Summers End Open Air Festival 2011 - mit Amorphis, Sabaton, Kreator, Adam Bomb, Orden Ogan u.a.
Summersend Open Air 2011
Nicht zum ersten Mal ist das Jugendzentrum in Andernach (JUZ Club) am 27. August 2011 die Pilgerstätte der Metal – Fans aus dem Westerwald und dem Koblenzer Umland. Etwa 1.000 Fans sind dem guten Angebot – 37 Euro für sechs gute bis hochkarätige Bands – gefolgt. Bei Ankunft erleben die meisten zunächst einmal eine Überraschung: Das als Open Air ausgeschriebene Festival findet doch innen im JUZ Club statt. Wer am Tag vor dem Festival auf die Webseite schaute, konnte dort die entsprechende Hintergrundinformation finden: Ein Sturm, der über den Westteil Deutschlands hinweggezogen war, hatte die Open Air – Bühne so schwer beschädigt, daß das Festival aus Sicherheitsgründen nicht wie geplant draußen stattfinden konnte. Den Veranstaltern sagen wir – ich denke im Namen aller Besucher – vielen Dank für die Vorsicht und dafür, daß das Festival trotzdem nicht ganz abgesagt wurde.
Umsonst und draußen? Beides nicht ganz.
Die Anreise zum JUZ Club ist denkbar einfach und nachdem wir einen guten Parkplatz gefunden haben, gehen wir einfach den gegen 15.00 Uhr schon zahlreich anwesenden schwarz gekleideten Leuten nach. Der JUZ Club ist für Metal – Konzerte in der Koblenzer / Westerwälder Gegend längst über den "Geheimtipp" - Status hinaus. Kleine bis "mittelgroße" Bands spielen regelmäßig dort. Im September geben sich z.B. Sinner und Vodoocircle dort die Ehre. Das Gelände ist eigentlich ideal für ein Open Air, weil es reichlich Platz gibt und im Club selbst auch Raum ist, wo man sich aufhalten kann. Im Nachhinein schätzen wir es allerdings so ein, daß es für das Festival ein Vorteil ist, daß die Konzerte drinnen stattfinden. Die Leute können draußen sitzen und essen und trinken und bei den Bands dann in den Club gehen. Da das Wetter überwiegend trocken bleibt und es bis Abends noch verhältnismäßig warm ist, sind die Verhältnisse sehr angenehm, auch wenn der Club bei den "großen" Bands Amorphis, Sabaton und Kreator natürlich sehr voll ist. Aber das trägt andererseits sehr zur Atmosphäre bei, wie wir noch sehen werden. Noch ein Wort zum Umfeld: Die Getränkepreise sind günstig. Für 2,- Euro bekommt man einen Becher (wir schätzen 0,3l) Cola / Limo / Wasser oder Bier. Das Essen ist, wie auf vielen Festivals üblich, ein wenig teurer, aber noch im Rahmen: Ein Würstchen im Brötchen kostet 3,- Euro und eine Currywurst mit Pommes 5,- Euro. Da es geschmacklich nix zu meckern gibt, und auch die Wartezeiten sich alle im Rahmen halten ist es für alle Besucher ein entspanntes Festival. Das spiegelt sich dann auch im Umgang der Leute wieder: Friedlich, freundlich und entspannt. Das ist auch gut so, denn da der JUZ Club im "richtigen Leben" ja ein Jugendzentrum ist, finden sich auch viele Jugendliche beim Festival unter den Helfern wieder und sogar viele Kinder mit ihren Eltern sind als Besucher da. Da die Stimmung jederzeit friedlich ist, einmal abgesehen von Mosh-Pits und ähnlichen "Tanzübungen", funktioniert das auch ganz gut. Vorbildlich, daß die Kinder, die wir gesehen haben, Ohrenstöpsel tragen.
Hey Ho – let´s go!
