Laut Gedacht-Open Air Tour 2007
Man soll es kaum glauben, aber für Silbermond ist heute in Bonn die Live-Premiere angesagt. Für eine Band, die fast ununterbrochen auf Tour ist, schon eine bemerkenswerte Tatsache. Der Museumsplatz ist dementsprechend gut gefüllt. Ich schätze, dass etwa 6.000 Fans gekommen sind. Selbst Petrus möchte da nicht stören. Es ist zwar bewölkt, aber warm und vor allem zur Abwechslung mal trocken. Wie Stefanie Kloß später erzählen wird, ist auch das eine Premiere auf der aktuellen Open Air Tour 2007.
Die Stimmung unter dem Zeltdach ist schon während des Auftritts der Vorgruppe Nur So bestens. Im Publikum überwiegend Teenager, aber auch ältere Semester und deren kleinere Sprößlinge. Offensichtlich unternimmt hier heute die ganze Familie einen gemeinschaftlichen Ausflug. Zieht man das Fernsehprogramm des Abends zu Rate eine gute Entscheidung. Gegen "Let`s Dance - Das große Finale" oder das nicht minder gehirnverdampfende "Sommerfest der Volksmusik" sind Silbermond mehr als nur eine clevere Alternative. So ist auch die Empore, auf der wir Pressevertreter sonst üblicherweise unter uns bleiben, diesmal von Kindern bevölkert.
Als es um 19.50 Uhr losgeht, schwillt der Jubel auf eine pädagogisch bedenkliche Lautstärke an. Erst kommt Schlagzeuger Andreas Nowak auf die Bühne, danach die Brüder Johannes und Thomas Stolle, schließlich Frontfrau und Energiebolzen Stefanie Kloß, die zum Opener "Meer sein" gleich wie ein Irrwisch von rechts nach links über die Bretter fegt. Beim folgenden "Lebenszeichen" fliegt ihre schwarze Lederjacke bereits in die Ecke. Der Sound ist etwas matschig, ihr Gesang kaum zu verstehen. Macht aber nix, die Fans sind ohnehin vom ersten Ton an textsicher.
Nach "In Zeiten wie diesen" und "Durch die Nacht" gibt es erstmals minutenlange Beifallsstürme. Kloß hat sich "Fans helfen.de" auf den linken Arm gekritzelt, eine Benefizaktion mit der Silbermond humanitäre Projekte in Kamerun unterstützen. Anschließend wirft sie sich kurzerhand in die Menge und lässt sich eine Runde auf Händen tragen. Manchmal redet sie zwischen den Stücken für meinen Geschmack zu viel und ihre Interaktion mit den Fans wirkt zuweilen etwas arg penetrant, aber ich habe mich schon immer staunend gefragt, wo die Frau diese ganze Power her nimmt. Immerhin kann sie während eines Bass-Solos von Johannes Stolle mal für einige Zeit verschnaufen.
Dann geht es aber in unvermindertem Tempo und mit "Zeit für Optimisten" sowie "Schick Love" weiter. Bis in die hinteren Reihen wird gewippt und gesprungen, Eltern inklusive. Danach hat Andreas Nowak beim "Lied mit nur einem Akkord" seinen grossen Auftritt an der Gitarre und Stefanie Kloß eine erneute Pause (verdient), bevor karibische Klänge einen Hauch Urlaubsstimmung auf den Museumsplatz zaubern. "Verschwende deine Zeit" im Reggae-Gewand. Kloß holt ein Mädel auf die Bühne, die zwar tänzerisch alles gibt, mit ihrem Tempo aber trotzdem nicht mithalten kann. Dann wird es sentimental. Die Gänsehaut-Ballade "Symphonie" nur mit Akkustikgitarre und Gesang. Die Fans übernehmen lautstark den Text und schwenken ihre Wunderkerzen. Ein schönes Bild für ein schönes Lied. Da wirkt das folgende "Blaue Augen" (im Original von Ideal) schon fast deplaziert. Mittlerweile kommt auch die Lightshow gut zur Geltung. Beim Schlagzeugsolo von Andreas Nowak erstrahlt die Bühne in zuckenden Grün-, Gelb- und Rottönen. Dann noch "Wissen was wird" mit dem obligatorischen Männer-gegen-Frauen-Chor, der heute mal unentschieden endet. Nach dem ruhigen "Unendlich" lässt die Band ein fulminantes Main Set ausklingen.
Der Zugabenblock beginnt mit einem Bruderduell von Johannes und Thomas Stolle an Bass und Gitarre. Klasse! Kloß filmt derweil die Fans mit einer Digicam und bittet zu "Wenn die Anderen" ein Dutzend von ihnen zum Abrocken auf die Bühne. Mit dem wunderbaren "Das Beste" biegen Silbermond so langsam auf die Zielgerade ein. Thomas Stolle am Piano und Stefanie Kloß zelebrieren den Song förmlich. Die Begeisterung kennt nun keine Grenzen mehr und sogar die La Ola-Welle schwappt über Bonn. Zum endgültigen Abschluss gibt es dann "Sehn wir uns wieder", ein brandneues Stück. Wenn das als Frage zu verstehen ist, dann kann ich nur antworten: Gerne! Nach zwei Stunden ist aufgrund des Anwohnerschutzes Feierabend, auch wenn man den Eindruck hat, dass Band und Fans lieber nochmal zwei Stunden weitergemacht hätten.
Ich habe Silbermond nun schon einige Male live gesehen, bin aber immer wieder aufs Neue von ihrer Bühnenpräsenz beeindruckt. Da wirkt alles ehrlich und ungekünzelt. Man nimmt den vier Bautzenern den Spass an der Freude einfach ab. Für ihre Fans bedeutet das jedesmal eine Vollbedienung und das bei Ticketpreisen, die immer noch unterhalb der 30 Euro-Marke liegen. Respekt!