The Calling

Tour 2004, Support: Katy Rose

20.10.2004 Tor 3 / Düsseldorf

Von: Thomas Kröll

The Calling Düsseldorf

Böse Zungen behaupten, The Calling hätten nach ihrem Riesenerfolg mit “Wherever you will go” aufgehört sich zu entwickeln und stattdessen diesen einen Song immer wieder neu erfunden. Umschrieben wird das dann meist als sogenannter Einheitsbrei, bei dem sich der Hörer nach einem Lied schon nicht mehr daran erinnern kann, welches denn nun vorher lief.

Ich gebe zu, dass ich dieses Vorurteil auch im Hinterkopf habe, als ich mich direkt nach der Arbeit ins Auto schwinge und über Köln (den Chef abholen) in den Düsseldorfer Straßendschungel stürze, den wir halbwegs souverän meistern. Wozu also der ganze Stress? Zumal das Tor 3 nicht gerade zu meinen bevorzugten Locations gehört. Sorry, aber ich find`s total verbaut.

Jedenfalls sind wir früh genug dran, um noch in den Genuss der Vorgruppe zu kommen. Katy Rose aus Los Angeles (aktuelles Album: „Because I can“). Garnicht mal soooo übel, auch wenn Katy auf der Bühne etwas schüchtern und verloren wirkt. Aber sie hat eine starke Stimme im Stil von Helen Schneider und von der Musik her erinnert das Quartett sogar phasenweise an die guten alten Pixies (z.B. bei „Watching the Rain“). Es gibt viel Schlimmeres! The Calling-Gitarrist Aaron Kamin schaut sich den gut halbstündigen Gig übrigens völlig unbehelligt vom Merchandising-Stand aus an.

Ob es daran gelegen haben mag, dass er anschließend den Weg backstage nicht mehr gefunden hat, auf jeden Fall dauert es noch mal geschlagene 40 Minuten bis auch The Calling zum Intro von „One by One“ die Bühne betreten und von den offiziell 800 Fans mit einem fulminanten Jubelschrei empfangen werden. Besonders beim Auftritt von Sänger Alex Band treiben die Mädels in den ersten Reihen den Pegel auf der nach oben offenen Kreisch-Skala bis zum Anschlag hoch. „One by One“ geht nahtlos in „Adrienne“ über und Alex Band glänzt mit stimmlicher Tiefe. Auch wenn ich den Sound insgesamt etwas blechern finde. Es folgen „Chasing the Sun“ und „Anything“ vom neuen Album „Two“.

Band (der für mich wie die etwas androgyne Ausgabe von Brad Pitt rüberkommt, was durchaus positiv zu verstehen ist) sucht verstärkt den Kontakt mit seinen Fans und auch der Rest von The Calling weiß zu überzeugen, allen voran Leadgitarrist Dino. Also Einheitsbrei hört sich für mich anders an, das ist richtig solide Rockmusik, die Jungs machen einen guten Job. Ich bin positiv überrascht, denn auf ihren bisherigen CD`s klingen sie lange nicht so druckvoll wie jetzt hier live.

„For you“ spielen sie dann unplugged. Dino mit nacktem Oberkörper, was den Kreischfaktor nochmals in ungeahnte Höhen schnellen lässt. Auch das ruhige „Things will go“ gefällt mir sehr gut.

Den vorläufigen Höhepunkt bildet aber „Somebody out there“, das mit einem langen, fast schon sphärischen Instrumentalteil beginnt, bei dem die Bühne passend in abwechselnd rotes und lilafarbenes Licht getaucht wird. Den nächsten Song „Why don`t you and I“ hat Alex Band im vergangenen Sommer mit Carlos Santana aufgenommen und folgerichtig widmet er diesem auch das Stück. Zum Abschluss des regulären Sets legen The Calling dann noch das eingangs erwähnte „Wherever you will go“ nach und spätestens jetzt gibt es im Publikum kein Halten mehr. Es wird getanzt bis der Arzt kommt und aus voller Kehle mitgesungen.

Der Zugabenblock beginnt mit einer dicken Überraschung. The Calling covern tatsächlich „Who`s gonna ride your wild horses“ von U2! Noch dazu in wirklich gelungener Manier, da kommt richtig Freude auf!

„Our Lives“ ist als fünfzehnter und letzter Song nach 75 Minuten der Schlussakkord eines Konzertes, das mich, entgegen aller Vorurteile, überzeugt hat. Davon, dass The Calling an diesem Abend ehrliche Arbeit abgeliefert haben, bei der es Spass gemacht hat zuzuhören. Und davon, dass sie offensichtlich doch mehr zu können scheinen, als nur die Airplay-Quote im Formatradio zu bedienen.

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