Showcase 2008
Pünktlich um 21.30 Uhr gehen die Lichter im direkt unter dem Kölner Stadtgarten gelegenen Studio 672 aus und die geschätzt 100 anwesenden, überwiegend in schwarz oder freundlichem Steingrau gewandeten Menschen beiderlei Geschlechts drängen in Richtung Bühne. Das Studio 672 ist ein kleiner Kellerraum mit Backsteinwänden. Die Beleuchtung ist sehr reduziert. Neben zwei gefakten Oberlichtern (Lampen in Form von Fenstern), wird die Atmosphäre des Raumes bestimmt durch rotes Licht an der Bühne und blaues unter der Theke, die die ganze linke Seite einnimmt und auch während des gesamten Abends nicht über zu wenig Inanspruchnahme klagen kann.
Auf einer großen Leinwand läuft „Django“ mit Clint Eastwood in der Hauptrolle und deutet schon einmal an, wohin heute die Reise gehen wird. Dieser Film wird den gesamten Auftritt von Spiritual Front begleiten und das ist auch absolut stimmig. Denn was da aus den Boxen erklingt, ist Wüstenrock à la Giant Sand und Calexico. Dichter Nebel hüllt das Geschehen ein und ab dem ersten Ton haben die vier Italiener (Simone Salvatori – Gesang und Gitarre, Piergiorgio – Keyboards, Andrea Freda – Schlagzeug und Giorgio Maria Condemi – Elektrische Gitarren) die Meute im Griff.
Nach der Ansage des Tourchefs, geht schon die Begrüßungsformel in der Landessprache in den ersten flirrenden, mit ordentlichem Twang versehenen Tönen der E-Gitarre unter. Sofort wird klar: Spiritual Front wollen Musik machen, hier gewinnen. Und genau das passiert auch. Jeder einzelne Song wird mit grosser Begeisterung vom Publikum aufgenommen und nach und nach entwickelt sogar so etwas wie ein Dialog mit den vier, ordentlich in schwarzer Anzughose, Hemd und Krawatte gekleideten Herren, welche auf kleinen Hockern da auf der Bühne Platz genommen haben und in kleinen Bröckchen Deutsch und Englisch das Gespräch mit den Anwesenden suchen.
Zum Großteil bestreiten Spiritual Front ihren Auftritt mit den Songs ihres 2006er Albums „Armageddon Gigolo“, doch bekommen diese durch die Live-Situation eine völlig andere Klangfarbe. Klingen sie auf Konserve noch sehr in Richtung Nick Cave und anderer Düsterrocker, sind sie hier und heute tanzbar, manchmal geradezu fröhlich (nicht wirklich im Wortsinn).
Alle sind guter Dinge, und als Spiritual Front nach gut einer Stunde zum ersten Mal an diesem Abend die Bühne verlassen, wird das nicht mit Begeisterung quittiert. Aber die Herren lassen sich nicht lange bitten und geben noch ein paar Zugaben, deren letzte den Abschied dann noch einmal besonders schwer macht.
Für die meisten hier wird es jedoch kein Abschied für immer sein. Spiritual Front nehmen demnächst in Rom ihr neues Album auf und werden dann sicherlich auch wieder zu Gast in unseren Gefilden sein.