Summers End

Summers End Open Air Festival

29.08.2009 JuZ Live Club / Andernach

Von: Ingrid Silvasi

Summers End Andernach

In das idyllische Rheintal von Andernach bei Koblenz zieht es uns vom Musicheadquarter-Team zum letzten August-Wochenende mit einem der letzten Open Airs der diesjährigen Festivalsaison. Das Juz ist sonst als Indoor-Location für kleine Club-Gigs bekannt, nun ist auf dem Parkplatz und der Ladezone ein Open Air Festival mit Bühne, Merchandiseständen, Bier- und einer „Fress“-bude entstanden. Die neue Parkzone entsteht auf einem Acker nebenan – hat etwas von Wacken-Feeling!

Ursprünglich mit sieben Live-Bands geplant, erteilten Heaven´s Basement dem Festival eine kurzfristige Absage, so dass sich noch sechs deutschsprachige Bands das Line Up teilen.

Den recht sonnigen frühen Nachmittag beginnen die Lokalpatrioten aus Bonn von Perzonal War. Live kommen die Jungs melodischer rüber als erwartet und Songs wie "Following" oder "My Secrets" sind gar nicht so hart und thrashig wie befürchtet.

Die Jüngsten auf der Bühne sind bei diesem Festival eindeutig die unter 20jährigen von Kissin Dynamite. An eine Mischung aus Tokio Hotel, den jungen Skid Row, Mötley Crüe und Bon Jovi erinnernd, geben die Jungs eindeutig eine gute Show ab, müssen jedoch in Zukunft am Inhalt ihrer Songs feilen. Texte wie "I Hate Hip Hop" oder "Addicted To Metal" sind zwar nett und witzig, aber völlig ohne Sinn und Tiefgang. Auch "You´re Like A Fucking Zombie", anscheinend basierend auf Erfahrungen des Sängers Hannes mit einer Freundin und "Freaky" mögen textlich noch nicht ganz ausgereift sein. Musikalisch ist eine gute Basis für Rock der 80er geschaffen, auch die Bühnenshow des Beau Hannes hat bereits gute Qualitäten. Aber mit der Reife von Jungs zu Männern muss nun auch die musikalische Reife eintreten.

Axxis um Frontmann Bernie sind immer ein Garant für gute Stimmung. Der Ruhrpottslang und die offene "frei-Schnauze"-Art des Sängers entzückt die Rheinländer, die auf seine Witze sofort anschlagen. So mischt der frisch gefärbte Sänger die Songs aus Alt und Neu wie "Blood Angel", "Living In A World" und "Little Look Back" mit der gewissen Portion Unterhaltung und weiß auch die 11jährige Elena zu beeindrucken, die er just als Verstärkung an der "Rassel" (wie Elena die Schelle nennt) zum akustischen "Touch The Rainbow" auf die Bühne holt. Beeindruckend ist vor allem, dass die gesamte Band nichts von ihrer guten Laune einbüßt, obwohl an diesem Tag Akkordarbeit auf dem Programm steht – nach der Show in Andernach geht es auf nach Thüringen, wo die Band nach Mitternacht eine weitere Show gibt.

Ersehnt wird nach der längeren Umbaupause U.D.O., der an diesem Tag wohl am ehesten die leider eher kleinere und überschauliche Menge zum Kochen bringt, aber das bereits ab dem ersten Ton von "Metal Heart" an. Überhaupt stehen viele Accept Songs auf dem Programm – mit Altbewährtem ködert er erfolgreich das Publikum. Da wären "Midnight Highway", "Princess Of The Dawn" und "Living For Tonight" und natürlich das obligatorische "Balls To The Wall". Aber auch mit eigenen Solo-Werken wie dem stampfenden "Vendetta" und "Man And Machine" krächzt sich Dirkschneider in die Herzen der Fans. Als letzte Zugabe gebraucht es von Udo lediglich die Ankündigung "Wir haben noch ein Lied, das geht so... Heidi... " und das Publikum setzt singfreudig ein "... Heido Heida" und die ersten Riffs zu "Fast As A Shark" ertönen.

In der noch längeren Umbaupause bis zum Auftritt von Doro wissen wir schon fast nichts mit uns anzufangen. Den Merchandise-Stand kennen wir in- und auswendig, der zweite Verkaufsstand mit den offiziellen Festivalshirts (die sich recht gut verkaufen!) ist auch schon gescannt – schnell ist das kleine Gelände erkundet und dann wird es etwas langweilig. Da fehlt es noch an Phantasie der Veranstalter mit etwas mehr Angeboten die Umbaupausen nicht nur zum Saufen nutzen zu wollen.

Langsam geht auch die Sonne unter und es wird frisch in Andernach und ausgerechnet die Metal Queen Doro schafft es nicht so richtig dem Publikum einzuheizen. Mit für meinen Geschmack zu vielen neueren Songs wie "Night Of The Warlock", "Celebrate" und das Wacken-Stück "We Are The Metalheads", verspielt sich Doro die gute Stimmung des Publikums, welches bei solchen Stücken leider lahm und verhalten wird und auf alte Kracher wie "All We Are" und "East Meets West" wartet und leider nicht befriedigt wird. Da erkennt die Band (oder der Veranstalter?) es richtig und streicht einige der vorgesehenen Zugaben. Nach nur einer Zugabe mit "Fight" verabschiedet sich damit die Band und gibt die Bühne frei an die Schweizer von Gotthard, die in Andernach ihr einziges deutsches Konzert während der Tour geben.

Mit großer Ungeduld werden sie erwartet und betreten mit etwas Verspätung nach 22.30 Uhr die Bühne. Mit seiner kräftigen, melodischen Stimme beeindruckt Sänger Steve vom ersten Ton an und entschädigt für den kalten Wind, der uns um die Ohren pfeift. Ein wenig erinnert Steve an eine Mischung von Aerosmith´s Steven Tyler, Foreigner Sänger Kelly Hansen und Whitesnake Frontmann David Coverdale. Sex-Appeal, Stimme und Show!

Sogar an die neue Single "Need To Believe", eine herzzerreißende Ballade, für die Gotthard berühmt sind, traut sich die Band bereits ran und Steve verpasst es nicht zu erwähnen, dass die neue CD in Kürze erscheint. Er wechselt sympathisch zwischen deutschen Ansagen dem Publikum gegenüber und englischen Unterhaltungen mit seinem Gitarristen Leo. So bittet er Leo seinen Lieblingssong anzustimmen, der kurzerhand die Riffe von "Smoke On The Water" zum Besten gibt. Aber nein... mit dem guten Laune Song "Hush" des ersten Gotthard Albums soll es weitergehen und auch die erste Hitsingle "Heaven" darf nicht fehlen. Im Anschluss siegen dann doch unsere Frostbeulen und den hoffentlich grandiosen Abschluss des Festivals verpassen wir leider. Wir sind jedoch gespannt auf die nächste Ausgabe des Summers End Festivals, das aus den Händen von Veranstalter Dirk für nächstes Jahr in hoffentlich ebenso gute Hände mit neuen Ideen für das Festival wechseln wird. Wir freuen uns bereits jetzt auf die kommende Festivalsaison 2010!
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