The Flatliners

Tour 2010

30.05.2010 Hafenklang / Hamburg

Von: Maren Röcker

The Flatliners Hamburg

Das Hafenklang liegt in einer für einen Undergroundclub eher ungewöhnlichen Gegend, in einer noblen Ecke des Hamburger Hafens, mit Blick aufs Wasser und einem Hummerrestaurant in unmittelbarer Nachbarschaft. Dennoch sieht man dem Club schon von weitem an, dass hier lieber Bier als Hummer konsumiert wird und sonst auch bevorzugt anderes Publikum gastiert. So wie heute Abend, denn die Flatliners aus Kanada haben sich ankündigen lassen. Im Zuge ihrer Euro- und UK-Tour mit über 25 Auftritten wird das neue und zweite Album "Cavalcade" promoted, welches im April diesen Jahres bei Fat Wreck Chords erschienen ist.

Bereits am Eingang weist ein schnell geschriebenes Papierschild auf den kurzfristigen Ausfall der Supportband Rentokill aus Österreich hin. Zur Enttäuschung vieler Fans, sind die vier Jungs doch längst über die Grenzen Österreichs und Europas bekannt und haben sich im Laufe der letzten Jahre eine riesige Fangemeinde, auch in Übersee, aufgebaut. Leider fällt ihr Auftritt heute aus, weshalb das Konzert erst sehr spät beginnt, da so kurzfristig kein Ersatz gefunden werden konnte.

Ganz ohne Trubel und Intro betreten die Flatliners um circa zehn Uhr die Bühne im Hafenklang, während sämtliche Fans sich vor selbiger versammelt haben. Es ist nicht richtig voll, aber leer ist der Club auch nicht und die Stimmung ist umso besser. Zwar kommt durch den fehlenden Support unterschwellig eine gewisse Vorbandatmosphäre auf, was sich aber nicht in der Textsicherheit der ersten Reihen niederschlägt, sondern eher in der anfänglichen Schüchternheit des gesamten Publikums. Doch die kleine Lücke zwischen Band und Fans schließt sich zunehmend und die Beine kann sowieso niemand mehr stillhalten, als die Flatliners ihre Mischung aus Punk, Rock, Hardcore und Ska/Reggae zum Besten geben. Der ganze Club tanzt zu Songs wie "Bleed" und "Carry The Banner", aber zum Beispiel auch "This Is Giving Up" vom älteren Album "The Great Awake" wird standesgemäß abgefeiert.

Zwischendurch gibt es immer wieder Kommentare von der Band, deren kanadischer Akzent teilweise nur mit viel Konzentration zu verstehen ist. Ein paar Zeilen versteht aber scheinbar jeder, sowie das Versprechen von Gitarrist Scott Brigham, sich dieses Mal wieder so zu besaufen wie bei seinem letzten Hamburgbesuch, an den er sich jedoch kaum noch erinnern kann. Sänger Cris Cresswell lobt das Hamburger Publikum sogar für seine Zurückhaltung beim Rauchen, da hier noch - im Gegensatz zum Berliner Auftritt - genügend Luft zum Atmen bleibt, während sich der Rest der Band eine Kippe nach der anderen anzündet.

Nach dem letzten Song gibt es noch eine sehr spontan daherkommende Zugabe, als Wiedergutmachung für die fehlende Vorband. Bei der Zugabe teilt sich Sänger Chris das Mikro mit einem zugegebenermaßen sehr textsicheren Fan. Das Konzert hat Spaß gemacht und kam keineswegs überzogen rüber, sondern ganz einfach Punkrock. Schön, dass die Flatliners trotz wachsender Fangemeinde absolut auf dem Boden geblieben sind und in genau den Clubs auftreten, die am besten zu ihnen passen, kleine gemütliche alternative Clubs wie das Hafenklang eben.

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