The Clinch
Den oft undankbaren Opener – Job übernehmen in Andernach The Clinch, die gar nicht auf den Plakaten stehen. The Clinch sind vier Jungs aus der Gegend um Andernach die einen alternativen Mix aus Rock und Punk spielen. Der Club ist noch sehr dezent gefüllt, aber in den ersten zwei, drei Reihen rocken offensichtlich einige Fans mit der Band ab. Die Band spielt seit 2009 zusammen und wirkt ordentlich eingespielt und ist spielfreudig. Sänger Kevin scheut sich nicht, hier und da mal vorsichtig große Posen zu probieren. Wie man das dann sozusagen im "Großformat" macht zeigen später noch Tomi Joutsen und Joacim Broden. Das Material von The Clinch ist das, was man "gar nicht mal so schlecht" nennt, wenn man nach dem Konzert aus der Halle geht, es klingt natürlich nach den "großen" der Branche wie Green Day, Blink-182 oder Offspring. Die Jungs haben sicherlich noch einen gewissen Weg vor sich, aber das, was wir sehen und hören ist auf jeden Fall schon mal ein guter Anfang. Für die Band und auch für das Festival.
Groovy Kind of Rock
Ruler
Die zweite Band des Tages sind Ruler, ebenfalls aus der Gegend um Andernach. Musikalisch geht es jetzt etwas metallischer zu. Grooviger Rock / Metal kommt uns entgegen. Auch Ruler sind hochmotiviert, was man allerdings auch erwarten kann, wenn eine junge Band auf einem Festival spielt. Optisch spielen die Jungs auf jeden Fall schon mit den "großen Jungs" mit: Tätowierte Arme und Nacken, außergewöhnliche Ohrringe und verschiedene "rockkompatible" Frisuren (lange Haare, keine Haare aber Tattoos am Hals etc.) vermitteln uns: Hier spielt eine Rockband, keine Poser. Daß im Anschluß an Ruler die "Oberposer" von Adam Bomb spielen (und zwar gar nicht mal schlecht), ist dabei eine humorvolle Randnotiz. Der Zuschauerzuspruch ist für eine zweite Band des Tages ganz gut, wir schätzen, daß schon um die 200 Leute sich Ruler anhören und sehen. Orientierungspunkte für die Musik von Ruler zu geben ist nicht so einfach. Sie bewegen sich im groovigen Midtempo, ihr ganzes Set über. Das erinnert einerseits an Groove Metal – Bands wie Fear Factory oder Mudyvane, Ruler sind allerdings nicht ganz so hart. Es erinnert andererseits an moderne Alternative-Rock-Bands wie Alter Bridge oder Breaking Benjamin, ohne allerdings an deren Hit – Potential heranzureichen. Was Ruler "bringen" ist alles gut gespielt, mit viel Engagement und Liebe zur Musik vorgetragen. Das überträgt sich auch, zumindest ein wenig auf die Anwesenden und so sind auch hier die erste und zweite Reihe in Bewegung. Ein ordentlicher Auftritt einer Band, die, bei etwas einprägsamerem Songmaterial, noch manches in Bewegung setzen könnte. Immerhin hat sie auf dem Festival schon einmal eine ordentliche Anzahl Arme und Beine in Bewegung gesetzt, das ist auch schon was wert.
