Tour 2008
Der Herbst naht. Die Festival-Saison ist fast vorbei und die kleinen Clubkonzerte stehen wieder im Vordergrund. Seit gut anderthalb Monaten ist nun das dritte Werk der Gruppe Sport, „Unter den Wolken“, draussen. Neben vereinzelten Auftritten Ende August und Anfang September starten Sport nun in Essen ihre kleine Spätsommer Tour.
Im ersten Stock der alten Rektoratsschule in Essen-Steele machen sich nach einer kleinen Verzögerung beim Einlass die Hauptakteure bereit. Sport aus Hamburg. Das ist Rock und Energie pur. Selbst unten im Keller spürt man das Grend noch beben. Neben Konzerten werden hier auch Theatervorführungen und andere Kulturprojekte dargeboten. Gut, dass diese heute nicht stattfinden bzw. schon zu Ende sind. Sport rocken und schmettern mit „Gehirnerschütterung“ erstmal den wenigen Zuhörern ein Brett vor den Kopf, das sich gewaschen hat. „Zu laut“ tönt es aus den hinteren Reihen, welches mit einem Lächeln und einem „Ach, Quatsch!“ von Sänger und Gitarrist Felix Müller erwidert wird. Zum Kuscheln sind wir ja hier nicht gekommen. „Vergiss die Weltformel“ knüpft an die harten Riffs des Openers an. Der Sound, der wirklich enorm laut ist, kommt sehr gut rüber. Kaum ein Unterschied zu dem, was man auf Platte hört. Vor allem sicherlich, weil man mit Jan-Eike Michaelis einen zusätzlichen zweiten Gitarristen für die Tour an Bord geholt hat. So lässt sich musikalisch natürlich viel mehr umsetzen. So klingen die Gitarrenriffs wuchtiger und die Melodien klarer.
Trotz des typischen Hamburger Humors, den auch Sport besitzen, wird man in den Liedern wieder ernst. „Der Schmerz“ ist das beste Beispiel dafür. Ein Song über Verlust und Trauer und den Umgang damit. Da muss man trotz der rockigen Darbietung kurz mal inne halten. Insgesamt bleibt einem ohrenmäßig wenig Zeit zum Verschnaufen. „Wenn alle Stricke reissen“ oder „Durch die Lücken“ bieten nur kurze Verschnaufphasen in den Strophen, bevor es wieder dreckig grungig im Refrain zugeht. „Namen und Gesichter“ überzeugt vor allem durch den langatmigen melancholischen Schluss. Schlagzeuger Martin Boeters fordert bei „Die Hände“ das Publikum auf mitzuklatschen. Am Ende des Songs merkt man, dass dieser sehr gut ankommt beim Publikum. „Ein Ende“ ist noch nicht in Sicht, bringt aber einen weiteren Höhepunkt. Die Lieder der Gruppe Sport hauen einen entweder um, gehen ins Ohr oder lassen einen kurz in sich kehren und „Ein Ende“ beinhaltet wohl alles von diesen Attributen. Neben dem üblichen Stimmen der Instrumente zwischen den Songs wird weiter munter gequatscht oder ein Schluck aus der Bierflasche genommen. „Wir sind für euch da“, bei dem Bassist Christian Smukal erstmals die zweite Stimme singt, bildet den Schluss des Mainparts. 13 Songs sind nun schon vorbei. Wo war die Zeit?
Das kleine Zugabeset wird auf Wunsch von Tour-Gitarrist Michaelis mit „Newton“ begonnen, dem Opener des 2006er Durchbruchs „Aufstieg und Fall der Gruppe Sport“. Über den kleinen Verhaspeler am Anfang sehen wir mal getrost hinweg. Denn auch dieser Song überzeugt live. Den Schlussakt setzt dann der Titeltrack des aktuellen Werks „Unter den Wolken“. Eine fasst schon nicht mehr ganz so irdische, über siebenminütige Hymne, die einen guten Abschluss gibt und zeigt, dass Sport nicht nur die krachenden Akkorde drauf haben, sondern das Ganze auch gemächlicher angehen können.
Mit selbstgebastelter Wolke als Deko im Hintergrund, einer kleinen Location und den zum Veranstaltungsort etwas fremden lauten Tönen, geht das Sportevent nach guten 1:20h zu Ende. Ein lohnender kleiner Einstieg für Zuhörer und Band auf das, was noch im September kommen soll. Sport ist unter anderem zu Gast auf dem Remscheider Open Air. Eine so genannte „Umsonst & Draussen“ Veranstaltung. Dieser Band gehört definitiv mehr Aufmerksamkeit und zeigt Kante-Gitarrist Felix Müller mal von einer anderen Seite. Was ein bisschen fehlte, war vielleicht der ein oder andere Song des Debuts „These Rooms Are Made For Waiting“. Dafür kam das neue Album „Unter den Wolken“ voll und ganz zur Geltung.
Setlist:
Gehirnerschütterung
Vergiss die Weltformel
Stimmen
Schönen Gruß, die Satelliten
Der Schmerz
Wenn alle Stricke reissen
Druch die Lücken
Namen und Gesichter
Morgen sind wir raus
Die Hände
Ein Ende
Bloss psychosomatisch
Wir sind für euch da
Newton
Unter den Wolken