Phosphene Dream Tour 2011 - Support: The RocKandys
Was hab ich mich geärgert, als ich beim Reeperbahn Festival 2010 den fantastischen Auftritt der Black Angels lediglich hören konnte, weil ich zu weit hinten stand. Um so höher schlug mein Herz, nachdem die Akkreditierungsbestätigung für das Quintett aus Austin, Texas, hereingeflattert kam. Und offensichtlich ging es mir damit nicht alleine so. Das Hamburger Logo ist am heutigen Abend zwar nicht ausverkauft, aber dennoch äußerst gut gefüllt und jeder fiebert sichtlich einem fantastischen Auftritt der US-amerikanischen Formation entgegen.
Das letzte Mal für diese Tour supporten The RocKandys, die sich ebenfalls dem psychedelischen Rock verschrieben haben und sich gut ins Vorprogramm der Black Angels integrieren. Leider lässt der Sound sehr zu wünschen übrig. Die zahlreichen Effekte scheinen zum Teil nicht gut aufeinander abgestimmt, sodass sich alles einfach nur verzerrt anhört und vom Gesang nicht wirklich etwas wahrgenommen wird. Die Keyboarderin, gleichzeitig auch das einzige weibliche Mitglied der Kombo, ist Deutsche, stellt sich und die Band dennoch auf englisch vor, damit ihre Bandkollegen sie auch verstehen. Inspiriert wird ihre Musik von einem Stil, den wir als 60s a la The Velvet Underground oder Pink Floyd bezeichnen würden. Bei all ihren sinnlichen und psychedelischen Stücken demonstrieren The RocKandys ihre Gedanken und Gefühle, ernten dafür von den Zuschauern begeisterten Applaus.
Um 22:00 Uhr wird es schließlich dunkel. Unter leicht roter Beleuchtung betreten fünf unscheinbare Gestalten die Bühne. Dann beginnt die kleine zierliche Stephanie Bailey auch schon, kräftig auf ihr Schlagzeug einzudreschen, die restliche Kombo in die Saiten zu hauen, bis schließlich die Stimme von Sänger und Gitarrist Alex Maas erklingt. Es wird tief in die Effektkiste gegriffen und verzerrt, was das Zeug hält. Dennoch bleibt der Sound klar und die einzelnen Instrumente verschmelzen mit einer grandiosen Perfektion zu einem satten Psychedelicrock, der einen regelrecht auf eine Zeitreise in die 60er und 70er Jahre einlädt. Dabei erinnern die Jungs aus Austin nicht nur an vergangene Zeiten, sondern schaffen ihr eigenes Klangbild zwischen Rock und Realität.
Ein bisschen wortkarg ist das Quintett ja schon, bei so viel Coolness ist aber auch kein Platz für lange Reden und wirklich stören tut sich daran auch keiner. So bleibt mehr Zeit das Erbe großer Legenden des psychedelischen Rocks anzutreten. Das US-amerikanische Quintett löst bei dem zahlreich erschienenen Publikum eine regelrechte Begeisterungswelle aus. Tosender Applaus, Pfiffe und Zurufe erfüllen den Raum des kleinen Logos. Überall wird mindestens mit dem Kopf eifrig im Takt mitgewippt oder sich galant zu den bewusstseinserweiternden Klängen bewegt. Das eher dunkel gehaltene Licht harmoniert mit den Songs. Die Bühne wird überwiegend in rotem und blauem Licht gehalten, gelegentlich werden die gewaltigen Stimmexplosionen des bärtigen Sängers, der seine Schirmmütze tief ins Gesicht gezogen hat, mit weißem Licht untermauert. Dann zuckt ein Stroboskop auf und die Bühne wird von Nebel umhüllt.
Einen kleinen Zwischenfall gibt’s dann aber doch noch. Ein Zuschauer lässt es sich nicht nehmen, immer wieder auf die kleine Bühne zu springen und seiner Tanzleidenschaft freien Lauf zu lassen. Nachdem er sich sowohl vom Tourmanager als auch der Band nicht von der Bühne verweisen lässt, muss schließlich ein Security eingreifen und den ungebetenen Gast des Konzertes verweisen. Das scheint die Stimmung auf der Bühne etwas zu trüben. Die Musiker wirken etwas abwesend, manchmal sogar etwas genervt. Es wird keine Miene verzogen, während sie ihr Set runterspielen. Nach knapp einer Stunde verlassen sie schließlich, ohne ein Wort zu verlieren, die Bühne und lassen sich vom Publikum ziemlich lange bitten, um für drei weitere Songs zurückzukehren. Dafür wird jetzt noch einmal ordentlich Gas gegeben und auch ein "Danke" bekommen die Zuschauer auf ihre Begeisterung erwidert. Gitarrist Christian Bland verspricht immerhin die baldige Rückkehr nach Hamburg. Hoffen wir also, dass sie dann insgesamt etwas besser drauf sind, die Musik ist es ja in jedem Fall wert.
Setlist:
Bad Vibrations
Old Sniper
New Sniper
Haunting At 1300 Mckinley
Surf City
Better Off Alone
Phospene Dream
Yellow Elevator #2
The Black Grease
Science Killer
The Prodigal Sun
Entrance Song
You On The Run
Telephone
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Too Much Hate
Bloodhounds On My Trial
Young Men Dead