Von Seattle über Los Angeles nach Andernach
Adam Bomb
Die erste internationale Band des Tages ist "Adam Bomb". Gitarrist und Namensgeber Adam Bomb ist eine in jeder Hinsicht schillernde Gestalt. Geboren in Seattle hat er den sehr deutschen Namen "Adam Brenner" bekommen und begegnet im Laufe seines Musiker-Lebens einigen prominenten und erfolgreichen Protagonisten des Rockzirkus. So gründet er mit Geoff Tate (heute Queensryche) eine Coverband, spielt in den frühen 1980er Jahren in einigen Bands, von denen die bekannteste – TKO – es immerhin auf ein paar Alben bringt und wird in den späten 1980er Jahren zu einem Vorspielen bei KISS eingeladen, leider ohne Erfolg. Er wohnt später, inzwischen nach Hollywood umgezogen mit Izzy Stradlin von Guns'n Roses und Tommy Thayer (Ex-Black´n Blue, heute KISS) zusammen. Den ganz großen Durchbruch schafft der Musiker allerdings trotz guter Kontakte und mit verschiedenen Projekten bis heute nicht. Dennoch tourt er weiter unermüdlich um die Welt und kommt so auch nach Andernach. Auf dem Summersend – Festival tritt er mit zwei weiteren Musikern als Trio auf. Optisch könnten die drei kaum unterschiedlicher sein: Adam Bomb sieht aus wie eine gealterte Version der 80er Jahre – Glam – Rocker von Mötley Crüe oder Ratt: Lange, schwarze Haare, großzügiger Kajal – Einsatz und entsprechendes Outfit. Im Review von Ruler nannten wir ihn "Oberposer" und das paßt und ist in diesem Falle ausnahmsweise nicht einmal despektierlich gemeint. Bassist Paul Del Bello unterscheidet sich optisch nicht von den "Normalos" unter den Zuschauern, bis auf das ein wenig längere Haupthaar. Schlagzeugerin "Violet Cannibal" wiederum sieht mit ihrem bunten Haar eher punkig als metallisch aus, rockt aber das Haus ganz gewaltig. Überhaupt rockt die ganze Band: Ganz im Stile der mittleren 80er Jahre schraubt sich die sympathische Combo einen Glam – Rocker nach dem anderen aus den Hüften. Adam Bomb beginnt – und beendet – den Set mit einer Feuershow, bei der Funken aus seiner Gitarre sprühen. Kein ganz, ganz großes Kino, aber doch sehr unterhaltsam, wie auch die Songs, die die bestens aufgelegte Band spielt. Viel eigenes, uns unbekanntes Material ist dabei. Adam Bomb nennt immer wieder einmal die entsprechenden LP – Namen und wir haben den Eindruck, daß es sich überwiegend um neueres Material handelt, das man auch auf seiner Webseite käuflich erwerben kann. In einem Song spielt er das legendäre "Smoke On The Water" an und er covert den UFO – Song "Rock Bottom", was die schon erfreulich zahlreichen Zuschauer mit viel Applaus honorieren, wie überhaupt der ganze Auftritt positiv aufgenommen wird und recht gelungen ist. Adam Bomb langweilt die Zuschauer nicht mit vielen Geschichten aus seinem sicher reichen Anekdoten-Fundus, sondern spielt Songs. Und daß er Gitarre spielen kann, das zeigt er mehrmals recht beeindruckend. Stimmlich ist er zwar nicht ganz auf der Höhe, aber uns macht der Auftritt trotzdem Spaß – und er macht Lust auf die weiteren Bands des Abends. Kleine Beobachtung am Rande: Wir finden es sehr sympathisch, daß die Band sich nicht nur im Backstage – Bereich aufhält, sondern vor und nach der Show mitten unter den Zuschauern zu finden ist und von Fans problemlos angesprochen werden kann. Kein Gedanke an Arroganz oder Abgehobenheit. Zugegebenermaßen können sich das die späteren Bands Amorphis, Sabaton und Kreator in der Form vermutlich nicht erlauben, vor allem die Skandinavier würden sicher mehr Bier ausgegeben bekommen, als den Auftritten förderlich wäre, aber eine solche Fan-Nähe bei einem eher kleinen Festival wie in Andernach fänden wir auch für die "größeren" Bands toll.
Keltische Piraten auf hoher See!
