DreamCypher Tour 2006
Die USA hat ja schon so einige erfolgreiche Gothic Bands hervorgezaubert, man denke da zum Beispiel an London After Midnight oder Christian Death. Und dann gibt es da auch noch The Crüxshadows. Man glaubt es kaum, aber diese dunkel angehauchten Wesen kommen doch tatsächlich aus dem Sunshine State Florida! Mit ihrer Mischung aus Electro Goth und Darkwave, kombiniert mit den klassischen Elementen der Violine, haben die Jungs und Mädels um Sänger Rogue in den vergangenen Jahren die Herzen zahlreicher Anhänger erobert. Diejenigen, die mit der Band noch nicht so vertraut sind, mögen sich vielleicht wundern, was an den Crüxshadows und vor allem an deren Live-Performance so besonderes ist.
Nun gut, fangen wir mal damit an, dass Rogue während des Konzertes so ziemlich überall in der Location herumwuselt, nicht nur auf der Bühne. Ein normales Mikro benutzt der schlaksige Sänger mit der praktischen Wischmopp-Frisur allerdings nicht, sondern absolviert die Show mit einem Headset-Mikro, was ihm somit eine unglaubliche Bewegungsfreiheit gibt. Bei dem Bewegungsdrang, den der Junge hat, ist das aber auch gut so, denn vor ihm ist eigentlich so gut wie nichts sicher, was auch nur halbwegs stabil genug zum klettern oder drüberlaufen aussieht ;) Dann wäre da noch Violinistin Rachel, die mit ihrem hervorragenden Spiel überzeugt, und mal ehrlich, wann sieht man heutzutage schon noch einen Violinisten/in auf einer Bühne? Gitarrist George und Keyboarderin Jen verstecken sich eher dezent im Hintergrund, und für ein optisches Extra sorgen die beiden Tänzerinnen Sarah und Jessica mit ihren sexy Outfits und professioneller Performance, und nebenbei erledigen die beiden Damen auch gleich noch den Hintergrundgesang mit. Soviel erst mal zum Live-Konzept der Crüxshadows.
Besonders voll war das John Dee noch nicht, als gegen 23.00 die ersten Töne des Intros erklangen und die anwesenden Leute sich von der Bar (ja, wir sind in Norwegen, da ist das so ;) in Richtung Bühne bewegten. Ich fand es toll, ein bisschen Luft zu haben und mich bewegen zu können, und auch Rogue, der das Feld, errrm, Publikum, wie gewöhnlich von hinten aufrollte, freute sich sicher, dass er genug Platz für seine ausgedehnten Spaziergänge hatte. Es ging auch gleich voller Power los mit der aktuellen Single Sophia, gefolgt von Forever Last und dem Neil Gaiman-inspirierten Wake The White Queen, zu welchem sich Rogue dekorativ maskierte. Ältere Klassiker wie Deception, Tears oder Winterborn fehlten im energiegeladenen Set natürlich genauso wenig wie Material des im Januar erscheinenden neuesten Albums, DreamCypher. Und das Ganze wurde in kristallklarem Sound und mit perfekter stimmlicher Leistung dargeboten. Lediglich die Beleuchtung liess, vor allem fototechnisch gesehen, zu wünschen übrig, wofür die Band samt Crew allerdings nichts konnte, denn so ist es nun eben im John Dee.
Rogue wanderte ununterbrochen durch den Club, war in allen Winkeln und Ecken zu finden, tanzte mit dem Publikum, und balancierte auf Grund des Mangels an Boxen zum Draufklettern bei Solus inmitten des Publikums auf einer Leiter, die er hinterher sogar ganz ordentlich wieder aufräumen ging. Die Publikumsnähe des charismatischen Sängers ist echt beeindruckend, und man kann sich schlecht entscheiden, wo man nun eigentlich hinschauen soll: versucht man Rogue in der Menge auszumachen, oder schaut man der Frauenpower auf der Bühne zu.
Nach ungefähr zwei Dritteln des Sets bewies Rogue sein Entertainer-Talent mit einer kleinen Rede. Als erstes sprach er über die die Reiseerfahrungen der Band in den Tücken des Norwegischen Winters und hatte damit die Lacher auf seiner Seite. (“Everything is white!” – ja, sowas gibt’s in Florida halt nicht – “Everyone knows what a f*cking great idea it is to travel along the windy, snowy Norwegian coast” ;) Dann ging es weiter mit etwas Marketing in eigener Sache, und das ging natürlich nicht ohne die Bemerkung, dass die Single Sophia eine gewisse Dame namens Beyonce auf Nummer 2 der amerikanischen Billboard Dance Charts verwiesen hatte, was ein jubelndes Publikum zur Folge hatte, welches bei der nachfolgenden Vorstellung der Band auch fleissig mit dem Jubeln weitermachte.
Nach zwölf Songs verliessen die sechs Damen und Herren die Bühne und wurden mit begeisterten Rufen auf eben diese zurückverlangt. Bei der ersten Zugabe, Return, wurde zum Mitklatschen animiert; eine Aufforderung, der sogar der an der Seite lehnende Typ der Crew Folge leistete! Zum Abschied gab es dann den Klassiker, der in keinem Crüxshadows-Set fehlen darf: Marylin, My Bitterness. Rogue zerrte einen nach dem anderen aus dem Publikum zum Tanzen auf die Bühne – aber mich hat er nicht bekommen, denn ich konnte dem flinken Sänger geschickt ausweichen, um das aussergewöhnliche Finalspektakel aus ‘sicherer’ Entfernung zu bestaunen.
Wer die Crüxshadows noch nicht live gesehen hat, hat definitiv was verpasst. Also, immer mal fein ein Auge auf die Tourdates werfen, denn wieder kommen sie mit Sicherheit – und dann nix wie hin!
Sophia
Forever Last
Wake The White Queen
Deception
Solus
Ariadne
Memorare
Tears
Windbringer
Elissa
Winterborn
Birthday
Return
Marylin, My Bitterness