Von Ewigkeit zu Ewigkeit-Tour 2010
Um es auf den Punkt zu bringen: Selig rockten das Hamburger Docks in "Heimspiel-Atmosphäre". Das letzte Konzert einer langen Tour sollte für Band und Crew noch einmal zum Höhepunkt werden. Auch wenn das Publikum wie die Band selbst inzwischen eher einen höheren Altersdurchschnitt hat, waren am Konzertende alle Anwesenden miteinander "Selig" (O-Ton Jan Plewka). Ganze zwei Intro-Songs kommen vom Band, während im Hintergrund eine tolle Inszenierung aus Scheinwerfern und Nebel beginnt. Dazu gibt es psychedelische Klänge, die im typischen Selig-Gewand sehr an die "Hier"-Epoche erinnern.
Dann geht es los und Christian Neander eröffnet mit einem orientalisch angehauchten Gitarren-Intro die Show, während die Band nach und nach unter großem Applaus die Bühne betritt. "5000 Meilen" vom neuen Album "Von Ewigkeit zu Ewigkeit" ist auch an diesem Abend gefolgt von "Freier Fall" der Opener. Das Publikum ist von Anfang an in bester Laune und nicht nur bei den alten Songs absolut textsicher. Natürlich ist es nach so einer langen Schaffenspause sicherlich nicht einfach alle Fans aus früherer und heutiger Zeit mit etwas über zwanzig Songs gleichermaßen glücklich zu machen. Mit einem guten Mix von den Neunzigern bis in die aktuelle Phase dürfte wohl jeder auf seine Kosten gekommen sein. Dabei verwandelt die Band ihr Publikum teils in eine tanzwütige Meute und gelegentlich auch mal in "Eine kleine Rauchgemeinschaft". Da das Konzert eine lange Tour beendet, ist man auf der Bühne sichtbar erleichtert, aber wohl auch körperlich ziemlich am Ende. Das Gastspiel im ausverkauften Haus vor heimischem Publikum setzt jedoch nochmal alle Reserven frei. Man spürt, dass es auch für die Band ein ganz besonderer Abend ist. Im Konzert steigt Jan Plewka mit Mikrofon ins Publikum hinab, um mitten in der Menschenmenge einen kompletten Song zu singen.
Der erste große Höhepunkt ist der Song "Bruderlos", der ursprünglich gar nicht auf einem der Studio-Alben vertreten ist, aber sich über die Jahre als Favorit vieler Fans heraus kristallisiert hat. Besonders im zweiten Teil sind dann die Fans aus den 90ern mit Songs wie "High" oder "Die Besten" glücklich. Wahrscheinlich wird gerade an solchen Abenden deutlich, dass die Band es irgendwie bis heute geschafft hat, ihren individuellen Sound zu bewahren, da sich alte wie auch neue Stücke gleichermaßen in eine abwechslungsreiche aber doch stimmige Setlist eingliedern. Mit insgesamt knapp 20 Songs vor den Zugaben kann sich am Ende keiner über die Länge des Abends beschweren.
Letzter Song soll vorerst "Hey Ho" sein, was gleichzeitig auf die Leinwände projiziert wird, und nachdem die Band von der Bühne gegangen ist, immer noch aus allen Kehlen erklingt. Die beiden Zugaben schließen mit den obligatorischen Pflichtsongs "Wenn ich wollte" und "Ohne Dich", zwischen denen noch als Überraschung eine Video-Botschaft der Crew an die Band zu sehen ist. Zum Abschluss versammeln sich noch einmal alle, die in irgendeiner Weise an der Tour mitgewirkt haben unter großem Applaus auf der Bühne, bis die Band nach über zwei Stunden schließlich die Bühne endgültig verlässt und eine rundum selige Gemeinde aus dem Docks strömt.