Smashing Pumpkins

Tour 2008 - Support: Polarkreis 18

24.02.2008 König Pilsener Arena / Oberhausen

Von: Thomas Kröll

Smashing Pumpkins Oberhausen

Der Alternative-Rock hat ihnen solche Meisterwerke wie "Gish", "Siamese Dream" oder "Mellon Collie And The Infinite Sadness" zu verdanken. Es herrschte Trauer, als sich die Smashing Pumpkins im Dezember 2000 scheinbar unwiderruflich auflösten. "Ich will meine Band zurück, meine Songs und meinen Traum", schrie(b) Mastermind Billy Corgan schließlich 2005 in der Chicago Tribune. Doch nur Schlagzeuger Jimmy Chamberlin, 1996 noch wegen massiver Drogenprobleme von Corgan gefeuert, folgte seinem Aufruf. Die beiden anderen Gründungsmitglieder James Iha und D´Arcy Wretzky ignorierten ihn. Trotzdem gelang den Smashing Pumpkins im vergangenen Jahr mit "Zeitgeist" und der vor kurzem veröffentlichten Akustik-EP "American Gothic" eine erfolgreiche Rückkehr zu ihren Wurzeln. Anstelle von Iha und Wretzky komplettieren die Band nun Gitarrist Jeff Schroeder und Ginger Reyes am Bass. Reyes ist im übrigen die einzige Musikerin die ich kenne, deren Instrument fast genauso gross ist wie sie selbst.

Beste Voraussetzungen also für eine gelungene Comeback-Tour durch Deutschland sollte man meinen. Die König Pilsener Arena ist ohnehin immer eine Reise wert. Es gibt leckeres Bier zu vergleichsweise zivilen Preisen, eine gute Akustik und vor allem massenhaft kostenlose Parkplätze. Doch was sich bereits bei den vorhergehenden Shows in München, Frankfurt und Berlin andeutete, setzt sich leider auch in Oberhausen fort: Halbleere Hallen und mäßige Stimmung. Die Arena ist mit freundlich geschätzt 4.000 Fans gerade mal zu einem Drittel gefüllt und durch schwarze Tücher zur Hälfte abgehangen. Der Oberrang bleibt heute abend sogar vollständig geschlossen.

Den Supportact Polarkreis 18 bekommen wir noch in den letzten Zügen mit. Die fünf Jungs aus Dresden sind für die Schweizer Band Navel eingesprungen, die eine eigene Tournee dem Slot als Vorband von Billy Corgan und Co. vorgezogen hat. Komplett in Weiß gekleidet sehen Polarkreis 18 zwar eher aus wie Ärzte im Praktikum, doch ihr Synthie Pop weiss 30 Minuten lang durchaus zu gefallen. Sie sind sichtlich stolz hier sein zu dürfen und ernten wohlverdienten Beifall.

Um kurz vor 21 Uhr versinkt die Bühne dann in rotem Licht und die ersten Takte von "Porcelina Of The Vast Oceans" erklingen. Neben Ginger Reyes wirkt Billy Corgan (in einem langen silbernen Rock und schwarzen Lackstiefeln!) fast wie ein Riese. Der Mann hat die Ausstrahlung eines Außerirdischen. Es folgen "Behold! The Night Mare" und "Bring The Light" und... verhaltener Applaus. Dabei ist der Sound schön fett und ausgewogen, lediglich die Base-Drum ist im Vergleich zum Bass zu laut. Reyes ist so kaum zu hören. "Tonight, Tonight" wird von den Fans etwas lauter begrüßt, aber wie eingangs schon angedeutet, gute Stimmung geht anders. Corgan intoniert derweil scheinbar unbeeindruckt das sehr geile "Mayonaise" und ist auch der einzige, der zumindest auf der Bühne für etwas Bewegung sorgt.

