The Cult

The Cult Tour 2008

06.03.2008 Live Music Hall / Köln

Von: Ingrid Silvasi

The Cult Köln

Einziges Deutschlandkonzert der Kultrocker The Cult – sie beehren die Kölner Live Music Hall. Doch was ist das? Eine halbe Stunde nach Einlass treffe ich ein, erwarte eine lange Schlange vor der Halle – nix. Erwarte im Inneren eine volle Halle – auch nix. So kann ich mir erst noch gemütlich ein Bier holen und schnurstracks nach vorne gehen – würde ich lieb fragen, wäre sogar in der ersten Reihe für mich Platz... Ernüchterung. Die Halle füllt und füllt sich nicht...

Nun erst mal was auf die Ohren! Die Kölner Horror-Punk-Band The Other - ein wenig Misfits, ein wenig 69 Eyes und ein kleiner Plastik-Totenschädel am Mikroständer – darf den heutigen Abend eröffnen. Verkleidet – die Kostüme sind an Horrorfilme und –figuren angelehnt – wirkt die Band im Rahmen des Vorprogramms von The Cult fehl am Platze, oder ist es etwa das Publikum? Zwar geht hier und da mal der ein oder andere Arm im Publikum hoch, jedoch sind weder richtige Goths, noch Punks anwesend, eher zieren etliche Altrocker die Reihen der Live Music Hall und daher schreddern die Jungs auch ohne viel bla, bla ihre Songs runter. Bandvorstellung? Fehlanzeige... Es dauert nicht lange und der Schweiß bzw. eher die Theaterschminke tropft während dem melodischen “In The Dead Of Night“ nur so von Sänger Rod. “Tarantula“ kommt mit seinem einfachen Chorus und den “Wohoo“-Chören – Misfits hin oder her –  eher peinlich rüber, “Lover´s Lane”, “Beware Of Ghouls” und “666 Ways To Die” sind weitere Songs der Bandkarriere.

Die zweite lokale Band kommt aus dem Ruhrpott – das Trio Zero versucht nun das Beste zu geben. Wie Gitarrist und Sänger Chris verkündet, gibt es nun Musik „für unten rum“. Recht hat er – die ersten Songs (darunter auch der neue Song “Mr. Knowitall“) knallen, guter Alternative-Rock gepaart mit ein wenig Hardcore, leicht raue Stimme. Schade, dass das Mikro noch zu leise ist. Den Einstand gibt der neue Drummer Vic, der anscheinend vor allem auf das weibliche Publikum sehr anziehend wirkt. “Bleeding Me“ kommt jedoch zu lasch, fast zu melodisch – wo bleibt die Power? Und “Rage“ ist so ganz und gar nicht “Rage“ sondern stimmlich viel zu brav. Das muss doch richtig krachen und wüten – schon alleine des Titels wegen! Das Mikro wird endlich lauter und hier und da wird klar: es sind nicht alle Töne ganz sauber getroffen. Oh je... Guter harter Anfang, Jungs, jedoch im Laufe des Konzertes ging´s für mich nur noch bergab, da die Power flöten ging. Nach nur sechs Songs, zuletzt “Mrs. Voices“ – Chris, laber nicht so viel, dann bleibt auch noch Zeit für ein-zwei mehr Songs! – wird die Bühne endlich für The Cult frei gegeben.

Das Publikum verteilt sich mittlerweile locker und großzügig. Schaben wir mal alle Anwesenden zusammen und die Live Music Hall mit einer Kapaztität von 1.500 Leuten ist nicht mal zur Hälfte voll.. oder aber sie ist zur Hälfte leer... Schow-Time also um 21.45 Uhr und die Reise durch fast 25 Jahre Bandgeschichte beginnt mit “Spiritwalker“. Tourgitarrist Mike Dimkich unterstützt die vierköpfige Band mit einer zweiten Gitarre – herrlich! Das klingt wie Dolby Surround in meinen Ohren! Und nun die Überraschung: die halbgefüllte Live Music Hall macht Stimmung, als wäre sie proppevoll. Die Band scheint es selbst zu überraschen, nach “Rain” gibt es durch Ian eine kurze Begrüßung und Dankeschön auf Deutsch. Er besticht durch seine dunkle Kleidung und Lederjacke kombiniert mit weißen Turnschuhen. Graue Strähnen blitzen durch seine leichte Lockenpracht. Billy Duffy hingegen ist cool wie eh und je, Tempesta glänzt mit einer Grazie hinter den Drums wie ich sie bei anderen Schlagzeugern nie gesehen habe! Und Bassist Chris Wyse lässt mich manchmal glauben, er hätte eine Gitarre in den Händen – verrückt, welch´ höhe Töne er aus dem Tieftöner zaubert!

“I Assassin“ angestimmt und da ist sie schon wieder: diese typische Pose von Astbury. Er hängt sich mit beiden Händen ans Mikro, stampft mit dem Fuß auf, balanciert hin und her – und: erinnert mich dadurch an Jim Morrison.

“Sun King“ und “Electric Ocean“ folgen und spätestens jetzt vergöttere ich Tempesta! Diese Coolness und Leichtigkeit beim Trommeln – herrlich! Großen Durst scheint Ian zu haben, zwischen den Songs trinkt er fleißig Wasser aus Tetra-Paks und wirft die leeren Schachteln zielsicher in den Fotograben.

Nun wird es melancholischer: “Edie (Ciao Baby)“, Ian nimmt sein Mikro aus dem Ständer, wirbelt es am langen Kabel rum und nähert sich dem Bühnenrand. Zu “Sweet Soul Sister“ fällt mein Blick wieder auf den Aushilfsgitarristen Mike. Typisch Engländer: Schlacksig, Seitenscheitel, fast schon spießig und Kaugummikauend und sich auf den Zehenspitzen mit der Gitarre in den Händen windend. Ein Bild für die Götter!

Von der neuen Platte “Born Into This“ werden “Savages“ und “Dirty Little Rockstar“ live präsentiert, welches Duffy brav RoadrunnerRecords in Deutschland widmet. Zu “She Sells Sanctuary“ werden im Publikum nochmals alle Kräfte vereint und ein Moshpit geht durch die vorderen Reihen, den die Band mit einigen Zugaben dankt. Und was darf da nicht fehlen? “Fire Woman“ und natürlich “Love Removal Machine“. Nach gut 90 Minuten ist das einzige Deutschlandspektakel vorbei. Ian wirbelt seine Schelle um den Arm und wirft diese beim zweiten Versuch ins Publikum, vermutlich selbst überrascht, dass der ursprünglich so mau besuchte Gig sich doch noch zum Positiven herauskehrte. Und auch diese Band beweist es: totgeglaubte Musiker leben länger!

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