Noregs Vaapen Tour 2011 mit TAAKE, BYFROST, DONN
Am heutigen Abend erwartet die Besucher der Werkstatt in Köln ein recht eindeutiges Lineup. Es spielen DONN THE PHILOSOPHY (Chester, UK), gefolgt von BYFROST (Bergen, Norwegen) und TAAKE (Bergen, Norwegen) als Headliner. Im Vorfeld des Konzertes gab es leider einiges Chaos, denn das Konzert sollte ursprünglich am 17.10. stattfinden, wobei hier noch eine vierte Band im Billing war, nämlich INQUISITION (Kolumbien, USA) - leider hatte diese Band die vorherige Tour wohl abgesagt. Die Karten die hierfür verkauft wurden, waren jedoch auch an diesem Abend gültig. Da das Konzert aber, wie alle Metalkonzerte in der Werkstatt, von P&R Concerts veranstaltet wird, durfte man sich trotzdem auf einen schönen Abend freuen.
Als Opener starten wie bereits gesagt DONN THE PHILOSOPHY. Die drei Gesellen entern gemeinsam die Bühne, zunftgerecht mit Corpsepaint, und meiner Meinung nach interessanten "Kostümen". Die Band ist bei uns relativ unbekannt, und leider versäumt man es auch großartige Ansagen zu halten. So wird kein Song angekündigt, sondern man spielt einfach ein 30-minütiges Set herunter. Schade finde ich, dass der Sound zu Anfang wirklich nicht gut ist. Man kann eigentlich nur das Schlagzeug vernehmen, später hört man dann sogar den Bass, die Gitarre verbleibt hingegen über das ganze Set hinweg ein sägendes Geräusch im Hintergrund. Gut, die Band spielt Blackmetal im norwegischen Stil - doch etwas Struktur hätte nicht geschadet. Die Band scheint sowieso sehr viel Wert auf Show zu legen, siehe die Kostüme sowie die Bühnendeko, welche aus zwei Bannern besteht, auf denen okkulte Symbolik zu erkennen ist. Interessanterweise schafft es das Trio trotzdem, oder vielleicht sogar deswegen, ob der monotonen Songs eine gewisse Atmosphäre aufzubauen, was die letzten beiden Songs dann in einem anderen Licht erschienen lässt. Eine passende Band für dieses Lineup, gute Wahl, und sicherlich eine große Chance für eine Band wie DONN THE PHILOSOPHY, eine solche Tour mitmachen zu dürfen.
Hiernach folgt eine recht kurze Umbauphase von vielleicht 15 Minuten und pünktlich um 20:15 Uhr dann mit BYFROST das erste Highlight des Abend. Die Jungs stürmen voller Vorfreude die Bühne und legen sofort richtig los. Das Publikum, noch eher etwas verhalten, wird von den beiden charismatischen Frontmännern (ja ich sage extra zwei Frontmänner, denn beide sind voll dabei das Volk zu motivieren) bestens auf TAAKE vorbereitet, was ihnen auch wirklich gelingt. Da BYFROST ja ein neues Album veröffentlicht haben ("Of Death"), spielen sie natürlich hiervon alle Kracher und holen auch einige alte Songs aus der Mottenkiste, welche durch die Bank weg gut ankommen und die Leute dann doch irgendwann dazu bewegen, näher an die Bühne heranzutreten ("It´s not dangerous to get closer, we won´t bite you!"). Der Sound ist hier auch um Welten besser als bei der vorangegangenen Band, knackige Drums, drückender Bass und dazu eine schöne solide Gitarre - klasse. Supportet wird die Band offensichtlich von der Band des Abends, TAAKE. Ich meine jedenfalls, ich hätte deren Frontmann "Hoest" höchstpersönlich ausmachen können, der, bekleidet mit einem weissen T-Shirt, auf dem "Bergen - Norway" prangt, irgendwann die Bühne entert und dem Drummer von BYFROST seinen Cowboyhut aufsetzt. Der gute Herr Basser "R.I.P. Meister" kommt dann irgendwann auch noch von der Bühne und läuft mit seinem Instrument durchs Publikum und spielt netterweise manchen Leuten ein Ständchen - mir inklusive. Sehr sehr symphatische Band, die eine Menge Spass hat und diesen auch offensichtlich aufs Publikum übertragen kann.
