Telekom Extreme Playgrounds

T-Mobile Extreme Playgrounds mit Bad Religion, AFI und Sum 41

25.04.2010 Kraftzentrale / Duisburg

Von: Maren Röcker

Telekom Extreme Playgrounds Duisburg

Die T-Mobile Extreme Playgrounds jähren sich nun zum zehnten Mal und es sollen die Besten werden, die die Fans bisher erlebt haben. Dabei bleibt es nicht beim einzigen Jubiläum, denn Bad Religion, der musikalische Topact der Show, feiert in diesem Jahr sein 30-jähriges Bestehen. Der Tag voller Erwartungen beginnt jedenfalls um 12 Uhr, doch bereits vormittags sind zahlreiche Fans aus sämtlichen Teilen des Ruhrpotts und des Bundeslandes angereist. Manche sogar aus Holland, wie die Autokennzeichen auf dem überfüllten Parkplatz erkennen lassen. Die ausverkaufte Show beginnt mit einer BMX Dirt Jump Session, gefolgt vom Mountainbike Sloopstyle (MTB). 27 Topfahrer von den verschiedensten Kontinenten kämpfen um Anerkennung und Bestätigung und nebenbei um insgesamt 40.000 Euro Preisgeld. Die meisten müssen sich jedoch keine Sorgen machen, sie haben sich längst einen Namen im internationalen Extremsport verschafft. Um den Fahrern zwischendurch eine Pause zu gönnen, treten drei Bands auf der Riesenbühne auf, die T-Mobile extra für die Show in die Kraftzentrale im Landschaftspark Duisburg gestellt hat, um allen 4.200 Fans in der ausverkauften Halle eine gute Sicht zu bieten.

Nach der ersten Sportsession soll Sum 41 aus Kanada den musikalischen Sommer in Duisburg einleiten, denn das Wetter spielt wunderbar mit. Man gewinnt kurz vor dem Auftritt nur leider irgendwie den Eindruck, dass die Mehrzahl der Fans Sänger Deryck Whibley lediglich als (Noch-)Ehemann von Avril Lavigne kennt. Man kommt sich ein wenig alt vor, nicht nur dass man auch noch von weiter hinten freie Sicht auf die Bühne hat, da man schlicht und einfach über sämtliche Köpfe hinwegsieht. Auch schade, dass der Pogo-Pit sich eher durch Hüpfen auszeichnet. Selbst bei Oldschool-Songs wie "Still Waiting", "Fat Lip" oder "Makes No Difference" springt der Funke nicht recht über. Zwar bieten die vier Jungs von Sum 41 eine gute Show und den gewohnten rotzigen Skaterpunk, nur die Fangemeinde scheint sich ein wenig gewandelt zu haben, zum Leidwesen der "echten Fans" der ersten Stunde. Trotzdem erinnern sie immer noch optisch sowie musikalisch an die typische nordamerikanische Highschool-Punkband, die sich zusammengefügt hat, weil damals alle Mitglieder Außenseiter an ihrer Schule waren und irgendwie scheinen sie auch nicht gealtert zu sein.

Weiter geht es mit einer weiteren Runde BMX und MTB. Mittlerweile ist das Halbfinale erreicht und die Stimmung steigt weiter an, sowohl unter den Fans des Sports als auch unter den Fahrern, die eine unglaubliche Show abliefern. Sicherlich ist der ein oder andere unter den Fans, der lediglich der Musik wegen angereist ist, aber niemand scheint sich der Spannung entziehen zu können und obwohl es mehrere Male so ausgesehen hat, wurde der Notarzt und Sanitätsdienst glücklicherweise nicht zu schwereren Unfällen gerufen.

Als AFI die Bühne betreten, hat das Publikum einen merklichen Wandel zur vorangegangenen Band genommen. Die ersten Reihen werden überwiegend vom weiblichen Geschlecht dominiert und Frontmann Davey Havok lässt sich mit dem größten Vergnügen feiern. Mit einem goldglitzernden Jacket und den passenden Converse-Schuhen muss er sich keine große Mühe geben, um reichlich Applaus zu ernten. Generell macht die Band aus Los Angeles einen guten Job, auch wenn ihr Alternative Rock nicht jedem gefällt. Den Song "Miss Murder" kennt jedoch jeder und so lässt sich auch hier kaum jemand lumpen den Auftritt zu verpassen. Und obwohl die Musiker eher den Eindruck hinterlassen, dass jeder eher für sich als für die Band spielt, ist der Sound sehr gut, wie auch die Stimmung.

Wie dem auch sei, nach dem Auftritt ist vor dem Auftritt und deswegen warten jetzt auf die übrigen Fahrer die Finals in den Kategorien BMX Dirt Jump und MTB Sloopstyle. Am Ende sieht es so aus, als ob Anthony Napolitan (USA) als amtierender BMX-Weltmeister auch diesen Dirt-Jump Contest für sich entscheidet und Martin Söderström aus Schweden den Sloopstyle dominiert. Zwei außergewöhnlicher Sportler, die sich den Sieg verdient haben, auch wenn nicht ein Fahrer dabei gewesen ist, dem man es nicht gegönnt hätte.

Als der absolute Headliner Bad Religion die Bühne stürmt, wird klar, dass die Fans ein weiteres Mal gewechselt haben. Mittlerweile sind viele Punkrocker anwesend, die kaum jünger als die Band selbst sind. Eine bunte Mischung im Publikum zwischen einer Menge Skatern und Leuten, die ihre Eltern sein könnten und teilweise vermutlich auch sind. Fest steht, dass sich alle gleichermaßen auf die Band aus Kalifornien freuen. Die nahm extra einen Umweg auf sich, um heute dabei sein zu können, denn der Luftraum über Europa war noch nicht entsprechend freigegeben. Glücklicherweise sind sie doch noch angekommen und stehen jetzt auf dieser Bühne. "New Dark Ages" steht natürlich ganz weit oben auf der Setlist, gefolgt von "Germs Of Perfection" und sogar Songs der ersten Stunde wie "This Is Hell" sind dabei. "Punkrock Song" stellt wie erwartet die Zugabe dar und es gibt vermutlich niemanden hier im Saal, der nicht zumindest beim Refrain mitsingen kann. Die politischen Ansagen sind ebenso mit dabei, genau wie einige Späße. Im Grunde aber eine sehr ernsthafte Band, mit sehr guten Texten, die man sich ruhig zweimal durchlesen und auch zu Herzen nehmen sollte, anstatt sie gedankenlos mitzusingen, dafür sind sie definitiv zu schade. Umso besser, wenn man beides tut. Endlich kann sich auch der Pogo-Pit sehen lassen und nach dem Konzert ist nicht nur die Band sichtlich geschlaucht.

Ein toller Vorgeschmack für die Festivalsaison allemal und ein super Rahmenprogramm obendrein. Man kann sich auf jeden Fall auf die Dirtsession der T-Mobile Extreme Playgrounds verlassen, und das jetzt auch im zehnten Jahr!

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