Als wolle die Band die Fans aus ihrer unerklärlichen Lethargie reißen, wird "Superchrist" zu einem wahren Gitarrengewitter aufgeblasen, bei dem Egozentriker Corgan natürlich die Hauptrolle übernimmt. Ich find`s herrlich und zum ersten Mal kommt ein Hauch von Begeisterung aus dem Innenraum zurück. Die Pumpkins gewittern weiter mit "(Come On) Let´s Go" sowie "Stellar". Anschließend sorgt Corgan alleine mit der Akustikgitarre und dem wunderbaren "Perfect" für Gänsehaut. Dann platzt ihm der Kragen.

"The Rose March" leitet er mit den Worten ein: "Dies ist ein perfekter Song für eine Beerdigung. Eine Beerdigungs-Party. Eine Party wie dieses Konzert". Und oh Wunder! Die Leute verstehen seinen Wink mit dem Lattenzaun auf Anhieb. Das grossartige "Today" wird tatsächlich enthusiastisch gefeiert. Sogar der erste Crowdsurfer kommt nun in Sicht. Auch beim darauffolgenden "Tarantula" machen die ersten zehn Reihen endlich ordentlich Betrieb. Zur Belohnung hauen die Pumpkins "Ava Adore" in einer sehr viel härteren als der Albumversion in die Menge. Danach der Weltklasse-Song "Drown". Billy Corgan ist gesanglich voll auf der Höhe. Schroeder, Reyes und Chamberlin liefern das perfekte kraftvolle Fundament für seine mal elegische, melancholische und dann wieder wütende Stimme. Eine weitere Provokation kann sich der 40jährige aber doch nicht verkneifen. Vor "Bullet With Butterfly Wings" meint er nahezu verächtlich: "Ich weiß, Deutschland gewinnt alle vier Jahre die Weltmeisterschaft. Ich weiß, Deutschland hat die schönsten Frauen. Ich weiß, deutsche Männer haben die längsten P.....(iep). Und Oberhausen ist eine Rock-City. Aber ich bin schneller als das Licht".

Anschließend zelebriert er (erneut akustisch) das grandiose "1979" und das nicht minder träumerische "That`s The Way (My Love Is)". Zum Abschluss des Main-Sets rockt sich das Quartett mit "Everlasting Gaze" und dem schier endlosen "Cash Car Star" nochmal so richtig die Seele aus dem Leib, wobei ganz nebenbei noch Uriah Heep ("Easy Living") und Iron Maiden ("Wasted Years") zitiert werden. Jetzt ist auch die Stimmung in der Arena der eines Smashing Pumpkins-Konzertes würdig. Leider gibt es mit "United States" nur eine Zugabe. Aber was für eine! Das Stück dauert gefühlte zwanzig Minuten. Corgan lässt seine Gitarre wie in Trance immer weiter kreischen und zerreißt dabei musikalisch das "Star Spangled Banner" bis zur Unkenntlichkeit, während die übrigen Bandmitglieder das Letzte aus sich und ihren Instrumenten herausholen. Das Ergebnis ist eine Klangwand epochalen Ausmaßes. Welch ein fulminanter Schlußpunkt. Vom Allerfeinsten! Am Ende der insgesamt 140 Minuten gibt es gar stehende Ovationen von der bis dahin regungslosen Tribünenfraktion. Die Smashing Pumpkins haben den Kampf endgültig nach Punkten gewonnen.

Als herausragende Live-Band galten sie ja schon immer. Auch wenn die Setlisten im Verlaufe der Tour nicht wirklich variieren, haben die Smashing Pumpkins auch an diesem Abend in Oberhausen wieder sehr eindrucksvoll bewiesen wie es geht. Schade nur, dass das Publikum dabei erst gegen Ende so richtig auf ihrer Seite war. Ziemlich zu Beginn hatte Corgan noch gesagt: "Ich lebe in meiner eigenen Luftblase und ihr könnt mich nicht sehen". Doch! Können wir, Billy! Zum Glück und immer wieder gerne!

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