The Australian Pink Floyd Show

Tour 2008

23.02.2008 Kölnarena / Köln

Von: Wolrad Wolff

The Australian Pink Floyd Show Köln

“Sie spielen Pink Floyd so authentisch und  schaffen es trotzdem noch, der ganzen Sache ihre eigene witzige Note zu verleihen“ (David Gilmour). Wer am Samstagabend zu den 7.000 Besuchern in der Kölnarena gehörte, um The Australian Pink Floyd Show zu sehen, der weiß, was  David Gilmour, Gitarrist und mittlerweile Frontmann von Pink Floyd, meint.

Schon beim Betreten der Halle wird klar, dass es sich irgendwie um ein Pink Floyd Konzert handelt. Das verrät u.a. die über der Bühne angebrachte runde Leinwand, die mit ihren aufwendigen Videoprojektionen seit Jahrzehnten Markenzeichen eines jeden Floyd Konzerts ist. Vor Beginn der Show sind auf dieser Leinwand Cover von Pink Floyd Alben zu sehen. Aber irgendetwas ist komisch: Bei genauem Betrachten wirken die Cover anders als die Originale. Es sind australische Fälschungen, und wo sonst rosa Schweinchen zwischen Fabrikschornsteinen ihr Unwesen treiben, da machen es sich nun australische Kängurus gemütlich.

Dann wird es dunkel im Saal und als Intro kommt vom Band “Outside the Wall“, das letzte Stück des Wall-Albums. Jedoch klingt auch dieses Intro nicht so wie das Original! Beigemischt wurden australisch-folkloristische Töne, die das ganze dezent parodieren. Und dann, als gigantisch die ersten Takte von “In the Flesh?“ ertönen und die Lightshow beginnt, geht ein Raunen durch das Publikum. Gänsehaut macht sich breit! Sound und Licht sind tatsächlich so, wie man es von einem Pink Floyd Konzert kennt. Die Tour heißt “Best of The Wall Tour & more” und so stehen die Songs von dem 1979er Album im Vordergrund der Show. Nach “Another Brick in the Wall Part 2“ ist jedoch erstmal Schluss mit Songs aus dem Jahre 1979 und nach einer kurzen Publikumsansprache folgen “Learning To Fly“, “Money“, “High Hopes“ und “Set The Controls For The Heart Of The Sun“.

Besonders beeindruckend sind die beiden Gitarristen der Band, die sich den Job von David Gilmour teilen, wobei einer von ihnen sogar verblüffende Ähnlichkeit mit seinem Idol in punkto Aussehen und Gestik aufweist. Aber auch die anderen Bandkollegen machen ihren Job sehr gut: gute Musiker, die gute Songs spielen. Dann folgt das Stück “Mother“ und dann “Sheep“ vom Animals-Album und dann ist Pause.

Die Pause in der Kölnarena ist an diesem Abend geprägt von langen Schlangen vor Würstchen- und Bierbuden, Massenaufläufen an sogenannten Raucherspots, die in der Nähe von Wickelräumen liegen, von genervtem Personal, das mit den Bestellungen nicht nachkommt, von orientierungslos durcheinander laufenden Menschen auf der Suche nach Senf, Ketchup oder der Toilette. Während draußen noch viele versuchen, sich der lang ersehnten Bratwurst zu bemächtigen, beginnt im Innenraum der Arena die 2. Halbzeit.

Das 2. Set beginnt mit dem Klassiker “Shine On You Crazy Diamond Parts 1-5”, und als dieses Epos nach knapp 13 Minuten zu Ende geht, hat der Großteil des Publikums es auch geschafft, seinen Sitzplatz in der komplett bestuhlten Kölnarena wiederzufinden. Weiter im Programm geht es mit den Stücken “Time“ und “The Great Gig In The Sky“. Hier ist die Spannung natürlich groß, denn jeder wartet auf das Gesangssolo am Ende des Songs, das von den Australierinnen exzellent umgesetzt wurde.

Dann weiter mit “The Wall“: Auf die düsteren Videoanimationen, die im Alan Parker Film bei “Goodbye Blue Sky“ und “Empty Spaces“ zu sehen sind, wurde hier leider verzichtet, obwohl sie die Aussage der Songs in großartiger Weise unterstreichen. Ein visueller Höhepunkt des 2. Sets ist “One Of These Days”, bei dem ein aufblasbares Riesenkänguru im Takt der Musik auf der Bühne rumhüpft. Ein weiteres Highlight ist auch das Stück “Wish You Were Here“ mit seinem Hitcharakter. Das Intro zu diesem Song (Einstellen eines Radiosenders) unterscheidet sich vom Original insofern, als dass es sich hier eindeutig um australische Radiosender handelt; u.a. ist kurz der Song “Down Under“ von Men at Work zu hören. Die grenzenlose Begeisterung des Publikums entlädt sich schließlich durch großen Jubel und Standing Ovations beim letzten Song “Comfortably Numb“, was von der Band mit der Zugabe “Run Like Hell“ belohnt wird.

Eines ist an diesem Abend klar geworden: Die Aussiefloyds sind sowohl musikalisch, als auch von ihrer Show her eine sehr professionelle und perfekte Pink Floyd Coverband, die es in den Zeiten von Heimkinos inklusive DVD Player, Beamer und Dolby Surround Sound versteht, den Ansprüchen eines konsumorientierten Publikums gerecht zu werden. Wer gehofft hatte, für 3 Stunden dem “Jetzt“ zu entfliehen und alte Zeiten wieder aufleben lassen zu können, als man auf Rock-Konzerten noch stehen durfte und rauchen musste, - die Zeiten, zu denen Pink Floyd selber noch in versunkenen Städten performten, der war wahrscheinlich enttäuscht.

Setliste:

1. Set
In The Flesh?
Another Brick In The Wall Pt. 1
The Happiest Days Of Our Lives
Another Brick In The Wall Pt. 2
Learning To Fly
Money
High Hopes
Set The Controls For The Heart Of The Sun
Mother
Sheep

Pause

2. Set
Shine On You Crazy Diamond Pts. 1-5
Time
The Great Gig In The Sky
Goodbye Blue Sky
Empty Spaces
Young Lust
Keep Talking
Hey You
One Of These Days
Wish You Were Here
Comfortably Numb

Zugabe

Run Like Hell

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