Tour 2007
Sie hielt ihr Versprechen. Wir alle waren in die KölnArena geströmt, von ultra jung bis Mitte vierzig: die Anhänger der ultimativen Queen of Latin-Pop. Heiß ersehnt wurde sie erwartet, nachdem der erste Termin wegen Krankheit abgesagt wurde. Lange warteten wir auch an diesem Abend bis Shakira endlich auf der Bühne erschien, um den letzten Termin ihrer Europatournee wahrzunehmen. Ein Hauch lateinamerikanischer Lebensfreude lag in der Luft, als sie mit einem ihrer ersten Chartbreaker Estoy Aquà den Auftakt machte. Erfrischend unspektakulär sprang sie mit wallender Lockenmähne von hinten auf die Bühne, der Weltstar aus Kolumbien, dessen Hüftschwung sie einst so berühmt machte. Und ebenso erfrischend unspektakulär ihre Show: ein so gut wie nicht vorhandenes Bühnenbild, eine gut aufgestellte, vielseitige Band und eine überraschend natürliche Sängerin. Und Shakira machte mit diesem Konzert eins klar: sie hat mehr drauf als sinnliche Hüftbewegungen in Perfektion – neben einer unverwechselbaren, einzigartigen Stimme.
Sie griff zur mit Pailletten verzierten E-Gitarre, dann zur Mundharmonika und schließlich zur akustischen Gitarre. Selbst was die Performance betrifft zeigte sie sich in Bestform: Bauchtanz, Balletteinlagen, eine Prise Ausdruckstanz und selbst Break-Dance-Einlagen legte sie hin. Wie auch schon in ihrem Video zu Hips don’t lie angekündigt, präsentierte sie neben ihren größten Chartbreakern, wie Wherever, whenever, Don’t bother, La tortura, und gefühlvollen Balladen in Spanisch, eine gelungene Mischung aus Latin-Oriental-Grooves, begleitet von entsprechenden orientalischen Instrumenten (aha, deshalb also der Bauchtanz im entsprechenden Outfit). Für ihren Duett-Partner zu Hips dont’t lie holte Shakira sich für Wycliff Jean einen kubanischen Ersatzmann auf die Bühne, der dem Song eine Reggae-Note verpasste – sehr gelungen, auch wenn man es vielleicht nicht meinen mag. In Punkto Songs dürften die absoluten Hardcore-Shakira-Fans (auch die unter 10-Jährigen) bestimmt nicht enttäuscht worden sein. Die Latina bot so gut wie alle Songs dar, die man aus Funk und Fernsehen kennt.
Stimmlich gesehen erfüllte die Señorita alle Erwartungen und das obwohl sie im Alleingang die komplette Bühne rockte, um der Masse das zu geben, was sie sehen wollte: den berühmten Hüftschwung in allen nur erdenklichen Variationen. Und wenn sie barfüßig so dasitzt und Illegal ins Micro haucht, wirkt der Weltstar einfach ehrlich und fast ein wenig zerbrechlich. Dennoch ließ die Queen of Latin Pop eines missen: Spontaneität. Das komplette Konzert wirkte trotz der Zwangspause doch recht durchgespielt, ebenso wie ihre Statements.
Sie war großartig, unglaublich charmant und wunderschön, trotzdem überwog der Eindruck: Sie hat nicht alles gegeben. Für eine Zugabe ließ sie sich noch überreden. Als es Konfetti von der Bühne regnete, war endgültig klar: Jetzt ist Schluss. Und dann war sie ganz schnell weg. Das Versprechen gehalten, die Erwartungen erfüllt, für einen Nachholtermin also fast alles richtig gemacht – na ja, fast alles.