Just Doin` It!-Tour 2007
Es ist schön, dass es in unserer schnelllebigen Zeit noch Konstanten gibt. Status Quo sind zweifellos eine davon. Ihr bluesiger Boogie-Rock war zwar noch nie sonderlich originell, aber seit nunmehr vierzig Jahren versorgt uns das Quintett nun schon mit zahllosen Partyhymnen. Es gibt wohl kaum eine Band auf diesem Planeten, die ihrem Namen mehr Ehre macht. Da weiß man was man hat und das ist gut so. 120 Millionen verkaufter Alben sprechen Bände. Zuletzt machten die Engländer im Oktober letzten Jahres Station in Nordrhein-Westfalen, genauer gesagt im Kölner Palladium (ein Review findet ihr hier). Heute also ist der Museumsplatz in Bonn an der Reihe. Aufgrund seiner gemütlichen Atmosphäre ohnehin immer eine Reise wert.
Ich trudele erst relativ knapp vor Konzertbeginn ein, habe aber immerhin noch Zeit, mich mit einer Kaltschale Gerstensaft zu versorgen und mich unter den geschätzt 4.000 Fans ein wenig umzusehen. Frontmann Francis Rossi und Gitarrist Rick Parfitt, die beiden einzigen übriggebliebenen Gründungsmitglieder, gehen inzwischen stramm auf die Sechzig zu und ungefähr in diesem Bereich bewegt sich auch der Altersdurchschnitt im Publikum. Viele Fans sind eben mit dieser Band alt geworden und genießen es offenkundig heute nochmal eine gepflegte musikalische Zeitreise unternehmen zu können. Jedenfalls ist die Stimmung unter dem Zeltdach entsprechend friedlich und ausgelassen.
Als Rossi (wie immer weisses Hemd und schwarze Weste) und Parfitt (im Gegensatz dazu in einem fast schon gewagten rosafarbenen Hemd) kurz darauf leibhaftig die Bühne betreten, schwillt der Jubel zum Orkan an. Unterstützt werden sie von Matthew Letley hinter dem Schlagzeug (seit 2000 dabei), Keyboarder Andrew Bown (immerhin schon seit 1973 in der Band) und John Edwards am Bass, der seit 1985 die Saiten zupft. Der Sound ist schön fett, als die Fünf mit dem obligatorischen "Caroline" ins Set starten. Rick Parfitt sind seine gesundheitlichen Probleme der vergangenen Jahre mittlerweile nicht mehr anzumerken, auch wenn die Performance insgesamt mit der Zeit natürlich sehr viel ruhiger geworden ist. Wir werden halt alle nicht jünger. Was jedoch die Fans am allerwenigsten zu stören scheint. Um mich herum wird das lichte Grauhaar fleißig geschüttelt. Und es geht fröhlich weiter mit "Somethin` Bout You Girl I Like" und "Don`t Waste My Time".
Spätestens bei "All Stand Up" bin auch ich gefühlsmäßig wieder in meiner Kindheit angekommen und lasse mich von der Begeisterung mitreißen. Die Gitarren schrauben sich vom Kopf durch die Eingeweide in meine Füsse und selbst die nasskalte Witterung ist nun endgültig egal. Man kann sich ja warmtanzen. Was bleibt einem auch anderes übrig bei Songs wie "Creepin` Up On You", "Roll Over Lay Down" oder dem Uralt-Schinken "Big Fat Mama"?! Als dann "Down Down", "Whatever You Want" und "Rockin` All Over The World" folgen, gibt es kein Halten mehr. Mein Bier habe ich längst zur Seite gestellt und stattdessen die Luftgitarre ausgepackt. Status Quo ernten ein ohrenbetäubendes Echo aus tausend Kehlen, als sie sich zum Frischmachen in die Pause verabschieden. Auch ich bringe schnell meine nicht vorhandene Frisur wieder in Ordnung.
Jetzt noch "In The Army Now" und der Abend ist perfekt. Kommt aber nicht. Es kommt eigentlich so gut wie garnichts mehr. Nach "Juniors Wailing", "Rock & Roll Music" und "Bye Bye Johnny" ist urplötzlich Schluss. Der Zugabenblock hat nicht mal eine Viertelstunde gedauert und es wäre noch reichlich Zeit bis zum am Museumsplatz üblichen Ende um 22 Uhr (Stichwort: Anwohnerschutz). Ungläubiges Staunen. Es ist fast so, als würde man von seinem Wecker aus einem süssen Traum gerissen. Nach 19 Songs und wohlwollend gestoppten anderthalb Stunden ist tatsächlich Feierabend. Über die Gründe möchte ich an dieser Stelle nicht spekulieren, aber das ist trotz eines vergleichsweise moderaten Ticketpreises von 34 Euro dann doch äußerst dürftig.
Die Fans sehen das ähnlich und machen sich mit lautstarken Pfiffen und Buh-Rufen Luft. Schade, schade! Dieses bis dahin klasse Konzert hätte wirklich ein würdigeres Ende verdient gehabt. Ziemlich enttäuscht mache ich mich auf den Heimweg. Bleibt die Hoffnung auf das neue Album (origineller Arbeitstitel: "In Search Of The Fourth Chord"), das im September erscheinen soll. The Party Ain`t Over Yet!