Nach einer kleinen Pause, in der garnicht soviel umgebaut wird, kommt dann um 21:15 Uhr der Moment, auf den wohl die meisten hingefiebert haben. TAAKE sind an der Reihe und sollen beweisen woher nunmal der beste Blackmetal kommt, den man sich vorstellen kann - nämlich aus Bergen, Norwegen. Ein langes Intro eröffnet den Gig und so langsam kommen die Musiker auf die Bühne, mit Corpsepaint bemalt, bei weitem nicht so kitschig wie die englischen Kollegen von DONN THE PHILOSOPHY. Als letzter kommt dann Hoest himself auf die Bühne, eine norwegische Fahne umgehangen und bewaffnet mit diversen Bierflaschen, welche später noch zum Einsatz kommen sollen. Die Band prescht sofort nach vorne und es folgt ein Blackmetalgewitter aller erster Kajüte. Ein Song jagt den anderen und man merkt, wie der Frontmann dieser Ausnahmeband sofort Fahrt aufnimmt und seinem Ruf als absolute Rampensau alle Ehre macht. Das Publikum ist mittlerweile auch zahlreicher erschienen, man hat den Eindruck, dass viele nur wegen TAAKE gekommen sind, denn war die Werkstatt anfangs noch relativ leer, ist es hier nun vor der Bühne voll und man hat nicht mehr viel Platz.
TAAKE spielen natürlich viele Songs der neuen CD unter deren Motto auch diese Tour steht: "Noregs Vaapen", und machen ohne Pausen und nur mit kurzen Ansagen ordentlich Druck. Hoest hat es nach dem dritten oder vierten Song dann auch endlich geschafft seinen Mikroständer in Einzelteile zu zerlegen und ist wohl mittlerweile recht angetrunken, was sich durch diverse Aktionen äussert - unter anderem fliegen irgendwann Bierflaschen über bzw. von der Bühne, die erste Reihe des Publikums wird durchgehend ihrer Kaltgetränke beraubt und zur Abkühlung mit deren Inhalt besudelt - sehr stilecht für eine solche Band und für einen solchen Frontmann, der in der Vergangenheit ja leider durch eine sehr unschöne Aktionen für Aufregung gesorgt hat - hierauf möchte ich aber an dieser Stelle nicht eingehen.
Während sich das Konzert dem Ende zuneigt, kommt Hoest immer mehr in Fahrt und man kann schon fast Angst bekommen, dass er sich auf der Bühne noch verletzt - wie ein Derwisch rast der Mann über die Bühne, leert ein Bier nach dem anderen, und pfeffert irgendwann die sterblichen Überreste des besagten Mikroständers von der Bühne, gefolgt von diversen Bierflaschen. Als einen der letzten Songs spielen TAAKE dann einen der vielen genialen Songs der "Nattestid"-CD und beenden das Konzert dann mit der Ansage "We are Taake from Bergen - it´s getting too hot for us now, this is our last song!". Die Band verlässt unter Banjotönen (siehe "Noregs Vaapen"...) die Bühne und man fragt sich, was da gerade für eine Urgewalt über einen hinweggezogen ist - für mich war dies so ziemlich das beste Blackmetal Konzert auf dem ich jemals war. Wie immer ist dieses Konzert eine Glanzleistung von P&R Concerts, welche es immer wieder schaffen, Bands nach Köln zu holen, von denen man vor Jahren nur träumen konnte - vielen Dank an dieser Stelle!