Silverstein

Kebaberizer Tour 2011 - Support: There For Tomorrow, While She Sleeps, Today Forever

27.03.2011 Uebel & Gefährlich / Hamburg

Von: Melanie Schupp

Silverstein Hamburg

Kurz vor der Veröffentlichung ihres neuen Albums "Rescue" machen Silverstein mit ihrer umfangreichen Kebaberizer Tour auf sich aufmerksam. Umfangreich nicht unbedingt durch die vielen Stationen, an denen sie Halt machen, sondern eher in Bezug auf das Bandangebot. Drei weitere Band folgen Silverstein durch Deutschland. Solch ein Bandmarathon scheint derzeit höchst modern zu sein... oder alle anderen Varianten nicht lukrativ für die Musiker. Was oftmals als Qual für den Zuschauer ausartet aufgrund langem Stehen und oftmals nur Warten auf den Hauptact, gestaltet sich im Bunker als perfekt getimtes und vor allem abwechslungsreiches Ereignis.

Die erste Band des Abends namens Today Forever aus Kassel startet um 19.30 Uhr. Sänger Christian begibt sich sofort von der Bühne in den Securitygraben, um aus nächster Nähe den Fans einzuheizen. Spätestens nach einer Liebeserklärung an die Stadt Hamburg hat er das Publikum dann auch für sich gewonnen. Schon beim zweiten Song geraten die vorderen Zuschauerreihen in Bewegung. Da das Schlagzeug, wie oft üblich bei Konzerten, vor dem Drumkit der Hauptband Silverstein steht, hat die Band nur eingeschränkte Bewegungsfreiheit. Diese nutzen sie jedoch bis auf den letzten Millimeter aus. Zu "Mask Off" kommt Sänger Shane von Silverstein kurz auf die Bühne, um getreu der Albumversion mitzusingen. Leider ist die Abmischung nicht astrein und ein konstantes Dröhnen überschattet den Gesamteindruck. Doch das tut der Laune keinen Abbruch. Gute Laune und mit viel Geschrei und Action on Stage geht es weiter. Zur Coverversion von Kid Dynamite's "Pits And Poisoned Apples" erscheint Shane erneut auf der Bühne. Leider geht der letzte Song von Today Forever "Romeo" zum Großteil in Kopfschmerzen verursachendem Dröhnen unter. Schade um den Abschiedssong, aber als erster Act hat man nicht gerade ein einfaches Los.

Der Härtegrad, der auf der Bühne herrscht, wird von der zweiten Band While She Sleeps aus Sheffield, England gehalten. Energiegeladen von der ersten Sekunde an, präsentieren die Jungs ihre Mischung aus Hardcore, Metal und Post-Punk. Das Uebel & Gefährlich ist mittlerweile gut gefüllt und die Lautstärke des Sounds ungebremst. Da helfen nur Ohropax! Ein rückkoppelndes Mikro im zweiten Song irritiert Sänger Lawrence Tayler offensichtlich, bringt ihn aber nicht aus dem Konzept. Ungebremst und voll Überzeugung, die sich auf die Menge überträgt. Als nach "The North Stands For Nothing" eine Gitarrensaite reißt, weiss die Band die Zeit mit einem Solo der übrigen Instrumente und Klatschanimation zu überbrücken. Auch hier bestehen teilweise kleine technische Probleme, was sich darin äußert, dass die Stimme teilweise untergeht... es ist jedoch nicht zu erkennen, ob dies an der Technik oder Lawrence selbst liegt. Dafür zieht dieser zur Freude der weiblichen Fans oben rum blank und singt stagedivenderweise auf den Händen der Fans "Hearts Aside Our Horses". Nach mehrmaligem Versagen der Stimme wird deutlich, dass es nicht an der Technik, sondern der tourgeplagten Stimme von Lawrence liegt. Doch zum Glück springt stellenweise Gitarrist Mat Welsh ein. Die Band giesst das erhitzte Publikum mit Wasser - vielleicht in der Hoffnung, dass es noch wächst, denn dieses ist recht jung. Bei einer "wall of fucking death" (um Lawrence zu zitieren) gehts nochmal richtig zur Sache, dann ist While She Sleeps' Set vorbei.

