Summer of Music and Art Festival feat. 2Raumwohnung, Kosta Kostov, Leningrad, LCD Soundsystem, Feist, Soulwax uvm.
Freitag Abend, 2.20 Uhr. Die Kollegin und ich haben es dann doch noch geschafft. Wir stehen vorm SOMA im Kölner Jugendpark! Kommen aber nicht rein. Der Veranstalter bittet darum, dass die zwar durchaus legal erworbenen Festival-Tickets ausschließlich gegen Bändchen gewandelt werden müssen, sagt der Chef-Security am Eingang. Ach übrigens, tut ihm auch leid, zumal wir noch 20 Minuten zu spät sind. Zu spät? Ja, der Bus, an dem man die Tickets bekommt ist zu. Zu schade. Wir besorgen uns Tages-Bändchen von netten Frauen, die das Festival verlassen. Immer noch ein Veto an der Tür, da sie den Rüttel-Test nicht bestehen. Die Bändchen natürlich. Ist es eigentlich sehr unverschämt ein Festival zu besuchen, mit der Option den Zeitpunkt selbst zu wählen, unter der Prämisse das Ticket schon gelöst zu haben? Nichtsdestotrotz geht es auf Festivals ähnlich zu wie im normalen Berufsleben. Wir kommen dann doch rein, weil man ja immer einen kennt der einen kennt, der dann doch eben noch verschlossene Pforten öffnet.. Erstmal ein Bier. Desperados passte; die Verzweiflung war noch nicht vollständig aus unseren Gesichtern verschwunden.
Im Parkclub legte Kosta Kostov von Balkan Express auf. Der Raum war zwar nicht ganz gefüllt, aber die die drin waren, tanzten überwiegend. Aufgelegt wurde Dub, Raggae und Pop, gepaart mit ost- und südeuropäische Klängen, die mich an kroatische Hochzeiten erinnerten. Zu mehr hat es an diesem Abend nicht mehr gereicht, zumal es am Freitag auch noch keinen Eintritt ins Bootshaus gab.
Ein wenig verkatert schlugen wir dann am Samstag wieder auf. Um 15 Uhr war das Gelände gut besucht. Der Himmel war bewölkt, ärgerte die Feiernden aber nicht mit Regengüssen. Soulwax heizte den Leuten erst rockig, zunehmend mit treibenden Bässen ein. Die Belgier ließen es richtig krachen und spielten ein Set, welches auch dem ein oder anderen Rocker zu gefallen wußte. Erst gegen Ende überwogen die elektronische Töne. Sie beendeten ihren Auftritt fünf Minuten früher, um den „Zugabe“-Rufen des Publikums entgegenzukommen.
Danach blieb genügend Zeit sich auf dem großflächigen Gelände umzuschauen. Wer Hunger und Durst hatte, bekam die Möglichkeit sich durch die halbe Welt zu schlemmen, knuspern oder schlürfen. Arabische, mexikanische, thailändische und vietnamesische Spezialitäten konnten mit einem Caipirinha oder Cuba Libre zu fairen Preisen eingenommen werden. Wem Bratkartoffeln und Bier eher zusagten, hatte auch nicht mit einem Versorgungsengpass zu rechnen. Einige Gestalten mit fiesen Gesichtern hopsten auf Stelzen durch die Gegend. Wer sie waren, man weiß es nicht, beim Anblick verließ mich auch der Mut zu fragen. Hinter den Verpflegungsständen konnte man sich die lang ersehnten Dreadlocks flechten lassen, jung und alt hätten in den Genuß eines lustigen Katzengesichts kommen können, um danach en passant eine Greenpeace- Mitgliedschaft zu unterzeichnen. Festival- T-Shirts bekam man auch für 15€.
Der Himmel hatte nun freundlich aufgerissen. Feist begann auf der Hauptbühne. Den geforderten „fetten Applaus“ bekam sie. Zu Beginn ein Solo, dann strömte sanfter, minimalistischer Popsound von der Bühne auf die von den Seiten leicht eingenebelten Gäste. Feist hat eine schöne Stimme. Allerdings ist sie vielleicht noch schöner, wenn die Bühne bereits in romantisches Mondlicht getaucht wäre.. So hörte es sich schon ein wenig „schneckig“ an, wie die Kollegin meinte. Irgendwie wußte ich was sie meinte. Es war nett, dennoch einfach zu soft (für 17 Uhr). Nun hatten die Besucher wieder etwas Zeit besagte Stände abzugrasen, erst um 19 Uhr sollte Roots Manuva & Band die Bühne betreten. Zwischendurch folgten wir der Aufführung des Duos Flamme Fatale. Zunächst wunderte man sich, denn die Show glich einem verzweifelten Versuch den Rauswurf aus der Theater AG einer Waldorf-Schule zu verarbeiten. Die Einleitung hatte zu lange die Aufschrift „Vorsicht Kunst!“ Zunehmend zeigten die beiden aber, dass sie durchaus akrobatisch sind und jonglieren können. Allerdings machten mich derweil brasilianische Klänge darauf aufmerksam, dass es nun Zeit für einen Caipi war. Fazit: Wer die beiden Damen Mariann und Irmtraud einmal live erleben möchte, kann es sich durchaus erlauben verspätet einzutreffen, ohne von anderen mit einem verpassten entfesselnden Auftakt gehänselt zu werden.
