The Airborne Toxic Event

Tour 2011 - Support: Lee Jay Cop

30.10.2011 Uebel & Gefährlich / Hamburg

Von: Thomas Kröll

The Airborne Toxic Event Hamburg

Bereits seit Monaten freue ich mich nun schon auf mein bereits viertes Konzert des kalifornischen Quintetts von The Airborne Toxic Event, genau genommen schon seit Februar, als sie nämlich ihr letztes Konzert im Uebel & Gefährlich in Hamburg spielten. Die talentierte Combo um Sänger und Gitarrist Mikel Jollet (Steven Chen-Gitarre/Keyboard, Noah Harmon-Bass, Daren Taylor-Drums, Anna Bulbrook-Violine/Keyboard) aus dem sonnigen Los Feliz/USA hat aus unerfindlichen Gründen bislang ihren Durchbruch in Deutschland noch nicht so richtig geschafft, während sie in den USA bereits seit ihrem Debüt große Erfolge feiert. Im Frühjahr haben sie bereits ihr zweites Album "All At Once" herausgebracht (eine ausführliche CD-Review mit Hintergrundinformationen zur Band findet ihr hier), welches ihrem erfolgreichen Debütalbum "The Airborne Toxic Event" in nichts nachsteht.

Wie auch bei ihrem letzten Gig füllt sich das Ü&G nur zögerlich, das Konzert ist unverständlicherweise schon wieder nicht ausverkauft, obwohl sie nach der Albumveröffentlichung unzählige Shows in Folge, sowohl in Hamburg als auch in Berlin, London und Amsterdam spielten. Das hier anwesende Publikum ist altersmäßig angenehm durchmischt und pünktlich zum Beginn des Supports durch die Oldenburger Band Lee Jay Cop um 21:00 Uhr ist die Veranstaltung dann zum Glück doch noch ziemlich gut besucht.

Die fünf Jungs von Lee Jay Cop um Frontmann Christopher Been Jr. spielen ein tolles Konzert auf qualitativ hohem Niveau, wobei die Band mit dem gewöhnungsbedürftigen Namen gerade erst im September ihr Debütalbum "Revolution Of The Dog" herausgebracht hat. Musikalisch bewegt sich ihr ausgefeilter Rock-Sound so zwischen den Rolling Stones und den Ramones. Dabei experimentieren sie oftmals mit Retro-Elementen, psychedelischen Parts oder harmonischen Pop-Rock-Klängen und bringen diese gekonnt in ihren vorrangig britisch angehauchten Indie-Grundsound ein. Für eine noch relativ unbekannte Band haben sie ein extrem selbstbewusstes Auftreten und eine wirklich ausgezeichnete Bühnenpräsenz, auch ihre Performance ist absolut überzeugend. Vom Sound her brauchen sich die Youngsters nicht hinter ihren großen Vorbildern zu verstecken, deren Einflüsse jedoch hier und da deutlich ablesbar bleiben. Der angenehme Gitarrenrock, der in langsamen Stücken teilweise an Nirvana oder auch Oasis erinnert, hinterlässt bei mir und auch beim gesamten Publikum einen insgesamt positiven Eindruck. Lee Jay Cop zeigen heute, dass sie das, was sie machen wirklich gut können und überzeugen mit einem würdigen Supportset für The Airborne Toxic Event. Das Publikum wird nach und nach auch mit ihrer Musik warm, so dass es gar nicht so lange dauert bis sich überall im Takt mitbewegt wird. Schon nach einer halben Stunde werden sie jedoch leider von Backstage aus aufgefordert zum Ende zu kommen. Sie bekommen den gebührenden Applaus, den sie absolut verdient haben und machen die Bühne für The Airborne Toxic Event frei, die gegen zehn Uhr unter tosendem Applaus und dem Jubeln ihrer Fans die Bühne betreten.