Um 21.10 Uhr fällt dann der Startschuss für die dritte Band im Gepäck There For Tomorrow. Die Musiker aus Orlando bietet eine gelungene Abwechslung zu den harten Bands zuvor. Der Gesang von Frontmann Maika Maile präsentiert sich melodischer und schafft somit einen guten Übergang zu den folgenden Silverstein. Das Publikum klatscht enthusiastisch den Takt einiger Songs mit. Qulitativ hochwertig spielen sie ihre Stücke und bringen die Zuschauer dazu, ihre Reserven für Silverstein noch ein wenig zu schonen. Ein stimmungsvolles Intro eröffnet "Deathbed" und diese Stimmung herrscht für den Rest ihrer Show vor. Die Musiker beherrschen ihre Instrumente, die Stimme und nicht zuletzt das Publikum. Vor "Joyride" tut Maika seine Meinung zum deutschen Bier kund: "I think that the German beer is the best beer in the whole entire world!". Das ist zwar nichts neues, doch immer wieder schön zu hören. Dynamisch und entspannt und dabei trotzdem kraftvoll beeindruckend, überraschen There For Tomorrow und ziehen in ihren Bann. Es folgt noch ein letzter Song mit "A Little Faster", bei dem sich die Backgrounds von Gitarrist Christian und Jay Enriquez keinesfalls hinter Frontmann Maika verstecken müssen.

Silverstein werden gegen 22.19 Uhr unter großem Applaus empfangen und starten mit einem kraftvollen "I Am The Argonist". Es folgt das brandneue "Sacrifice", das vom Publikum gut aufgenommen wird. Der Pit hält nun schon lange nicht mehr still und die Security verteilt fleißig Wasser, damit die Menge das schweißtreibende auch weiterhin schadlos übersteht und weiter feiern kann. Zu "Smashed Into Pieces" fällt mir einmal mehr auf, wie erstaunlich es doch ist, dass so ein schmächtiger Kerl wie Frontmann Shane abgehen und schreien kann, um kurz darauf problemlos zu cleanen Gesangsparts zu wechseln. Die Soundabmischung ist nun auch auf dem Laufenden und umso mehr die Qualität steigt, umso ausgelassener wird das Publikum. Eine gesunde Mischung quer durch sämtliche Alben stellt sicherlich den Großteil der Anwesenden zufrieden. Die Kanadier sind aus Leidenschaft und mit Herzblut bei der Sache, dass es ansteckend ist. Von "Broken Stars" über "If You Could See Into My Soul" und "Already Dead" gelangt die Band zur zweiten Version des Coversongs "Pits And Poisoned Apples" von Kid Dynamite. Die Musiker schmeißen sich fast gegenseitig von der Bühne als die Jungs von Today Forever zusätzlich on Stage erscheinen.

Nach "Your Sword vs. My Dagger" und "Vices" gelangen Silverstein bereits um 22:44 Uhr zum vorerst letzten Song. Man hat auch den Eindruck es wird höchste Zeit, denn die Stimme will nicht mehr so richtig und auch die Backgrounds lassen nach. Aber den Zuschauern gefällts wie man unverkennbar am Jubel hört und schließlich zählt die Gesamtleistung des Abends – und diese war mal wieder brilliant. Mit dem nächsten Song "Smile When You Sleep" wird auch alles wieder wett gemacht. Eine Gänsehaut verursachende Atmosphäre herrscht vor, als der gesamte Saal mitsingt.

Dann wird es Zeit für die Zugabe. So leicht kommen Silverstein natürlich nicht davon. Shane bedankt sich artig mit einem "Dankeschön" und performt "einen Song aus seinem Leben". Nur mit der Akustikgitarre und seiner Stimme bewaffnet singt er ein herzerweichendes "Replace You". Alle anderen Bandmitglieder sind noch hinter der Bühne und der kleine Shane wirkt etwas verlassen, was auch die Stimmung des Songs widerspiegelt. Dann lenkt Shane die verzauberte Stimmung wieder um, indem er die lustige Geschichte erzählt wie es dazu kam, dass Gitarrist Josh nicht mit auf Tour konnte. Anscheinend hatte er sich einen Nerv eingeklemmt, als er etwas gedrängt im Flugzeug neben einem sehr korpulenten Mann sitzen musste. Dies hatte zur Folge, dass er seinen Arm nicht fühlen kann und somit Marc ihn vorübergehend würdig ersetzt.

Es folgt eine softe Schmuseversion von "Heroine". Doch zum letzten Refrain erscheint die restliche Band auf der Bühne und rockt für die letzten Sekunden des Songs richtig ab. Wer hier noch Energie hat unter den Zuschauern – und das sind erstaunlich viele – dreht noch einmal richtig auf. Nachdem dann dem Publikum gedankt wurde findet das Konzert um 23:10 Uhr mit "Bleeds No More" sein Ende. Einmal mehr haben Silverstein bewiesen, was für eine sympathische und qualitativ gute Liveband sie doch sind. Ein Konzert der Kanadier kann man ohne Bedenken immer wieder besuchen!

 

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