Snow Patrol

Tour 2007

21.06.2007 Museumsmeile / Bonn

Von: Shirin K

Snow Patrol Bonn

Den ganzen Tag hat es geregnet und es ist zu befürchten, dass auch das Snow Patrol Konzert in der Museumsmeile ganz im Zeichen des Wassermanns stehen wird. Aber schon eine Stunde vor Konzertbeginn klart der Himmel auf, die Sonne schielt sogar kurz um die Ecke und es bleibt für den Rest des Abends trocken. Sehr zur Freude der Snow Patrol Fans, die z.T sehr weite Strecken aus Holland und Großbritannien auf sich genommen haben, um ihre Lieblingsband in Bonn zu sehen. Dabei reicht das Alter von 16 bis 50, was dafür spricht, dass die Band mit ihrer lockerleichten Rock-Musik ein sehr breit gefächertes Publikum anspricht.

Der Kern der nordirischen Band, bestehend aus Sänger und Gitarrist Gary Lightbody und dem Bassisten McClelland (seit 2005 ersetzt durch Paul Wilson), macht bereits seit 1994 Musik. Ihren bisher größten Erfolg konnten sie aber erst mit ihrem vierten Album „Eyes Open“, das 2006 erschienen ist, verbuchen. Der Song „Signal Fire“ schaffte es sogar auf den Soundtrack von Spiderman 3 und „Chasing Cars“ hielt sich mehrere Wochen in den UK-Charts. Ganz unauffällig haben sich die Briten auf dem Musikmarkt vorangetastet und sich ein treues Publikum erspielt, das es sich nicht nehmen lässt, am 21.6. in Bonn für gute Stimmung zu sorgen.

Gut gelaunt betreten auch Snow Patrol um 20 Uhr die Bühne auf dem Museumsplatz. Los geht es mit „Hands Open“ aus dem aktuellen Album „Eyes Open“.  Im Hintergrund sitzen Keyboarder Tom Simpson und Drummer Jonny Quinn, links und rechts stehen der Gittarist Nathan Connolly und Bassist Wilson. Der Mittelpunkt der Bühne ist von Anfang an der Sänger mit dem herrlichen Namen Lightbody, der schon durch seinen rot gestreiften Pullover und seiner Pilzkopffrisur hervorsticht. Herr Lightbody besticht außerdem durch eine exaltierte, ein wenig spastisch anmutende Körperakrobatik. Das Ganze erinnert ein wenig an Mick Jagger und andre Sänger, die durch seltsames Gebaren auf der Bühne den Mythos des hochbegabten, aber etwas seltsamen Künstlers heraufbeschwören. Immerhin lacht Leichtkörper die ganze Zeit beseelt vor sich hin, was dafür spricht, dass er mit sich selbst völlig im Reinen ist.

Der Rest der Band ist eher zurückhaltend, was etwaige Verrenkungen auf der Bühne angeht. Gittarist und Bassist sehen einfach nur gut aus und bezirzen den weiblichen Teil des Publikums mit Schlafzimmerblick und schüchternem Lächeln. Musikalisch ist die Show einwandfrei, möge man von der Musik halten, was man will. Alle Hit-Singles werden gespielt, das Publikum singt mit, wo es kann, und alle haben ein entzücktes Lächeln im Gesicht. Außerdem wird eifrig geknutscht und gedrückt und sich lieb gehabt. Musikalisch bewegen sich Snow Patrol zwischen leichtfüßigen Britpop-Melodien und romantischem Indie-Rock. Hier und da, wie z.B. bei „How To be Dead“ oder „Finish Line“ wird es sehr emotional bis hin zu extatisch, Songs wie „Ways and Means“ und „Spitting Games“ dümpeln dann wiederum so vor sich hin.

Es findet viel Interaktion mit dem Publikum statt. Nach dem zweiten Lied werden Geschenke auf die Bühne geworfen. Nachdem der Sänger das Päckchen aufgehoben hat, verkündet eine schrille Mädchenstimme, es sei für Nathan (den Gitarristen) bestimmt. Später weist Leichtkörper die Dame höflich daraufhin, dass sie beim nächsten Mal vielleicht Geschenke für die ganze Band bringen könnte und widmet ihr trotzdem das Lied „Grazed Knees“. Der schrullige Sänger versteht es, das Publikum immer wieder zum Schmunzeln zu bringen, etwa wenn er sagt, er hätte nicht erwartet, dass er unter einer Art Tipi spielen würde (womit er das Zeltdach über dem Museumsplatz meint). Ganz spontan beglückt er dann auch noch drei Mädchen im Publikum, die nach jedem Lied drei Blätter mit drei großen Ps hochhalten. Das Mysterium für uns Uneingeweihte wird gelüftet, als die Band dann auf Lightbodys Drängen hin, einen der alten Snow Patrol Songs mit dem kryptischen Namen „Post Punk Progression“ spielt, der auf den regulären Alben der Band nicht zu finden ist. Ein etwas unreif, aber frisch klingender Elektro-Punk-Pop-Song mit Sirenen-Intro, der anscheinend nur live und selten gespielt wird. Der Text besteht aus den beiden sehr tiefgehenden Zeilen „You won't be around forever girl, you've gotta grab life with both hands.“

Weitere Höhepunkte des Konzertes sind die Songs „Chasing Fire“, die schöne Ballade „Finish Line“, „Shut Your Eyes“ und „Open Your Eyes“, bei denen das Publikum aus voller Kehle mitsingt, ooooohhoooot, klatscht und tanzt. Alles In Allem ein gelungener Abend für jeden Snow Patrol Fan, eine nette abendliche Unterhaltung für Neulinge und ein gutes Geschäft für die Herren, die draußen vor dem Museumsplatz Poster der Band verkaufen. Mögen Herr Leichtkörper und seine Freunde auf ihrer Tour noch mehr Menschen beglücken!

Setlist:
Hands Open
Chocolate
Beginning To Get Me
Headlights
Grazed Knees
How To Be Dead
Ways And Means
Spitting Game
Post Punk Progression
Signal Fire
Making This Go On Forever
Chasing Cars
Set the Fire
Shut Your Eyes
Run
Tiny Little Fractures
----------------------
Finish Line
Open Your Eyes
You’re All I Have

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