The Drums

Tour 2010 - Support: Secrets

01.06.2010 Molotow / Hamburg

Von: Jessica Franke

The Drums Hamburg

Meine Damen, meine Herren, die Indiewelle schlägt erneut zu und schwemmt uns The Drums an, eine junge dynamische Band aus New York. "The New American Invasion" – das ist der Titel des aktuellen NME´s (New Musical Express). Hinter dem Schriftzug: Ein Bild von vier smarten Jungs mit etwas ernster Miene vor der amerikanischen Flagge. Sie sind eine dieser extrem gehypten jungen Bands, die derzeit aus wirklich keiner Musikzeitschrift wegzudenken sind. Mit ihrem fröhlichen Indiepop, der doch sehr an Bands wie The Beach Boys erinnert, surfen sie derzeit durch Europa und sind am heutigen Abend frisch und munter im Hamburger Molotow gestrandet. Und wie sich das für eine extrem gehypte Band gehört, ist dieses selbstverständlich ausverkauft. Das lasse ich mir natürlich nicht nehmen und überzeuge mich höchstpersönlich davon, ob sich die jungen Herren tatsächlich selbst so ernst nehmen, wie es so oft erscheint, und ob sie denn diesem großen Hype auch gerecht werden.

Neben ihrer EP "Summertime!" und ihrem Debütalbum "The Drums", welches ab dem 04. Juni hierzulande in den Regalen stehen wird, haben sie auch noch gleich das passende Wetter mitgebracht, welches gerade dafür prädestiniert erscheint, draußen vor dem Club noch ein Bierchen zu genießen.

Als Support sind fünf Hamburger Jungs dabei, die sich Secret nennen. Passend zum Namen habe ich von denen noch nie zuvor etwas gehört. Pünktlich um 21:00 Uhr fangen die Jungs an. Zu der Zeit ist es bereits brechend voll und verdammt heiß im Molotow. Ich versuche gar nicht erst, mich nach vorne durchzukämpfen, sondern quatsche mich im Vorraum fest. Da es sich bei dem Quintett um eine Band handelt, die man schon zur Genüge zu hören und sehen bekommen hat, bin ich auch nicht sonderlich interessiert. Um ca. 21:30 Uhr verlassen die Jungs jedenfalls die Bühne. Nun begebe auch ich mich mal in den Konzertraum und schaue mir das Publikum etwas genauer an. Was in jedem Fall sofort auffällt ist die erste Reihe, die eindeutig mit jungen bis sehr jungen Mädels besetzt ist. Na ja, bei solchen Sunnyboys...

Um 22:00 Uhr ist es dann endlich soweit. Mit enthusiastischem Applaus wird das junge Quartett von seinen Fans empfangen. Zunächst betritt Drummer Connor Hanwick die Bühne und sorgt schon mal für den Sound aus dem Synthesizer, bis er schließlich beginnt loszutrommeln. Dann betreten die beiden Gitarristen Jacob Graham und Adam Kessler die Bühne. Nachdem die beiden damit begonnen haben, in die Saiten zu hauen, kommt schließlich Sänger Jonathan Pierce auf die Bühne getänzelt. Und damit beginnt die Show. Ich konnte bereits in anderen Konzertberichten von einem Tanzstil á la "Ian Curtis auf Ecstasy" lesen und weiß nun auch definitiv, was genau damit gemeint ist. Mit plakativen Gesten, äußerst eigenwilligem Tanzstil und jeder Menge Ausdruck in allem, was er tut und singt, präsentiert uns der junge New Yorker die melodiösen Popsongs sowohl von ihrer EP als auch von ihrem in Kürze erscheinenden Album. Und den Fans gefällt es sichtlich. Klarer Favorit sind aber eindeutig die Songs der EP "Summertime". Hier wird nicht nur eifrig mitgetanzt sondern auch mitgesungen. Nicht nur Sänger Jonathan scheint enormen Spaß auf der Bühne zu haben. Auch Gitarrist Jacob zeigt sich äußerst agil. Er springt wild und zum Teil völlig unkontrolliert auf der Bühne herum, dreht harmonische Pirouetten und streicht mit sanften Bewegungen durch die Luft. Während mancher Songs gibt er sich leidenschaftlich dem Spiel mit seinem Tambourin hin. Bei so viel Aktivität auf der Bühne kommt es auch schon mal vor, dass sich Jonathan und Jacob in die Quere kommen, was den smarten Sänger auch schon mal selbst zum Lachen bringt.

Der letzte Song "Let´s Go Surfing" ist auch gleichzeitig das Highlight des Abends, hier sind dann auch die hinteren Reihen nicht mehr zu halten. Es wird so heftig getanzt, dass das ein oder andere Mädchen aus der ersten Reihe schon mal auf der Bühne landet. Es folgt ein nahtloser Übergang zur Zugabe. Nach einem weiteren Song der neuen Platte, kommt mit "Down By The Water" ein Publikumsliebling, bei dem sowohl mitgeschunkelt als auch mitgesungen wird. Mit "Forever And Ever, Amen" endet das Konzert schließlich nach ungefähr 50 Minuten. Euphorisch feiern die Fans die vier Jungs und denken gar nicht daran, sie so einfach davon ziehen zu lassen. Und tatsächlich, sie kommen zurück auf die Bühne. Nach kurzer Besprechung teilt uns Jonathan mit, dass sie keinen weiteren Song im Gepäck haben. Daraufhin startet ein sommerlich fröhlicher Song von Saint Etienne und die Jungs beginnen tanzend das Publikum dazu zu animieren, auf die Bühne zu kommen und mitzutanzen: "Let´s start the party". Das lässt sich natürlich keiner zweimal sagen und schon ist die kleine Molotowbühne voll mit begeisterten Fans und alle tanzen heiter zu den sanften Klängen von Sarah Cracknell. Nach insgesamt gut einer Stunde ist dann endgültig Schluss, der Song ist vorbei, die Jungs verlassen den Konzertsaal.

Insgesamt hatte der Abend für mich ein bisschen was von einer Abifeier, bei der die Klassenclowns als Band auftreten. Dabei möchte ich ihnen ihr musikalisches Talent nicht absprechen, ich freue mich jedoch ein bisschen darüber, dass sie sich selbst scheinbar auch nicht so ernst nehmen, wie ich es zunächst angenommen hatte. Auf jeden Fall haben mir die vier New Yorker einen sehr amüsanten Abend bereitet und ich freue mich schon darauf, sie in sommerlicher Atmosphäre auf dem Dockville Festival wiedersehen zu können.

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