Tour 2011
Ein Großteil derer, die Rob Birch an diesem Konzertabend zum ersten Mal zu Gesicht bekamen, war sicherlich erst mal schockiert. Der Frontmann der Stereo MCs ist klein und so dürr, dass die Wangenknochen aus dem Gesicht ragen, wie Klippen aus dem Meer. Da hilft auch die Sonnenbrille nichts, die Birch fast den ganzen Abend tragen wird. Fans des britischen Rap-Pioniers wissen jedoch: Dies sind nicht die unauslöschlichen Spuren einer Musikerkarriere. Er sah schon immer so aus.
Dies ist aber auch das einzig Magere an Rob Birch, denn die Performance, die er in den nächsten 90 Minuten abliefert, ist außerordentlich feist. Mit immensem Körpereinsatz rappt, tanzt und groovt er sich durch den Abend, dass er sicherlich das ein oder andere überflüssige Pfund verloren hätte, so es denn vorhanden gewesen wäre. Birchs Bühnenpensum hat im Laufe der letzten Jahrzehnte nicht einen Hauch an Intensität verloren, im Gegenteil: Er mutet sich immer mehr zu. So hat Birch sich im Rahmen der Aufnahmen zum neuen Album "Emperor's Nightingale" stark mit seiner Stimme auseinandergesetzt. Bisher kam sie fast ausschließlich bei seinen charakteristischen Rap-Parts zum Einsatz, aber auf der neuen Platte übt er sich zunehmend im Gesang.
Dies will Birch dem Kölner Publikum natürlich nicht vorenthalten, weshalb er in der ersten Hälfte des Konzerts einige Stücke vom neuen Album singt. Für viele Besucher klingt dies erst einmal gewöhnungsbedürftig, aber dank Birchs Enthusiasmus‘ auf der Bühne tut es der Stimmung keinen Abbruch. Grundsätzlich ist es ja durchaus begrüßenswert, wenn Künstler sich weiterentwickeln. Hierzu ließ Birch kürzlich folgendes verlauten: "Wir mussten Musik machen wirklich neu lernen. Aber wenn Du beginnst Fortschritte zu sehen und Dich Sounds schaffen hörst, die du vorher nie gemacht hast, kommt der Enthusiasmus zurück. Du entwickelst wieder ein Gefühl für die Sache und merkst, was Du alles machen kannst. Es fühlt sich an, als wenn wir aus dem Dunkeln herausgetreten sind".
Neu an Birchs Weiterentwicklung sind auch seine minimalistischen Gitarrenparts, die er zwischendurch immer mal wieder zum Besten gibt. Man hat zwar nicht wirklich das Gefühl, dass sie den Sound bereichern, aber vielleicht gehört dies zum besagten Fortschritt, den er braucht, um sich immer wieder einen Kick zu holen. Am meisten kickt an diesem Abend jedoch die für die MCs charakteristische Mischung aus Groove, Soul und starken Melodien. Immer dann, wenn’s "Deep Down And Dirty" wird und sich Birch mit seinem Publikum "Connected". Wenn sich die Beats und Samples von Nick Hallam, dem zweiten Stereo MC, mit dem druckvollen Live-Schlagzeug und dem wummernden Sound des Bassisten vermischen. Nicht zu vergessen die smarten Backgroundsängerinnen, die sowohl optisch als auch stimmlich den Abend versüßen.
Gut fürs Publikum, dass die MCs in den 90ern auf ihrem Karrierehöhepunkt einen Gang runter schalteten und Remixangebote für Massive Attack und David Bowie ausschlugen und Robbie Williams‘ Albumproduktion ablehnten. So kamen die Besucher in den Genuss eines herausragenden Konzerts in intimer Clubatmosphäre.
Tourtermine:
08.12.2011 - Berlin, Gretchen
09.12.2011 - München, Backstage
18.12.2011 - Frankfurt, Batschkapp