The Horrors

British Music Week Tour 2007

25.04.2007 Underground / Köln

Von: Shirin K

The Horrors Köln

Das Wetter ist an diesem Mittwoch im April ungewöhnlich gut, die Sonne scheint und deswegen verbringen wir die Zeit bis zum Auftritt von The Horrors im gemütlichen Biergarten des Kölner Underground. Es ist die britische Woche im Underground, und so kommen beide Acts heute aus GB: The Voom Blooms und The Horrors. Beide Bands sind recht frisch auf dem Musikmarkt, haben sich aber auf der Insel schon eine solide Fanbasis erspielen können. Auch hier im schönen Kölle am Rhein scheinen einige Leute schon recht genau zu wissen, was sie erwartet, denn es herrscht bei den Klamotten eine erstaunliche Uniformität vor. Zunächst einmal scheint hier ohne enge Röhrenjeans gar nichts zu laufen, Hemden, Krawatten, schnittige, halblange Frisuren müssen wohl auch sein. Ein  paar Totenköpfe hier, ein Hello Kitty dort. Freunde von mir, die erst kürzlich in Schottland waren, berichteten, dass die Jugendlichen dort alle so rumlaufen würden. So sieht also Anglophilie aus, aha!

Obwohl das Underground recht klein ist, ist die Menge an Fans, die sich hier zusammengefunden hat, ziemlich überschaubar. Das mag am schönen Wetter liegen oder an der relativen Unbekanntheit der Bands hierzulande. So stehen denn auch die Voom Blooms vor recht leerem Saal, als sie beginnen. Von Rezensenten im eigenen Lande werden die vier Briten gerne mit Interpol und Bloc Party verglichen, ich denke bei ihrer Musik auch an The Cure zu ihren „unbeschwerteren“ Zeiten. Dort liegen meiner Meinung nach unüberhörbar die musikalischen Wurzeln der Voom Blooms, was sie mir sehr sympathisch macht. Der Gig des Quartetts ist kurz, ganze fünf Songs gibt es auf die Ohren, darunter ihr Hit „Politics and Cigarretes“. Von dieser Band möchte man auf jeden Fall mehr hören. Sie sind eingängig und locker-flockig und sicherlich massenkompatibel.

Bei The Horrors scheiden sich allerdings deutlich die Geister. Und das fängt schon bei der Optik der Band an. Die oben schon angeführten Röhrenjeans umschmeicheln die spindeldürren Beinchen der fünf blutjungen britischen Musiker. Aus schwarz umrandeten großen Augen schauen sie verwundert in die Welt hinaus, aber am beeindruckendsten sind die Frisuren, die ihre Köpfe zieren. Sieht der Keyboarder, alias Spider Webb, mit seiner Topffrisur eher aus, als wäre er dem Kabinett des Dr. Caligari entsprungen, so erinnert der Sänger eher an eine Mischung aus Robert Smith und eine morbidere Ausgabe von Adam Green. Musikalisch machen The Horrors – na was wohl? – Horror-Rock, wobei ich da keine Ähnlichkeiten mit den Ramones oder gar Velvet Underground feststellen kann, die Bands, mit denen sie oft in eine Schublade gesteckt werden. Wenn man denn unbedingt Vergleiche anstellen möchte, dann vielleicht mit den Dead Kennedys mit einer guten Prise schauriger Horror-Orgel-Lauten oder Bauhaus mit ihrer gothischen Angst-Musik. Wo auch immer die Wurzeln der Band liegen, sie liegen weit zurück in den Sechziger- und Siebziger-Jahren. Nicht schlecht für eine Band, dessen Mitglieder im Schnitt 22 sind.

Und so huldigen sie auch schon mit dem ersten Song, der ein Cover von Joy Divisions „No Love Lost“ ist, einer ihrer Lieblingscombos. Der Sänger mit dem kunstvollen Namen Faris Rotter steht beim Intro wie ein dunkler Geist an der Wand und beobachtet mit verängstigtem Blick das Publikum. Seine Versuche, die Wand hinaufzuklettern scheitern allerdings, weswegen er dann doch zum Mikro greift und seine sehr eigenwillige Interpretation des Klassikers zum Besten gibt. Man glaubt es kaum, dass aus einer so dürren, knochigen Gestalt eine so tiefe Stimme herauskommen kann! Paranoid schaut er auf seine Jünger herab, die zahlreich vor der Bühne versammelt sind und sich schon bei den ersten Takten in eine pogende Menge verwandelt haben. Der Keyboarder mit seinen eckigen Bewegungen und seinem paranoid-gespenstischen Blick ist eine Augenweide. Mal streckt er die Arme nach vorne und bewegt sich wie ein schlafwandelnder Zombie auf der Stelle, dann wiederum versucht er sich mit seiner eigenen Krawatte zu erwürgen, was ihm zum Glück nicht gelingt. Die Horrors haben bis jetzt eine EP und ein Album namens „Strange House“ veröffentlicht. Daraus spielen sie die besten Songs wie „Count in Fives”, “Death At the Chapel” und “Jack the Ripper”. Zwischen den Songs benutzt Rotter ein altes Radio, um schräge, noisige Töne zu erzeugen. Übermutig springt er in die Menge und wird von den schwitzenden Fans herumgetragen.

Der Gig der fünf Briten, die sich in London zusammengerottet haben, ist recht kurz, aber hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Wie gesagt, an The Horrors scheiden sich die Geister. Was dem einen als eine pubertierende Gothic-Kapelle vorkommen mag, kann – wenn man sich von diesen Vorurteilen befreit hat - eine kleine Offenbarung sein. Hier ist eine junge Band, die ihre Show bis ins kleinste Detail durchdacht hat und ihr Konzept vom Horror-Rock stramm durchzieht. Natürlich ist da viel Kajal und Theatralik im Spiel, aber hat man sich darauf eingelassen, so kann man die Musik mit einer wohligen Gänsehaut genießen und sich in die Zeiten  versetzen lassen, wo Jack The Ripper in London durch die Gassen strich und die Menschen sich verängstigt in die Pubs zurückzogen und flüsterten: “Ob er heute wieder eine umlegt?”Â…

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