Orden Ogan
Als erste "bekanntere" Band gehen nach einer kurzen Umbaupause Orden Ogan auf die Bühne. Keltisch und folkig angehauchte Melodien sind das Markenzeichen der 1996 als Folk – Metal – Band gegründeten Truppe. Damit passen sie hervorragend auf das Festival, in dem sie musikalisch in etwa eine Mischung aus den noch folgenden Amorphis und Sabaton darstellen. Da uns die Band zwar vom Namen her bekannt ist, aber doch nicht so vertraut, daß wir die einzelnen Songs kennen, sind wir gespannt, wie sich die Band aus dem sauerländischen Arnsberg in Andernach schlagen wird. Der melodische Metal, der stellenweise sehr an die inzwischen aufgelösten Running Wild und andere deutsche Kapellen aus den 1980er Jahren (Helloween, Blind Guardian, Rage, Grave Digger) erinnert, kommt beim schon zahlreichen Publikum gut an. Offensichtlich sind einige Fans der Band anwesend, denn einige singen textsicher mit. Der Sound ist, wie schon bei den anderen Bands recht gut und druckvoll und der melodische Gesang von Sänger Sebastian Levermann ist bestens zu hören. Ein großes Lob an die Leute am Mischpult. Mit Grave Digger waren Orden Organ zuletzt auf einer größeren Tour, so daß die Jungs gut eingespielt in Andernach auftreten. Die Band spielt sich gut gelaunt und professionell durch ihr Material und erntet dafür einiges an positiven Reaktionen. Bei uns bleiben die "Hits" im Ohr, wie vor allem das großartige "We Are Pirates", bei dem die Fans recht gut mitgehen. Auch der Opener, wenn uns nicht alles täuscht war das "Nobody Leaves", das geniale "Angels War" und das sehr flotte "To New Shores Of Sadness" sind uns positiv im musikalischen Gedächtnis geblieben. Mit ihrem gelungenen Auftritt gewinnen Orden Organ sicherlich einige neue Fans dazu. Mindestens wir beschließen, einmal genauer "bei die Band zu schauen" und uns die eine oder andere CD zuzulegen. An dieser Stelle fällt uns auf, daß man CD´s und Merchandise nicht direkt auf dem Festival kaufen kann oder wir die entsprechenden Stände nicht gesehen haben. Das ist sicher nicht nur für Orden Ogan schade, denn nach diesem und den noch folgenden Auftritten hat sicher der eine oder andere das Bedürfnis, sich T-Shirts oder CD´s der Bands zu kaufen. Orden Ogan machen Lust auf mehr Metal, der dann auch prompt serviert wird.
Skandinavischer Abend in Andernach Teil 1 – Finnische Sagenwelt
Amorphis
Um Amorphis und danach Sabaton entspannt genießen zu können, gehen wir auf die Empore, die sich über dem hinteren Viertel des JUZ Club erstreckt. Auf der Empore ist der Backstage – Bereich von Adam Bomb und das Lichtpult untergebracht. Wie eingangs schon erwähnt, finden sich eine ganze Anzahl Kinder unter den Zuschauern und die meisten (aber nicht alle, wie noch zu erzählen sein wird) von ihnen befinden sich samt Elternteil auf der Empore. Warum wir das erzählen? Weil zwei etwa 12 Jahre alte Jungen neben uns stehen, während wir auf den Auftritt von Amorphis warten. Plötzlich brüllt der eine Junge zum anderen "Ich will endlich richtigen, geilen Thrash – Metal!!! Kreator! Kreator!". Wir fragen, ob die beiden Fans von Kreator sind. Es stellt sich heraus, daß sie bisher weder Amorphis noch Sabaton und – jetzt kommt´s – noch Kreator gehört haben. Aber sie finden den Begriff "Thrash – Metal" toll. So fangen Fan – Karrieren an.
