The Beautiful Girls

Tour 2007 - Support: Son of Dave

30.11.2007 Prime Club / Köln

Von: Sascha Knapek

The Beautiful Girls  Köln

Endlich haben es die Beautiful Girls auch einmal nach Deutschland – besser gesagt nach Köln – geschafft. In Europa war das Trio aus Australien mittlerweile zwar schon öfter, außer einem Gig in Münster waren Deutschlandkonzerte bisher allerdings leider Mangelware. Eigentlich unverständlich, wenn man bedenkt wie gut ähnliche Acts wie Xavier Rudd oder das John Butler Trio sich mittlerweile hierzulande verkaufen. Genau aus deren Fanschichten scheinen sich auch mindestens 80% des zum Kölnkonzert der Beautiful Girls erschienenen Publikums zu rekrutieren.

Als Support-Act fungiert bei den Deutschlandshows Son of Dave, dessen eher schwer zu beschreibender Stilmix aus Blues, Beatbox, Eigengeloope, Sprechgesang und 50er Jahre Flair uns bereits beim Betreten des Prime Clubs entgegenhallt. Von weitem ist schwer zu erkennen ob der Kerl in Anzug und Hut Mitte 20 oder Mitte 50 ist. Was allerdings nicht schwer zu erkennen ist, ist das Aufheizerpotential der Ein-Mann-Show. Die Leute ziehen im zu ca. zweidrittel gefüllten Prime Club gut mit und die Zeit bis zum Beginn des Hauptacts vergeht wie im Flug.

Nach einer relativ kurzen Pause betreten die Beautiful Girls – Mat McHugh (Gitarre, Gesang), Paulie B (Bass) und Bruce Braybrooke (Schlagzeug) – die Bühne des Prime Clubs und starten mit „Royalty“, dem Opener ihrer aktuellen CD „Ziggurats“, ins Set. „Generals“ folgt und bereits dort bin ich mir sicher, dass es heute Abend nicht allzu schlecht werden kann. Die beiden schwächsten Nummern vom neuen Album gehen live durchaus gut ab und machen definitiv mehr Spaß als die Studioversionen. Vom Publikum aus gesehen nimmt McHugh samt Gitarre links Aufstellung. Rechts hüpft Bassist Paulie B und hinter ihnen platziert sich Braybrooke am bodennah ausgerichteten Drumset. Den ersten rockigeren Setteil hinter sich gelassen, schnallt Mat McHugh nach ein paar Stücken die Akustikgitarre um und leitet einen Block mit etwas ruhigeren Stücken ein. Die Anzahl an Dauerrednern im hinteren Publikumsdrittel verringert sich jedoch leider auch jetzt nicht. „Learn Yourself“ und das schon länger nicht mehr live gespielte „Cash Money“ sind hierbei die Highlights und gern gesehene Gäste. Besonders der antreibende Bass steht diesen eigentlich eher leisen Songs gut zu Gesicht. Weitere ältere Tracks wie „Black Bird“ oder „Music“ wurden sogar direkt neuarrangiert. Ersterer funktioniert ordentlich und man kann die „Learn Yourself“-Ausgangsversion noch erkennen. „Music“ als chillige Reggaenummer gefällt zwar der Billabong-Jugend im vorderen Publikumsteil, ich kann der Neuarrangierung allerdings kaum etwas Gutes abgewinnen. Vom Charme der alten Version ist leider nicht viel übrig geblieben.

„Music“ ist glücklicherweise der einzige Ausfall im kompletten Set und somit mehr als verzeihbar. Gegen Ende des Hauptteils holt der mit einer Wollmütze ausgestattete McHugh wieder seine E-Gitarre raus und die hübschen Mädels schließen mit Songs wie „Sir, Your Fashion Has The Cold Heart Of A Killer“, „Under A Southern Sky“, „She’s Evil“ oder dem absoluten Höhepunkt „Morning Sun“. Das zentrale Stück der Beautiful Girls Debütveröffentlichung zeigt eine ganz andere Seite der Band. Mit etwas mehr Australienblues im Hintern präsentiert es neben den Chilltunes und dem 80er Jahre Einfluss von „Ziggurats“ eine weitere Beautiful Girls-Facette.

Im Zugabenblock spielt McHughs Akustikgitarre erfreulicherweise wieder eine tragende Rolle. Das Johnny Clegg-Cover „Dela“ eröffnet und geht in den Publikumsliebling „Periscopes“ von der Debüt-EP „Morning Sun“ über. Danach wird der Prime Club leider zum Spielverderber. Eigentlich soll die Band nun von der Bühne, die anschließend stattfindende „Karaoke Till Death“-Party will vorbereitet werden. Schade, dass man der Band und ihren Fans nicht einfach ein wenig mehr Spielraum lässt und ein Auge zudrückt. Das Trio spielt zur Freude der Zuschauer doch noch einen Song und entlässt uns mit „La Mar (The Ocean)“ in die nasskalte Kölner Nacht.

Bis auf die Dauerredner hat’s allen sichtlich gut gefallen. Aber selbst diese werden nur Gutes zu berichten haben – man will ja schließlich nicht umsonst auf dem Konzert einer neuen, durchs Dorf getriebenen coolen Sau gewesen sein. In der Schule, der Uni oder der Werbeagentur einen auf dicke Hose machen ist da mit Sicherheit drin und von Vornherein eh schon miteingeplant gewesen. Der hervorragende Sound und die abwechslungsreiche Setlist entschädigten für das 2-3 Songs zu früh gekommene Konzertende. Beim nächsten Mal wird ein Beautiful Girls Auftritt in Köln hoffentlich an einem Wochentag stattfinden. Ohne „Karaoke Till Death“ im Rücken kann das alles noch eine Ecke besser und entspannter werden als es ohnehin schon war. Die Beautiful Girls, gerne wieder!

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