Smashing Pumpkins

The Other Side Of The Kaleidyscope Tour 2011

03.12.2011 Rockhal / Esch / Alzette

Von: Jessica Herz

Smashing Pumpkins Esch / Alzette

Ich muss ein Geständnis ablegen: Ich bin voreingenommen, so voreingenommen, wie man nur sein kann. Smashing Pumpkins' "Siamese Dream" muss eines der meist gehörten Alben meiner Jugend sein. Kein Song hat mehr dramatische Liebeskummerphasen maßgeblich mitbegleitet als "Disarm". Billy Corgans schluchzende Vocals zu einem bittersüßen Sound konnten in nur 3:16 Minuten mein kleines Herz zerreißen und wieder zusammensetzen. Einzig und allein Radioheads "Creep" konnte da mithalten. Diese Kritik kann also keinesfalls neutral ausfallen.

Was soll ich sagen: Auf "Disarm" oder eine weitere Hymne aus alten Tagen, "Today", warte ich heute abend vergeblich. Okay, ich habe die Smashing Pumpkins in den letzten Jahren etwas aus den Augen verloren, und zwischen 2000 und 2006 existierten sie ja auch gar nicht. Nach der Wiedervereinigung 2006 tauschte Frontmann Billy Corgan den Rest der Band nach und nach komplett aus. Ein echter Hit gelang ihnen seitdem nicht, das letzte Album "Teargarden By Kaleidyscope" aus 2009 mit seinem psychedelischen und schwermütigen Grundrauschen wurde von Kritikern und Fans nicht gerade euphorisch aufgenommen.

Irgendwie rechnet man deshalb auch damit, dass die Pumpkins ihrem Auftritt mit einer Prise alter Hits die richtige Würze verleihen würden. Fast zwei Stunden bleibt diese Hoffnung aber unerfüllt. Die neuen Smashing Pumpkins sind schwere Kost für mich, sie dringen nicht zu mir durch. Fast schon quält es mich ein wenig!

Es ist so, als ob man auf eine alte Liebe trifft. Man kann noch dunkel erahnen, was den Reiz damals ausmachte, aber mit diesem gewissen Abstand passt es einfach nicht mehr. Man versucht es nochmal miteinander, der großen alten Liebe wegen, aber es will nicht funktionieren. Handwerklich und künstlerisch ausgefeilte Songs, aber sie packen mich nicht. Der Funkte fehlt, der Zauber ist dahin. Alles hört sich ziemlich gleich an für mich, und eine Welle der Trostlosigkeit ergreift von mir Besitz.

Es scheint nicht nur mir so zu gehen – die Reaktionen des Publikums sind zunächst verhalten. Hunderte Konzertbesucher drängen sich im Raucherbereich und vor der Frittenbude anstatt vor der Bühne. Die wenigsten scheinen "neue" Fans zu sein, die meisten warten auf die alten Smashing Pumpkins aus den 90ern.

Das beweist auch die Tatsache, dass der Funke bei "Cherub Rock" gleich wieder überspringt. Jetzt, ganz am Ende des zweistündigen Konzerts, werden wir erlöst und hören vertraute Klänge! Gleich hinterher "Tonight, Tonight", der letzte Song des Hauptsets, ach, sofort bin ich wieder einigermaßen versöhnt.

Aber dieser kleine Ausflug hebt noch stärker die Unterschiede zwischen den neuen und den alten Stücken hervor. Er sorgt zwar endlich für einen kleinen beglückenden Adrenalinschub, aber das täuscht nicht darüber hinweg, dass die meisten Konzertbesucher genau dafür hier sind, für dieses kleine Stückchen Musik.

Auch "Zero" vom Album "Mellon Collie And The Infinite Sadness" in der Zugabe, und zum Abschluss "Bullet With Butterfly Wings" bringen die alten Erinnerungen wieder zurück und rocken wie damals. Dann ist das Konzert vorbei, und zurück bleibt das dumpfe Gefühl, dass das doch nicht alles gewesen sein kann. "Ich will meine Band zurück, meine Lieder und meinen Traum", schrieb Corgan in einer selbstgeschalteten, ganzseitigen Anzeige 2005 und äußerte damit seinen Wunsch, die Smashing Pumpkins wieder aufleben lassen zu wollen. Aber ist ihm das gelungen?

Vielleicht sind wir irgendwann bereit, eine reifere Beziehung zu den Smashing Pumpkins einzugehen. Oder die Wege trennen sich endgültig und zurück bleibt nur eine süße Erinnerung. Es liegt nicht nur an euch, Pumpkins! Und eine glückliche Wendung hält der Abend auch bereit: Ich habe mich ein wenig in die Vorgruppe verguckt. So ist scheinbar der Lauf der Welt, auch in der Musik. Auf Wiedersehen, Smashing Pumpkins – hallo, ihr aufregenden neuen Bands da draußen.

Setlist:

Quasar
Panopticon
Starla
Muzzle
Window Paine
Lightning Strikes
Soma
Siva
Oceania
Geek U.S.A.
Silverfuck
For Martha
Pale Horse
Thru The Eyes Of Ruby
Cherub Rock
Tonight, Tonight
---------------
My Love Is Winter
Zero
Bullet With Butterfly Wings

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