Roots Manuva oder Rodney Smith dampfte das Publikum mit sozialkritischen Texten auf dub- elektro, teilweise groovigen UK-HipHop-Beats ein. Vor allem weil er so viele Elemente unterschiedlicher Musikrichtungen vereint, jubelte auch das bunt gemischte Publikum. „When i say Roots, you say... Manuva!“ Klar. Da tanzte auch so manche junge Mutter mit Kind. Ordentlich durchgeschwitzt und ermüdet taumelten die Gäste danach zum Bierstand. So macht das Spaß.
Inzwischen vermischte Jamie Lidell im Zirkuszelt die hohe Kunst des Djiing mit Mundakrobatik und einer Stimme, die heutzutage ihres gleichen sucht. James Brown läßt grüßen, scheint hier keinesfalls übertrieben. Die Show war wahnsinnig gut. Vor allem weil er es schaffte eine faszinierende Mischung aus seiner Stimme und phänomenalen Übergängen auf die viel zu kleine Theke zu bringen. Auf der Soma- Website steht: „wenn Jamie Lidell im Spotlight steht, werdet ihr euch verlieben.“ Wenn ich den leicht verklärten Blick so mancher Frau richtig gedeutet habe, schien genau das eingetreten zu sein. Ein DJ mit Stimme, mit Beat und soviel Soul, Frauenherz wat willste mehr?
Danach blieb kaum Zeit zum Luft schnappen, denn das LCD Soundsystem hatte auf der Hauptbühne losgelegt. Um es vorweg zu nehmen, die Jungs sind derzeit nicht zu schlagen. War die Stimmung bei Roots Manuva schon super, so war sie bei James Murphy und Konsorten der helle Wahnsinn! Und obwohl ihr derzeitiges Album „LCD Soundsystem“ nicht überall mit Bestnoten ausgezeichnet wird, so sind sie live auf jeden Fall ein Muss! Das mag daran liegen, dass man ihre Musik sehr laut hören sollte...
Die Beine heben dann ganz von alleine ab. Und die Erkenntnis, dass sich Punk und House nicht grundsätzlich ausschließen gibt es gratis dazu. YeahYeahYeah...
Verschwitzt und zufrieden gab es dann zum Abendessen einen „Bandito Burrito“.
Danach brachen wir auf ins Bootshaus (Dock 8), welches sich auch dieses Jahr durch zwei teilte. In Nr. 1 spielte Stammgast ILL-Young-Kim soliden Detroit-House. Fließende Übergänge vom Laptop abgemischt polterten durch das Gemäuer. Uns verließen allmählich die Kräfte und die Tanzmenge wurde zunehmend dichter. Dennoch der Mann ist gut, keine Frage. 2 Many DJ´s (alias Soulwax) ließen es erstmal gemütlich angehen. Wir entschieden noch ein paar Klänge von Henrik Schwarz zu hören. Obwohl Zweitgenannter uns samt Deep-House Sound besser gefiel, konnte ich mich nicht mehr ganz drauf einlassen. Der Weg nach Hause war ratsam. Gerne hätte ich noch mal Ellen Allien gesehen oder James Murphy bei seinem Soloauftritt. Die beiden sollte man mal gesehen haben, wenn einem elektronische Klänge gefallen...
Vom Sonntag kann ich nicht mehr berichten; zu anstrengend und erlebnisreich war das Wochenende zuvor. Schön war das Soma auch in diesem Jahr. Es gab vieles zu sehen, das Wetter spielte an beiden Tagen mit, die Location ist toll und das Festival-Ticket ist mit 35€ ein Schnäppchen (zum Vergleich: Sonar in Barcelona 105€). Übrigens Bändchen-Blödeleien haben die Spanier auch drauf, tut zu dem Preis aber viel mehr weh!
Köln > Jugendpark > S.O.M.A. Hier geht einiges!