Back In Blood Tour 2010 - Support: Mandragora Scream
Ein Winter, der dieses Jahr in Hamburg fast Väterchen Frost in Finnland übertrifft. Klirrende Kälte, Schnee und Dunkelheit. Um diese melancholische Stimmung zu perfektionieren bot die Markthalle Mitte Januar die ideale Kulisse. Es gastierten niemand geringeres als die Düsterrocker von The 69 Eyes, die man mittlerweile schon als Stammgäste der Markthalle bezeichnen könnte.
Gute und schlechte News gab es vorab: Christian Death hatten ihren Auftritt leider abgesagt, doch dafür sollten Lacrimas Profundere einspringen. Soweit eigentlich ein gelungener Ersatz, hätte es auch für die Show in Hamburg funktioniert. Doch leider mussten sich die Konzertbesucher mit einem Supportact begnügen. Mandragora Scream bewiesen Punkt 20.45 Uhr ihre Livequalitäten. Frontfrau Morgan alleine stellte schon einen Blickfang dar. Mit ihrem originellen Outfit und ihrer blonden Mähne suchte sie stets Publikumkontakt und stand kaum still auf der Bühne. Ausdrucksstark (soweit das ihr offensichtlich nachbearbeitetes Gesicht zuließ) und anmutig hätte man sie eigentlich ins Herz schließen können. Doch das Publikum zeigte sich als schwer knackbar. Auch die restliche Band, die offensichtlich in ihrer Musik voll und ganz aufging konnte die Leute nicht so richtig aus der Reserve locken. Zu Songs wie „„Dark Lantern“ und „Haunted Heart“ füllte sich der Saal gemächlich und ein paar Zuschauer tauten auf und wogen sich im Takt. Zu der Coverversion von „Fade To Grey“, die zwar nicht an das Original rankam, dafür jedoch mit Leidenschaft vorgetragen wurde, kam endlich etwas mehr Bewegung in die Menge. Doch zu spät – denn es folgte der letzte Song „Nails“, der Morgans verstorbenem Vater gewidmet war. Kurz nach 21.30 Uhr kamen Mandragora Scream zum Ende ihrer Show und die Umbaupause folgte.
Getreu dem Tourmotto und dem Titel des aktuellen Albums starteten The 69 Eyes ihre Show mit „Back In Blood“ unter großem Jubel von Seiten der Fans schon um 22 Uhr. Die Finnen zeigten sich von ihrer besten Seite, in rockiger Kluft und passenden Posen. Wie seit jeher hatten sie ihr Publikum gleich im Griff, das artig mitrockte. Nach den etwas neueren Songs „Never Say Die“ und „The Good, The Bad & The Undead“ folgte mit „Dance D`Amour“ ein Klassiker, der auf keiner Eyes Setlist fehlen darf. Die Halle kochte und rockte und zu „Gothic Girl“ sangen allesamt den Refrain lautstark mit. Jyrki versuchte stellenweise seine gesanglichen Parts experimentell zu variieren, was zwischendurch für ein wenig Verwirrung sorgte. Hatte man sich jedoch daran gewöhnt, brachte das Ganze eine gelungene Abwechslung in die Songs, die über etliche Jahre hinweg wieder und wieder präsentiert wurden. Nachdem Jyrki zu „Suspiria Snow White“ dem Securitygraben einen kurzen Besuch abgestattet hatte, erfreuten The 69 Eyes mit „The Chair“ mit einem weiteren altbekannten Highlight.
Drummer Jussi69 erhob sich dann und wann von seinem Hocker, rotierte mit den Drumsticks und präsentierte durch mehrmaliges Aufstehen zur Freude der weiblichen Fans seinen durchtrainierten Körper. Wie the Animal aus der Muppetshow wütete er an seinen Drums während Bazie, Archzie und Timo Timo Gitarren- und Bassmucke vom Feinsten lieferten. Auch die Backgrounds tönten einwandfrei, während Jyrkie seine Hüften schwang. Zu „Devils“ legte er auch endlich mal seine Piloten-Sonnenbrille ab, die eines seiner vielen Markenzeichen darstellt, und ließ die Girls mit heißen Blicken aus seinen blauen Augen dahinschmelzen. DAS hatte er immer noch drauf... von wegen alternde Rocker! Ein Sexappeal und eine Rock-Show, bei denen so manche Jungband nicht mithalten kann.
Als The 69 Eyes nach „Devils“ ihr vorläufiges Set beenden wollten, ertönten sogleich die Zugabe-Rufe. Da ließen sich die Herren aus Helsinki natürlich nicht lange bitten und stürmten mit „Brandon Lee“ und „Lost Boys“ erneut das Rampenlicht und die Herzen der Fans. Wenn man sich auf etwas verlassen kann, dann auf die Qualität und Reife der 69 Eyes Shows!