Soulsavers feat. Mark Lanegan & Special Guest: John Lee Hardee
Für den heutigen Abend gibt es nur eine Frage: Wohin bloß soll ich gehen? Julian Plenty spielt in der Kulturkirche, Them Crooked Vultures im Palladium und die Soulsavers im Gebäude 9. Nur wenige haben sich für das Projekt von Rich Machin und Ian Glover entschieden, sodass John Lee Hardee mit seiner Akustikgitarre nahezu unter Ausschluss der Öffentlichkeit spielt.
In der kurzen Umbaupause sorgt zunächst einmal ein Roadie dafür, dass große Teile der Bühnenbeleuchtung ausgeschaltet werden. Diesem Umstand ist es dann später zu verdanken, dass Mark Lanegan während des gesamten Konzertes nahezu unsichtbar bleibt.
Gegen Viertel vor Zehn geht es dann los, die Bühne wird von wenigen Scheinwerfern in tiefes Rot getaucht, die ersten, schweren Akkorde dröhnen durch das gerade mal zu einem Drittel gefüllte Gebäude 9. Dann endlich betritt auch der Zeremonienmeister des heutigen Abends die Bühne und richtet sich auf seinem Platz in der Dunkelheit ein, von wo aus er uns den Rest des Abends mit seiner donnernden Stimme die Gedärme erzittern lässt. Die Band ist ein gut eingespieltes Team, das seine Version des Blues und Bluesrocks überzeugend vorträgt.
Zwei Gitarren, Bass, Keyboard und Schlagzeug, ab dem zweiten Song durch zwei Background-Sängerinnen ergänzt, haben von der ersten Sekunde an die kleine Schar Menschen, die sich vor der Bühne versammelt hat, auf ihrer Seite. Dabei findet der Kontakt zum Publikum nahezu ausschließlich über die Musik statt. Ansagen, soweit überhaupt vorhanden, werden unverständlich ins Mikrofon genuschelt. Verstärkt wird der Eindruck dieser Distanz durch die schon erwähnte, sehr spärliche Beleuchtung und die Unsichtbarkeit des Sängers.
Trotzdem, oder gerade deshalb gelingt es den Soulsavers feat. Mark Lanegan eine sehr intensive, konzentrierte Vorstellung zu liefern, die von den Anwesenden durchgehend bejubelt und beklatscht wird. Die Songauswahl orientiert sich naturgemäß am zu promotenden Album "Broken", doch darf auch Mark Lanegan einige seiner Stücke vortragen. Der Sound geht ganz klar in Richtung Screaming Trees, der früheren Band des Sängers, in einer deutlich bluesorientierten Variante. Nach einem kleinen Zugabenblock, in dem die beiden Sängerinnen Gelegenheit bekommen, ihre Gesangskünste alleine unter Beweis zu stellen, treffen dann die ersten Besucher des Them Crooked Vultures-Konzertes ein, die noch einen Blick auf die Grunge-Legende Lanegan zu erhaschen hoffen. Zu diesem Zeitpunkt gibt die Band allerdings schon am Merchandise-Stand Autogramme.