Sie steigen direkt mit dem Titelsong ihres aktuellen Albums "All At Once" und einer unglaublichen Dynamik in ihr Set ein. Alle beginnen direkt mitzuklatschen als Frontmann Mikel Jollet die Fans hierzu animiert, die Stimmung ist vom ersten Moment an fantastisch. Das zahlreich erschienene Hamburger Publikum wird sehr freundlich von den sympathischen Amerikanern begrüßt, Mikel bemerkt außerdem hoch erfreut, dass heute ja doppelt so viele Leute wie das letzte Mal zum Konzert gekommen sind, da im Februar der hintere Bereich der Halle noch abgeteilt war. Ein kleiner Fankreis direkt vor der Bühne sorgt während des recht melancholischen Songs "All For A Woman" für einen echten Lacher, Mikel bricht kurz vor Ende in Gelächter aus und entschuldigt sich für die Unterbrechung, weil ein Fan so laut mitgesungen hat, dass er sich nicht mehr konzentrieren konnte. Entgegen ihrer eigenen Setlist spielen sie im Anschluss den schwungvollen Gute-Laune Song "Something New", bei dem Mikel zunächst von der Bühne flüchtet und sich durch das Publikum zum seitlichen Podest durchschlägt um von dort aus zwischen seinen Fans zu singen.

Bei den richtig nach vorne gehenden Songs wie "Wishing Well" und "Numb" werden pulsierende Drums, prägnante Gitarren-Hooklines und die markante, vielfältige Stimme Jollets gekonnt emotional Szene gesetzt. Die intelligente Instrumentierung und die Variation deren Intensität sorgt hierbei für spannungsreiche Kompositionen, die nie langweilig werden. Spätestens bei dem Ohrwurm "Changing" hat es hier jeden gepackt, es wird mitgetanzt, gesungen und zu "Moving On" fleißig mitgeklatscht. Zu "Gasoline" und "Wedding Day" erreicht das Konzert seinen Stimmungshochpunkt, wobei doch immer noch ihr Erfolgshit "Sometime Around Midnight" die größte Aufmerksamkeit der Fans auf sich zieht. Nach einer Stunde verlassen sie zum ersten Mal die Bühne, lassen aber unter euphorischem Applaus und Zugaberufen nicht lange auf die Zugaben warten und beenden schließlich um 23:20 Uhr endgültig ihr Konzert. Leider kommen sie nicht noch mal raus zu ihren Fans an den Merch-Stand, einige sind darüber auch sichtlich enttäuscht. Sie begnügen sich dann aber mit einem kleinen Schnack mit Drummer Daren, der sich kurz noch einmal an der Bühne blicken lässt.

The Airborne Toxic Event sind in meinen Augen wirklich Spitzenmusiker, die es einfach verstehen, das Publikum mit ihrer leidenschaftlichen Musik und dynamischen Performance in ihren Bann zu ziehen. Genau das gelingt ihnen sowohl bei den fröhlichen, druckvollen als auch bei den tragisch-schwermütigen Stücken von Anfang bis Ende des gesamten Konzerts. Darüber hinaus lässt der charmante Frontmann Mikel Jollet keine Gelegenheit aus, auf eine äußerst sympathische Art mit seinen Fans zu kommunizieren und sie immer wieder mit einzubeziehen.

Seit ihrem ersten Hamburg-Konzert im Mandarin Kasino 2008 hat sich im Grunde nicht viel verändert, außer dass die Performance der fünf Kalifornier noch souveräner als damals wirkt und TATE ein noch perfekteres Konzert abliefern. Nur die Publikumsmenge hat sich seitdem vervielfacht, was prinzipiell ja auch nur eine Frage der Zeit war. Rundum also ein gelungenes Konzert, welches nicht nur wegen der Lachnummer im "Elvis-Stil" sicher allen Fans und auch der Band selber noch lange in Erinnerung bleiben wird. Hier könnt ihr bei einem Video zu "Happiness Is Overrated" noch einmal in den Erinnerungen an das großartige Konzert schwelgen.

Setlist (diese Originalsetlist weicht ab von der gespielten Titelfolge):

All At Once
Half Of Something Else
Letter To Georgia
All For A Woman
Wishing Well
Numb
Changing
Moving On
Gasoline
Papillon
Wedding Day
Sometime Around Midnight
All I Ever Wanted

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Graveyard
Innocence
Happiness Is Overrated
Missy

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