Aus uns unbekannten Gründen verzögert sich der Auftritt von Amorphis um insgesamt etwa 50 Minuten. Wir werden aber augenblicklich für die Wartezeit entschädigt, als die Band mit "My Enemy" (auch der Opener vom aktuellen Album "The Beginning Of Times") und einem markerschütternden Growl von Sänger / Growler Tomi Joutsen loslegt. Der Sound ist super, die Band ist hochmotiviert und Tomi Joutsen ein Frontmann der Extraklasse. Die 1990 im finnischen Helsinki gegründete Band ist bereits seit einiger Zeit auf Tour rund um den Globus und hat im Sommer eine ganze Reihe von Open Air – Festivals gespielt, in Deutschland unter anderem das "Rock Harz" und das "Bang Your Head". Aber auch beim Branchenprimus "Wacken Open Air" hat die Band ihre Visitenkarte bereits abgegeben, unseren Recherchen nach zuletzt 2010. Sänger Tomi Joutsen schwingt seine langen Rasta-Zöpfe immer wieder im Takt der Musik und fordert das Publikum zum Mitsingen oder Mitklatschen auf. Dabei ist die Musik von Amorphis eigentlich keine "Stimmungsmusik", sondern eher melancholisch, getragen, stellenweise sogar filigran und, von der nordischen Folklore inspiriert, ziemlich düster. Es entwickelt sich so etwas wie ein Mosh – Pit und ein kleiner Circle – Pit und es ist insgesamt recht viel Bewegung im Publikum. So sehen wir viele nach oben gereckte Fäuste und "Pommesgabeln" und natürlich "Headbange". Nach "Sky Is Mine" gibt es mit "Mermaid" den nächsten Kracher vom aktuellen Album. In unseren Ohren ist das neue Album etwas weniger hart, aber dafür umso melodischer ausgefallen und so ist "Mermaid" eine Verschnaufpause für die Fans, der keine weiteren folgen werden. Mit "You I Need" und "Crack In A Stone" werden noch zwei weitere Songs vom aktuellen Album gespielt, was nicht ganz der Hälfte des Sets entspricht. Die größten Publikumsreaktionen bewirken erwartungsgemäß die Kracher "My Kantele" vom 1996er Album "Elegy" und der letzte Song "House Of Sleep", wo die Fans sehr textsicher mitsingen. Sänger Joutsen läßt Teile des Songs vom Publikum singen – eine Übung, die wir später bei Sabaton noch öfter erleben werden. Amorphis sind gut aufgelegt, die Gitarristen Tomi Koivusaari und Esa Holopainen spielen sich – gewissermaßen – die Finger vom Leib und haben doch auch die leisen Töne, die Pink Floyd / U2 – mäßigen, schwebenden, mit viel Delay versehenen Melodien, "drauf", was dank dem guten Sound auch vom Publikum gut wahrgenommen werden kann. Wir vermuten, daß es der Verschiebung im Zeitplan geschuldet ist, daß Amorphis keine Zugabe mehr geben können. Das ist schade, denn die Finnen begeistern auf ganzer Linie und hätten von uns aus gerne noch ein, zwei Zugaben spielen dürfen.
Setlist:
My Enemy
Sky Is mMine
Mermaid
Against Windows
You I Need
Weaving The Incantation
My Kantele
Silver Bride
Crack In A Stone
Castaway
House Of Sleep
Skandinavischer Abend in Andernach Teil 2 – Nachhilfe in Kriegsgeschichte
Sabaton
Die nächsten Skandinavier auf der Bühne in Andernach sind die Schweden von Sabaton. Während sich Amorphis in ihren Texten ausführlich mit der finnischen Mythologie und dem Volksepos "Kalevala" beschäftigen, ist das Thema von Sabaton zeitgeschichtlich deutlich näher: Der Zweite Weltkrieg hat es ihnen angetan. In den Texten werden verschiedene, manchmal unbekannte Fakten und Entwicklungen des Krieges beschreiben, beleuchtet, erzählt. Ungewöhnlich daran ist, wie konsequent die Schweden dieses Konzept "durchziehen". Nun schon fünf Alben lang ist der Krieg ihr erklärtes Thema und auch der nächste Albumtitel "Kings Of War" (soll 2012 erscheinen) läßt vermuten, daß sich das Konzept nicht ändert. Ungewöhnlich ist eigentlich (!) auch, daß man als Fan Dinge wie "the end of the 3rd reich is near, it´s time has come to an end, the end of an era is here, it´s time to attack" (aus "Panzerkampf") oder Texte, die von der "Endlösung der `Judenfrage´" handeln (in "Final