Selig

Und endlich unendlich-Tour 2009

23.03.2009 Live Music Hall / Köln

Von: Günther Schuhbäck

Selig Köln

Als Clubtour nach zehnjähriger Pause geplant, musste das Konzert von Selig wegen der großen Nachfrage von der Essigfabrik in die Live Music Hall verlegt werden und auch diese ist am Abend des 23.03.2009 restlos ausverkauft. Die Stimmung schwankt zwischen Erwartung und Spannung. Können sie es noch? Haben sie die Differenzen, die damals zum Split führten beigelegt? "Schau Schau", die erste Auskoppelung des neuen Albums "Und endlich unendlich" lässt so einiges an Hoffnung zu. Die Bühne ist gemütlich wie ein Wohnzimmer dekoriert, eine Stehlampe gesellt sich zum VOX AC 30, die Keyboards sind unter einer Zebradecke versteckt.

Gegen acht Uhr schreitet ein Mönch mit Taschenlampenaugen über die Bühne (sieht ein bisschen nach Star Wars aus), stimmt die Instrumente und verteilt sie. Dies wird auch seine Beschäftigung in den nächsten knapp zwei Stunden bleiben. Schön, dass auch einem Gitarrenroadie mal soviel Aufmerksamkeit gegönnt wird. Ziemlich genau um 20.15 Uhr geht es dann endlich los und schon die ersten Akkorde von "Ist es wichtig?" bringen die gesamte Halle zum Toben. Selig werden frenetisch begrüßt und gefeiert und sie scheinen selbst ein wenig überrascht zu sein. Sätze wie "Worauf haben wir nur die ganzen Jahre verzichtet?" verteilen sich über den gesamten Verlauf des Abends und nachdem sich Jan Plewka eingegroovt hat, schafft er es auch, seine anfängliche Hüftsteifheit abzulegen.

Gitarrist Christian Neander macht uns den Hendrix, den John Frusciante, spielt die schönsten und wildesten Soli, hat alle Posen drauf. Dabei ist er im Bandkontext mindestens so bestimmend wie der Sänger. Eine Paarung, wie sie sich für Rockbands  gehört, die jedoch auch eine Menge Sprengkraft in sich birgt. Für diesen Abend aber scheinen alle Meinungsverschiedenheiten beseitigt und gemeinsam spielt man sich durch die Highlights des Back-Kataloges und des neuen Albums.

Jan Plewka sucht den Kontakt zum Publikum, animiert zum Mitsingen (was gerne und ausgiebig angenommen wird), er greift sich die Kamera, die das Ganze live ins Internet überträgt und filmt seine Kollegen, hält ein Stroboskop ins Publikum und scheint den Abend genauso zu genießen wie der Rest der Band und das Publikum. Zwischendurch fragt er beim Publikum ab, wer damals schon bei welchen Konzerten von Selig gewesen ist, spricht vom "Tal der Tränen", durch das sie gegangen sind. Doch jetzt sind sie wieder da. Das stellen Selig auch beeindruckend unter Beweis. Nachdem acht große weiße Luftballons durch das Publikum gereicht werden, veranstalten sie mit "Schau Schau", der aktuellen Single, einen der Höhepunkte des Konzerts. Heute passt hier einfach alles.

Um 21.30 Uhr verlassen sie dann zum ersten Mal die Bühne, um dann noch zweimal zurück zu kommen. "Ohne Dich" setzt einen wunderschönen Schlusspunkt unter diesen Abend. Nein, nicht ganz, denn Christian Neander und Jan Plewkka kommen noch einmal raus, um das Publikum mit einer wunderschönen Akustiknummer in die Nacht zu entlassen.

Im Herbst folgt noch eine ausgedehnte Hallentour, für die man sich am besten schon jetzt Karten besorgt, denn wenn sich herumspricht wie gut Selig im Jahr 2009 sind, wird es da auch wieder sehr, sehr eng werden. Unbedingt hingehen, denn Selig rockt!

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