Outta Hell Release Tour 2009 - Support: Burning At Both Ends
Clubs und Kneipen in zum Abriss bestimmten Gebäuden haben ihren eigenen Charme. Desolat, abgewetzt, abgerissen, anarchisch und verzweifelt cool. Die Bonner Bar Ludwig ist so eine, wie ich sie in Hamburg, Berlin und Köln auch schon erleben durfte, mit dem kleinen Unterschied des nicht-ganz-so-große-Stadt Flairs unserer Ex-Hauptstadt. Verortet im ehemaligen Hotel Beethoven, wird dieser Treffpunkt bald Eigentumswohnungen mit Rheinblick weichen. Küchenkonzerte werden die Donnerstage hier auch schon mal genannt, denn sie finden dort statt, wo ehedem das Omelett in der Pfanne verrückt… nee, eingeklappt wurde. Was die zahnfarbenen Kacheln an der Wand und die amalgamgrauen Fliesen des Bodens mit dem Sound einer Rockband machen, weigere ich mich jetzt auszuführen. Schön ist anders. Aber der Mensch ist ein Gewohnheitstier, er kann sich sehr schnell an ganz schön viel gewöhnen…
Burning At Both Ends heißt die Formation junger Musiker, die die Keramikausstellung für Sober Truth einschwingen wollen und sollen. Das machen sie mit einer Portion Coolness und viel Konzentration, dadurch wirkt es ein wenig statisch, wirkt sich aber auch positiv auf die musikalische Qualität aus. Einige Phrasierungen erinnern mich an Helloweens "Walls Of Jericho"-Zeit, Gesang und Arrangement sind aber deutlich von aktuelleren Formationen beeinflusst. Nach dem für jede Rockband zwingend erforderlichen Intro spielen die fünf Jungs acht knackige Songs, für die ihnen das ihnen offenbar bekannte Publikum angemessenen Tribut zollt. Die Songtitel sind düster und Aggression muss hier raus aus der Musikerseele. Das verkörpern die beidseitig brennenden Enden doch recht überzeugend. Weiter so! Noch ein bisschen mehr Bewegung auf der Bühne, bitte! Rufe ich ihnen hiermit zu nach einer unterhaltsamen Dreiviertelstunde.
Setlist:
Intro
Bearing The Rage
The Sinking Ship
Forgotten But Deathless
Fading Clarity
Tracks In The Sand
No One To Stop Us
Purgatory
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Stanch The Bleeding
Sober Truth sehe ich heute nicht zum ersten Mal, aber das heute vorgestellte Album "Outta Hell" habe ich erst halb gehört und auch das nur kurz angespielt, und bin deshalb gespannt. Und werde nicht enttäuscht. Direkt als erste Nummer eine neue und die hat schon alles, was Sober Truth ausmacht: knackig genaue, schnelle Noise-Metal-Musik, schön rotzig, aber immer genau und lebendig gespielt. Vor allem dem Basser Tobi möchte ich mal das Label "Derdonis" verpassen, da er den gutaussehenden Rockstar mit viel Bewegungsfreude und auffälliger musikalischer Kompetenz nicht gibt, sondern lebt. Es macht Spass, den Jungs zuzusehen. Dem Leadgitarristen Hamid empfehle ich noch einen Auf- oder Ansatz für seine Mütze, so wären seine Kopfbewegungen etwas deutlicher zu sehen. Thorsten singt sich die Seele aus dem Leib, beide Gitarren und Bass spielen unglaublich genau. Gut nur, dass die Jungs nicht die Eigenfrequenzen der Kacheln treffen, sonst hätte es ganz schön gesplittert. Die Ballade des neuen Albums wird mit zwei Gastmusikerinnen, einer Sängerin und einer Keyboarderin präsentiert. Näh, wat schön! Chris, der als Roadie fungiert, könnte zwar noch etwas schneller mit den Umbauten werden, dafür hat er später bei "Victim" auch noch einen respektablen Gastauftritt als Gastsänger. Apropos "Victim", mit an Boshaftigkeit grenzender Beratungsresistenz stellt Thorsten hier seine Ansicht unter Beweis, dass Text und Sprache der Songs zweitrangige Bedeutung für ihn haben, dass sie vor allem phonetisches/musikalisches Element sind. Kann man finden, fällt dem Amerikanisten in mir aber sehr schwer zu akzeptieren. Dennoch: ein gutes Konzert. Prädikat empfehlenswert, warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah?! Hat Spass gemacht!
Setlist:
Outta Hell
My Life
Future Lies
Soulless
I Believe
Freak!
Leave Me Alone
Taste
Ghost Rider
Liar
Victim
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Roots
One By One