Solution") inbrünstig mitsingt. Aber darüber denkt während des – um es vorwegzunehmen – grandiosen Auftritts von Sabaton sicher kein Fan nach. Wir zumindest tun es auch erst hinterher. Schon das Intro, Europe´s großer Hit "The Final Countdown", wird vom Publikum vielstimmig mitgesungen und nicht wenige spielen schon beim Solo des Intro (!) heftig Luftgitarre. Die Stimmung ist phantastisch und als dann die Jungs von Sabaton auf der Bühne sind und wie die Feuerwehr mit "Ghost Divison" loslegen und dann mit "Uprising" gleich den nächsten Kracher ins Publikum blasen, sind die Fans kaum noch zu halten. Überall werden Fäuste nach oben gereckt, wird mitgesungen, werden die Köpfe geschwungen. Andernach erlebt eine – unserer Meinung nach – denkwürdige Nacht, denn Sabaton steigern das ohnehin schon gute Niveau der Bands noch einmal. Joachim Broden, der Sänger animiert das Publikum sehr sympathisch zum Mitsingen und macht – vor allem während der ersten Hälfte des Sets – immer wieder seine typischen "Till – Lindemann – Gedenk- Posen": Er geht in die Knie und macht mit der rechten Hand einen Schlag auf eine imaginäre Trommel. Großes Kino und ein unterhaltsamer Sänger. Sabaton erfinden den Metal sicher nicht neu – die Musik erinnert an Bands wie Judas Priest, Iron Maiden, Accept, Manowar, Saxon und andere Metal – Bands der 1980er Jahre – aber dafür bringen sie ihre Songs sympathisch und mit offensichtlicher Liebe zur Musik rüber. Der Lohn: Nach fast jedem Song wird Sabaton in Andernach gefeiert, "Sabaton Sabaton" - Rufe werden immer wieder laut, fast so etwas wie Szenenapplaus im Fußball. Wie schon erwähnt wird das Publikum häufiger zum Singen aufgefordert, den Beginn von "Primo Victoria" zählt Sänger Broden nur ein, das Publikum beginnt zu singen – und zwar, ohne zu wissen, welchen Song die Band spielen wird. Mutig, mutig von Sabaton, das hätte auch in die berühmte "Hose" gehen können. Die besonderen Momente des Auftritts sind allerdings die eher leisen. Etwa die Ansage von Sänger Joakim Broden, in der er erzählt, daß die Band vor etwa genau 6 Jahren das erste Mal außerhalb von Schweden gespielt hat – und zwar auf eben jener Bühne im JUZ in Andernach – und daß das der Band viel bedeutet, wieder in Andernach zu sein. Unsere Recherchen haben ergeben: Es stimmt! Der Auftritt war am 17.9.2005 auf dem Swordbrothers – Festival im JUZ Andernach. An einer anderen Stelle (nach "Primo Victoria") schenkt Broden einem 8-jährigen Mädchen, das in der ersten Reihe vor der Bühne steht, seine Sonnenbrille und schreibt – während des Auftritts! – in ihr Autogrammbuch, das er dann auch noch seinen Mitmusikern (Gitarrr Oskar Montelius und Rikard Sundén, Baß Pär Sundström, Drums Daniel Mullback und Keyboard Daniel Mÿhr) weitergibt. Sehr nette Aktion, die vom Publikum mit viel Beifall begleitet wird. Gewöhnungsbedürftig, aber trotzdem irgendwie auch unterhaltsam ist die Aktion, in der Broden eine Flasche Bier "auf Ex" leert. "Into The Fire" kommt danach trotzdem perfekt gesungen "rüber". Die Fans skandieren danach weiter ständig "Noch ein Bier", so daß der Sänger während des Auftritts später noch ein Bier trinkt. Wir vermuten, daß es sich um alkoholfreies Bier handelt, denn die musikalische Leistung des Sängers und der restlichen Band bleiben auf hohem Niveau. Für uns sind die musikalischen Höhepunkte das atmosphärische "Cliffs Of Gallipoli", der fantastische Stampfer "Primo Victoria", die flotte Hymne "40:1" und der obligatorische letzte Song, das "Metal Medley" aus "Metal Crüe" und "Metal Machine". Sabaton bedanken sich nicht nur pflichtschuldig beim Publikum, wir haben den Eindruck, daß es für die Band selbst auch ein außergewöhnlicher Abend ist und daß sie nicht an jedem Abend auf Tour so enthusiastisch gefeiert werden, wie hier in Andernach. Eine rundum gelungene Show einer Band, die ihren Weg noch weiter nach oben sicher machen wird.
