Tour 2009 - Support: Creature With The Atom Brain
Fangen wir doch diesen Bericht mit einem Schenkelklopfer an: The Dead Weather bringen schlechtes Wetter mit. In der Tat regnet es an diesem Sonntagabend in Köln Hunde und Katzen. Vielleicht ist das E-Werk deshalb nicht ganz so voll. Es kann aber auch daran liegen, dass Dead Weather in Deutschland noch nicht den Bekanntheitsgrad haben, den man bei einer Band von diesem Kaliber erwarten würde, denn mit von der Partie sind Jack White von den White Stripes, Alison Mosshart von den Kills und Dean Fertita von den Queens of the Stone Age. Eine illustre Runde von Rockern also, weswegen ich im Publikum auch mehr Lederjacken und Nieten erwartet hatte. Gekommen sind aber größtenteils ganz "normale" Menschen aus allen Altersklassen.
Zunächst gibt sich die bei uns eher unbekannte belgische Band Creature With The Atom Brain die Ehre. Vier Leute, von denen zumindest der Bassist Jan Wygers mit seiner extravaganten Sumo-Ringer-Frisur und dem Super-Vollbart einen optischen Anreiz bietet. Musikalisch gibt es schrammelige Beerdigungs-Rockmusik mit experimentellen Einlagen und nörgeligem Gesang. Am Anfang wirkt die Band noch relativ lustlos, steht etwas statisch da und spult das Programm herunter. Sänger Aldo Struyf blickt kaum von seinem Mikro auf und wirkt sehr in sich gekehrt. Gegen Ende kommt dann doch etwas wie Spielfreude auf, vor allem da, wo die Band in die etwas psychedelischen Gefilde abdriftet und mit verzerrten Gitarren und hypnotischen Beats arbeitet. Insgesamt eine eher durchmischte Show mit einigen durchaus annehmbaren Highlights. Das Publikum ist auch durchaus angetan und applaudiert vor allem da, wo die Band ein bisschen aus sich herausgeht.
Nach einer kurzen Umbaupause geht es dann los mit der Allstar-Kombo. Frontfrau Alison, mit zerzauster Frisur, XXL-T-Shirt und hautengen Jeans sorgt schon beim Betreten der Bühne für Herzflattern bei einigen der anwesenden Fans, und Schreie nach Jack White, der sich hinter die Drums setzt, werden laut. Das Set beginnt mit dem elegisch-bluesigen "60 Feet Tall". Unter blau und lila flackernder Bühnenbeleuchtung krümmt und windet sich Mosshart ausgelassen am Mikro und spuckt die Textzeilen in das Publikum hinein. Der Song, der auf der Platte eher gechillt rüberkommt, gewinnt durch ihre intensive Performance und die düstere Gesamtstimmung an Eindringlichkeit. Das gilt auch für alle weiteren Songs, die live viel wuchtiger und härter wirken als aus der Konserve. Eine Art Heavy Blues könnte man sagen, durch den man sich in die Szenerie von "From Dusk Til Dawn" hineinversetzt fühlt.
Die Setlist besteht größtenteils aus den Tracks von "Horehound", der bisher einzigen Platte, die The Dead Weather bisher vorzuweisen haben, aber auch einigen neuen Songs, die wahrscheinlich im kommenden Jahr veröffentlicht werden. Für den einen oder anderen Track kommt Jack White auch nach vorne, um seine Gitarrenskills zur Schau zu stellen oder auch zu singen – bei "Will There Be Enough Water" auch gemeinsam mit Mosshart in Kussentfernung. Ein bisschen erinnert seine Statur und seine Haltung an den Frontsänger von HIM, und so villevallot er bei "You Can't Just Win" herum, dass die weiblichen Fans nur noch vor sich hinseufzen können.
Nach einer Stunde ist die Spukstunde auf der Bühne vorbei. Als Zugabe gibt es noch "I Cut Like A Buffalo", "I Can't Hear You" und das geniale "Treat Me Like Your Mother", zu dem es übrigens ein noch genialeres Video gibt, in dem sich Mosshart und Jack White eine wilde Schießorgie liefern. Zurück bleiben die rauchig-anklagende und hocherotische Stimme im Ohr und das Gefühl, dass das Leben voller Schmerz und Verzweiflung ist, es dennoch möglich ist, dies alles mit Würde zu ertragen und daraus sogar so etwas wie Lust zu gewinnen. Noch nie war Klagen so sexy!!