European Tour 2010
Als ich sehe, dass die Courteeners lediglich drei Konzerte in Deutschland geben werden und Hamburg nicht dabei sein wird, ist für mich sofort klar: Auf, auf nach Berlin. Während die vierköpfige Band aus Manchester in England nur noch in größeren Hallen spielt und die Konzerte ratzfatz ausverkauft sind, sodass man dann schließlich nur noch Karten für viel Geld auf dem Schwarzmarkt bekommt, ist diese kleine Deutschlandtour in kleinen Clubs und mit 14 Euro Eintritt quasi wie ein Geschenk. Das hervorragende "St. Jude"-Album des Quartetts, welches 2008 auf Polydor Records erschien, läuft bei mir seitdem in Dauerschleife. Nun erscheint hierzulande im Juli die neue Platte "Falcon", mit welcher sie heute im Magnet Club in Berlin aufschlagen.
Als ich um 21 Uhr im Magnet ankomme, bin ich ein wenig darüber verwundert, wie wenig Leute vor Ort sind. Bis um 21.30 Uhr ändert sich das jedoch ein wenig. Der Club ist eindeutig nicht ausverkauft, aber schon gut gefüllt. Der wundervolle Abend beginnt mit "Acrylic" vom großartigen "St. Jude"-Album. Der Sänger und Songschreiber Liam Fray bildet eindeutig den Kopf der Band. Während die übrigen Bandmitglieder sich eher im Hintergrund halten, lässt es sich Liam nicht nehmen, seinen ganzen Charme spielen zu lassen und mit der Musik leidenschaftlich mitzugehen. Dabei wirkt er manchmal ein wenig affektiert. Das macht aber gar nichts, dem sympathischen Engländer mit seiner eindrucksvollen Stimme kann man einfach nichts übel nehmen.
Während ich so in die Menge blicke, die sich bei den durchaus tanzbaren Songs eher zurück hält, fallen mir in der ersten und zweiten Reihe ein paar Fans auf, die sich sofort mit vollem Einsatz den Songs hingeben. Schnell wird klar, dass es sich um Engländer handelt, und als ich nach der Herkunft frage, erscheint die Antwort schon fast selbstverständlich: Manchester! Kaum verwunderlich, denn Engländer reisen häufig für Konzerte nach Deutschland, weil diese hier in der Regel günstiger sind und in kleineren Clubs stattfinden.
Ich bin sehr positiv überrascht, wie gut die Songs der neuen Platte angenommen werden, die heute eindeutig mehr gespielt werden als die des alten Albums. So fehlen mir ein wenig meine persönlichen Highlights der ersten Scheibe wie "Aftershow" und "No You Didn't, No You Don't". Als Liam fragt, wer denn "St. Jude" kenne, ertönen lediglich drei Stimmen, darunter meine. Er nimmt es mit Humor und spielt den herausragenden Song "Not Nineteen Forever" an, welcher vom Publikum scheinbar doch erkannt wird. Es wird ordentlich mitgetanzt und mitgesungen. Nach knapp 60 Minuten verabschieden sich die Jungs schließlich herzlich. Ein wenig kurz war´s ja irgendwie schon, dafür aber um so schöner.
Setlist:
Acrylic
Good Times Are Calling
Will It Be This Way Forever?
Please Don't
Kings Of The New Road
Cavorting
The Opener
Cross My Heart & Hope To Fly
Scratch Your Name Upon My Lips
Take Over The World
You Overdid It Doll
Not Nineteen Forever
What Took You So Long?