2010

05.12.2010 Centralstation / Darmstadt

Von: Pascal Kraus

Selig Darmstadt

Und wir sind noch immer Selig. Selig darüber, dass sich eine der besten deutschsprachigen Rockbands nach zehnjähriger Trennung wieder gefunden hat: Selig. Nach dem grandiosen Comeback-Album "Und Endlich Unendlich" sind die Hamburger jetzt mit der zweiten Platte nach ihrer Reunion, "Von Ewigkeit Zu Ewigkeit", auf großer Tour durch Österreich, Schweiz und hiesige Städte. Schöne Dinge passieren manchmal und Selig wären nicht Selig, wenn diese Dinge nicht nur schön, sondern sogar wundervoll wären. So wie eben die aktuelle Schöpfung der fünf Hartgesottenen und die bislang äußerst gelungene Transkription ihres musikalischen Schaffens in die Clubs und Konzertsäle der Republik.

Was diese pathosgetränkte Musik mit dem Zuhörer macht, zeigt sich heute abend in der Darmstädter Centralstation. Ein Ort, wie geschaffen für dieses intensive Musikerlebnis. Die ersten Klänge, die Christian Neander seiner Gitarre entlockt, werden mit den violetten Lichtpartikeln von der Bühne in die Halle getragen. Knisternde Erwartung erfüllt die Luft und versetzt die Stoffbahnen im Bühnenhintergrund in tänzelnde Schwingung. Der druckvolle Sound des neuen Songs "5.000 Meilen" arbeitet sich sodann durch das dicht gedrängte Publikum. Das Tempo ist von Beginn an sehr ordentlich und wird auch selten mal gedrosselt. Die veritablen Hits der jüngeren Vergangenheit "Schau, Schau" und "Von Ewigkeit zu Ewigkeit" werden von Jan Plewka damit angekündigt, daß das nächste Lied wohl jeder kenne. Sie haben sich spürbar wiedergefunden, diese fünf im Universum kreisenden Sterne und sind alle wieder auf ihrem gemeinsamen Planeten gelandet. Der Enthusiasmus und die Freude am gemeinsamen Musizieren ist den Männern auf der Bühne anzusehen und diese feurige neue Energie transportieren sie auch in die Halle der Centralstation. Von einem dankbaren Publikum wird diese Energie prompt aufgesogen und mit entsprechender Ausgelassenheit auch zurückgegeben. Die Luft wird wärmer und die Stimmung treibt merklich Stück für Stück dem Siedepunkt entgegen.

Eine überaus intensive Nummer vom Debüt, "High", rauscht durch den Kopf und dockt direkt an die Rezeptoren im Hirn an. Vor den Augen die Sterne und ein grün leuchtender wabernder Bühnenhintergrund. Jan Plewka windet sich auf der Bühne, das Mikro umklammert und den direkten Kontakt mit den Menschen vor ihm in den ersten Reihen. Er lebt jeden Song und steckt alles was er an emotionaler Kraft aufbieten kann in jede einzelne Strophe. Seine Bandkollegen arbeiten sich ebenso an ihren Instrumenten ab. Sie sind in Bewegung. Neander in inniger Verbundenheit mit seinem Instrument, so wie auch Leo Schmidthals am Bass der ordentlich Gas gibt. Stephan Eggert am Schlagwerk gibt den druckvollen Rhythmus vor und Malte Neumann bearbeitet sein Keyboard und das Tambourin gleichermaßen enthusiastisch.

Es ist eigentlich schade, daß eine Band wie Selig in ihrer Setlist so wenig bis gar nicht variiert und der heutige Abend gleicht in der Reihenfolge den Songs vom Konzert in Köln (hier) bis auf – ja, bis auf eine sensationelle Änderung dieser Setlist, die Plewka mit: "Â…wir haben uns gedacht ihr wollt heute auch mal einen älteren Song hörenÂ…" ankündigt und die Band dann nach dem intensiven "Tausend Türen" tatsächlich eine ausufernde fette Version von "Bruderlos" zum Besten gibt! Der Song ist seit der Wiederauferstehung Selig´s ein wirklich rares Schmankerl in deren Liverepertoire.

Sie zelebrieren einen gefühlvollen, oftmals Gänsehaut-Auftritt, als vorgezogenes Weihnachtsgeschenk, welcher untermalt wird von einer stimmigen visuellen Perfomance im Hintergrund. In den wenigen ruhigen Momenten wie etwa dem Abschluss dieses wundervollen Konzertabends, mit dem schon gefühlt millionenmal gespielten und gehörten und immer wieder ergreifenden "Ohne Dich", lassen uns diese fünf Emotionalisten sanft hinübergleiten in eine winterliche Nacht. Habt Geduld, seid gut und nicht zu eilig – der nächste selige Moment kommt bestimmt.

Sie haben selbst einmal von Signalen und Verzerrungen, dem Spiel des Glücks, der Erleuchtung und Sang & Klang gesprochen und dieser Abend beschert uns wieder diese wundervollen einzigartigen seligen Momente.

Twitter

Amazon, Musicload, Napster & AOL-Download

Amazon.de Musicload

Mehr zum Thema:

Musicheadquarter Twitter RSS Feed abonieren! Musicheadquarter bei Facebook
Tickets Night Of The Prog Festival
Digg Reddit Del.icio.us Facebook Twitter Google Yahoo! MyWeb Furl" BlinkList Technorati Mixx Windows Live MySpace Mister Wong
Sebastian Black