Setlist:
Ghost Divison
Uprising
White Death
Screaming Eagles
Cliffs Of Gallipoli
Swedish Pagans
Final Solution
40:1
Into The Fire
The Price Of A Mile
Saboteurs
Coat Of Arms
Primo Victoria
Panzerkampf
Metal Medley
Richtig guter Thrash – Metal
Kreator
Die letzte Band des Abends ist die deutsche Thrash – Metal – Institution Kreator. Sänger / Gitarrist Miland "Mille" Petrozza, Gitarrist Sami Yli – Sirniö, Bassist Christian Giesler und Schlagzeuger Jürgen "Ventor" Reil sind gemeinsam mit Destruction und Sodom das "Dreigestirn" des deutschen Thrash. Nachdem mit Orden Ogan und Sabaton zwei Bands gespielt haben die klingen wie frisch aus den 1980er Jahren, spielt jetzt mit Kreator eine Band, die just in dieser Zeit ihre ersten Erfolge hatte. Inzwischen weltweit bekannt und beachtet teilte Kreator schon mit den ganz großen des Genres wie etwa Slayer die Bühne. An der recht großen Anzahl von T-Shirts mit dem Kreator – Aufdruck im Publikum in Andernach läßt sich schon lange vor dem Auftritt absehen, daß einige vor allem auf den Auftritt der härtesten Band des Abends warten. Dennoch ist der JUZ Club etwas leerer als noch bei Sabaton, viele haben sich offensichtlich verausgabt und genehmigen sich jetzt an den Getränkeständen noch ein kleines Bierchen. Wie schon bei den anderen Bands fällt der gute Sound auf, der die brachiale Power von Kreator gut transportiert. Die Fans sind zwar nicht mehr ganz so fit wie noch vor Sabaton, aber sie geben dennoch alles und es entstehen Mosh – Pits, die Köpfe rotieren und die Fäuste recken sich wieder in die Luft. Kreator sind trotz der späten Stunde sehr gut aufgelegt und spielen sich gekonnt durch ihr Set. Uns beeindrucken vor allem Stücke wie das mächtige "Enemy Of God", das rockige "People Of The Lie" und die feinsinnige Gitarrenarbeit bei "Hordes Of Chaos". Die Fans feiern besonders die älteren "Großtaten" wie "Pleasure To Kill" oder "Extreme Aggression" aber auch die "neueren" Stücke wie das immerhin auch schon 14 Jahre alte, vom 1997er Release "Outcast" stammende "Phobia" werden gut angenommen. Auch Kreator tragen heftig dazu bei, daß bei vielen Besuchern der Sonntag mit Nackenschmerzen beginnen wird und sind ein würdiger Abschluß des Festivals.
Value for the money!
Fazit:
Es gibt sicher zwei Seiten dieses Festivals: Einmal die musikalische und zum anderen die "geschäftliche" Seite. Für den Veranstalter ist es sicher ein gewaltiger Nachteil, daß das Festival nicht "Open Air" stattfinden konnte und das Unwetter am Vortag sicher eine ganze Reihe Leute davon abgehalten hat, das Festival zu besuchen. Musikalisch gibt es hingegen nix zu meckern, im Gegenteil, alle Bands waren musikalisch gut aufgelegt und spielten nicht nur "ihren üblichen Stiefel runter", sondern hatten Spaß an ihren Auftritten. Das zumindest war unser Gefühl. Die Chance, Amorphis und vor allem Sabaton statt auf einer großen Festivalbühne in einem kleinen Club zu erleben, hat man nicht alle Tage. Der Gig von Sabaton geriet dabei sogar zu einem besonderen Spektakel, das wir sicher noch lange in Erinnerung behalten werden. Wenn man sich dann vor Augen führt, daß das ganze Vergnügen inclusive Essen und Trinken unter 50 Euro gekostet hat, dann ist das wirklich ein ordentlicher Gegenwert für´s Geld. Zumal die Qualität stimmt: Der Sound ist bei allen Bands gut, bei Amorphis sogar sehr gut und die Stimmung bei Publikum und den Helfern des Festivals entspannt und freundlich. Wir jedenfalls kommen 2012 gerne wieder – egal, ob es drinnen oder draußen stattfindet. Und sind gespannt, welche Bands das JUZ dann nach Andernach locken kann.