Punks Not Dead – The Spermbirds live in concert
Ja, es gibt sie noch – die Hardcore/Punk/Crossover-Legende Spermbirds aus dem Südwesten der Republik. Auch wenn die Herrschaften etwas älter geworden sind und schon längst nicht mehr in ihrer Heimatstadt Kaiserslautern wohnen, sondern mittlerweile u.a. in Köln, Saarbrücken und Berlin berufliche und familiäre Bindungen haben sowie sich bei anderen musikalischen Projekten austoben, beglücken sie noch sporadisch ihre nach wie vor treuen Fans in kleinen aber feinen Clubs und auf einschlägigen Szene-Festivals.
Auch die Tatsache, dass das letzte Studioalbum schon knapp fünf Jahre zurückliegt, kann viele nicht davon abhalten, sich an diesem Freitagabend von der Frische und Energie der „five palatinate guys“ selbst zu überzeugen. So meldet das Blue Shell bereits während des Auftritts der ersten Vorband für viele zu diesem Zeitpunkt noch Draußenstehende leider „ausverkauft“.
Eingeläutet wird der Abend gegen 21:30h von der vierköpfigen Formation Zehn Nattern, die Post Punk/Rock mit deutschen Texten zum Besten gibt. Die Band aus Köln ist das neue Projekt um Spermbirds-Gitarrist Roger Ingenthron, sollte anfangs eigentlich „Cometboy“ heißen und besteht erst seit September des letzten Jahres. Die restlichen Mitglieder dürften dem ein oder anderen möglicherweise von ihren weiteren aktuellen bzw. ehemaligen Engagements bei Genepool, Nothing In Common oder Debt Of Nature bekannt gewesen sein. Hierbei hat sich Ingenthron auf ungewohntes Terrain begeben, da die Texte vor der Namensänderung wie bei all seinen bisherigen Gruppen ursprünglich in englischer Sprache geschrieben wurden, durch ihre deutsche Übersetzung und Interpretation allerdings (nach eigener Aussage) ausdrucksstärker, klarer und auch provokanter gerieten und daher den neuen Bandnamen mit beeinflussten. Dies kommt bei ihrem knapp einstündigen Auftritt auch zur Geltung und der (sprachliche) Wechsel kann somit als durchaus gelungen bezeichnet werden.
Als zweiter Support folgt nun der Vortrag der ebenfalls in der Domstadt beheimateten 2LHUD, deren musikalische Ausrichtung nach eigenen Angaben einem gepflegten „PunkReggaeDubCore-Arschtritt deLuxe“ gleichkommt – mit Einflüssen von The Clash, Asian Dub Foundation oder Dub War. Stilistisch vielfältige Sounds mit Punk als Basis - leider haben die Jungs wohl das Pech, dass die Menge im mittlerweile proppenvollen Konzertraum etwas ungeduldig wird und das Dargebotene vereinzelt mit „Aufhören“-Rufen quittiert – schließlich geht es schon auf halb zwölf zu.
Dann aber ist es endlich soweit und die Spermbirds entern die kleine Bühne. Bei ihrer nun folgenden ca. 80minütigen Show beseitigt schon der Opener „Americans Are Cool“ umgehend irgendwelche Zweifel, ob die fünf „Punk-Veteranen“ mit mehr oder knapp weniger als vier Jahrzehnten auf dem Buckel etwas von ihrer Lautstärke, Power und Dynamik im Laufe der Zeit eingebüßt hätten – wobei in erster Linie natürlich Frontmann und Sänger Lee Hollis hervorzuheben ist, der wie ein tasmanischer Teufel in absoluter Höchstform über die Bühne fegt - „crazy by nature“ eben. Ebenso im Repertoire sind die Skater-Hymne „My God Rides A Skateboard“, der Klassiker „Only A Phase“ vom Album „Common Thread“ und – für viele ungewohnterweise bereits zur Halbzeit der Vorstellung, da sonst üblich einer der letzten Songs bei der Zugabe – „Texas Cowboy“ von der Platte „Nothing Is Easy“ aus dem Jahre 1987. Alles in allem wie immer furioser Punkrock mit sarkastischen Texten, ohne Schnörkel, direkt in die Fresse.
Einziger (kleiner) Wermutstropfen für den Schreiber dieser Zeilen ist, dass der All-Time-Favourite „Something To Prove“ nicht zum Besten gegeben wird – allein der Umstand jedoch, wieder mal einem der sehr rar gewordenen Gigs seiner einstmaligen Lieblings-Liveband aus der Heimat beigewohnt zu haben, lässt dies gelassen verschmerzenÂ…
So endet die Veranstaltung gegen viertel vor eins in der Nacht und man blickt um sich herum in erschöpfte und verschwitzte, aber durchweg zufriedene Gesichter einer Crowd, deren durchschnittliches Alter – und das mag die eigentliche Überraschung des Abends gewesen sein – nicht viel jünger als die der Musiker war.
Präsentiert wurde das Ganze übrigens vom „klub der 40 e.V.“, ein in Köln ansässiger, kulturfördernder Verein, der Konzerte und sonstige Events nach eigener Aussage ohne jegliche Profitneurose organisiert und durchführt.
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