The Ocean And Me-Tour 2008 – Support: Big Johnny Jewel
Die Bühnendeko mit Fischernetz im Hintergrund, Holzkisten und einem Holzfass auf der Bühne geben dem etwas ramponierten Schiller Theater eine Atmosphäre, irgendwo zwischen ländlicher Idylle und Treibgut. Nach einem sehr kurzen (vier Songs) Auftritt von Big Johnny Jewel, der sich eher durch seine symphatische Art Freunde macht, als durch seine Musik, geht es mit dem Opener "Yeah, Okey" von Sophie Zelmanis neuem Album «The Ocean And Me» los (hier ein Review).
Sophie Zelmani im weißen Wallekleid mit Kopftuch sieht ein wenig so aus, als hätte man sie beim grossen Waschtag am Fluss gestört. Ganz so unnahbar wie man so manche Skandinavier schon auf Bühnen erlebt hat, die schon mal abseits der Liedtexte während eines Konzertes kein Wort verlieren, ist sie zum Glück nicht. Obwohl sie sich sichtlich unwohl fühlt am Anfang und eine ganze Weile braucht, um ein wenig warm zu werden mit dem Publikum, wirkt sie dabei nie unsympathisch. Mit Bemerkungen, wie "You are very quiet. So am I", läßt sie ihrem spröden skandinavischen Charme freien Lauf.
Mal sitzend, mal stehend singt-flüstert sich Sophie Zelmani durch das Set, das zum großen Teil aus Material vom neuen Album besteht: Songs wie "The Ocean And Me", "Composing", "This Room", "Love", die sich wunderbar mit den älteren vermischen. Am besten funktionieren die Songs, die sich schon auf den Alben durch ihren besonders warmen und satten Sound auszeichnen (wie "Travelling" oder "Wind Took My Sail"). Zwischen zwei Songs reicht Sophie Zelmani ein Buch ins Publikum, in der Hoffnung, dass das Publikum etwas hineinschreiben würde, denn sie wolle es gerne kennenlernen - ihr Publikum. Eine ungewöhnliche Idee, ich hoffe nur sie hat am Ende ihr Buch wiederbekommen.
Für das Bob Dylan Cover "Most Of The Time" kommt mitten im Song nochmal der Support Act Big Johnny Jewel auf die Bühne und nachdem ihm Sophie Zelmani einen Mikrofonständer besorgt und aufgebaut hat, bereichert er den Song um ein Mundharmonikasolo, an dem sicherlich auch "His Bobness" seine Freude gehabt hätte. Die Band begleitet versiert, wenn auch ein wenig teilnahmslos. Ein Wermutstropfen sind die ständigen Gitarrensoli, denen sich Lars Halapi, der langjährige musikalische Partner Zelmani's und der Gitarrist Johan Lindström hingeben. Denn auch wenn sie das sehr gekonnt tun, die ausufernden Orgien auf Gitarre und Pedal Steel sind zuviel. Ob das bewusst gewählt ist, um einen Kontrast zu der sehr ruhigen Musik zu bilden und sie immer wieder durch Soli zu unter- und durchzubrechen, sei dahingestellt.
Den Fluss der Musik unterbricht es jedenfalls sehr und wirkt in seiner Häufigkeit eher störend. Was auf den Studioalben Akzente setzt, ist live zunehmend nervend und der Gedanke "Nicht schon wieder" macht sich breit. Sophie Zelmani nimmt die potentiellen Egotrips ihrer Mitstreiter aber gelassen hin und wiegt sich im Takt. Mit "Composing" und einem besonders rasanten Solo von Lars Halapi beenden sie ihr Set.
Für drei Zugaben ("Going Home", "To Know You" und "I Will Be There") kommen sie nochmals auf die Bühne, doch das Publikum hat noch nicht genug und applaudiert heftig. Nach "Dreamer" ist allerdings endgültig Schluss und Sophie Zelmani wird mit Standing Ovations verabschiedet. Ganz so leise wie sie zwischenzeitlich bemerkt hatte, ist das begeisterte Publikum nämlich nicht.