April Uprising Tour 2010 - Support: Martin And James
19.45 Uhr und die Sonne geht langsam hinter den Häusern von Köln-Mühlheim unter, um am anderen Ende der Welt dann wieder aufzugehen. Ein von diesem anderen Ende der Welt stammendes und in der Folkmusikszene bekanntes Trio hat sich Köln heute erneut ins E-Werk geholt. The John Butler Trio ist ein gern gesehener Act in der Domstadt. Doch anders als im letzten Jahr und zum Leid einiger gibt es heute keine Karten mehr an der Abendkasse. Spätentschlossene in der Menge vor den Toren des E-Werkes versuchen trotzdem mit Schildern noch an die ein oder andere Karte zu gelangen.
Bei der Gründung 1998 hätte Leadsänger John Butler dies wohl nicht für möglich gehalten. Hat er sich doch über die Jahre vom kleinen Straßenkünstler nun auch international in den Gehörgang der Folkfans gesungen. In ihrer Heimat Australien gehören die Musiker neben Wolfmother, Powderfinger und Jet zu den erfolgreichsten Musikern. Doch bevor er und seine zwei Mitstreiter an Bass und Schlagzeug die Bühne betreten sollen, erhalten zwei schnuckelige Glasgow Boys "Martin And James" die Chance ihren Bekanntheitsgrad zu steigern. Mit ihren Akustikgitarren und einem wohligen Balladengesang, oftmals im Duett, gelingt beiden trotz Männerüberschuss im Saal mühelos lautes Beifallgeklatsche.
Die Hauptakteure des Abends betreten dann pünktlich auf die Minute die Bühne. Um 21 Uhr geht es mit "Used To Get High" aus dem Vorgängeralbum "Grand National" zügig los. Auch der zweite Track des Abends "Better Man" ist keineswegs neu und erweckt den Eindruck, dass der mittlerweile 34-jährige John Butler seine Gitarre wohl nur zum Essen und Schlafen aus der Hand legt. Er ist nämlich so in seinem Element, dass er die Menge gar nicht wahrnimmt und jeder Ton sitzt. Durch ausufernde und virtuos improvisierte Instrumental-Passagen entzückt er seine Fans. Völlig aus dem Häuschen sind diese, wenn er seine Songs mit ausschweifenden Slide- und Gitarrensoli auf das Doppelte ihrer Albumlänge streckt. Hier wird aus Musik noch Kunst gemacht. Nach dieser künstlerischen Darbietung ist der Saal auf Betriebstemperatur und John Butler verspürt das Verlangen nun auch seine ersten Worte preiszugeben.
Er stellt seine Bandkollegen, den Schlagzeuger "Nicky Bomba" und seinen Bassisten Byron Luiters, vor. Beide komplettieren das Trio erst seit dem letzten Jahr, in dem sich John Butler auch von seinem Markenzeichen, den Dreadlocks verabschiedete. Veränderungen sind eben manchmal notwendig. Butler sagt während der Show, dass es immer eine Revolution gibt und eben auch genau jetzt gerade im E-Werk. Dies ist der Übergang zu den Songs ihrer eigenen "Aprilrevolution" ("April Uprising"). Die Titel des neuen, mittlerweile fünften Albums, passend zur Deutschlandtour im Monat April, bergen meiner Meinung nach musikalisch aber relativ wenige Veränderungen. Der attraktive Multiinstrumentalist bleibt seinen Wurzeln treu und vereint Banjoklänge sowie diverse unterschiedlich gestimmte Akustikgitarren mit seiner unverkennbaren Stimme. Das macht den Cocktail aus Blues, Rootsrock und australischer Folkmusik für seine alteingesessenen Fans perfekt. Zwischen den Songs verrät Butler ab und an, wo er die Ideen für seine Songs findet. Sei es in einem Hotelzimmer in Seattle, wo der Auslöser seine kleine Tochter ist, der er traurigerweise nur am Telefon zum Geburtstag gratulieren kann ("I Do Anything"). Auch unglückliche One Night Stand-Geschichten ("Take Me") werden zum Mikrofon getragen.
Trotz des Potentials von insgesamt 17 neuen Songs, mit denen man einen ganzen Konzertabend füllen kann, dürfen Hits wie "Better Than" und "Good Excuse" natürlich nicht fehlen. Butlers Fingerspitzen- und Mimikakrobatik an der Gitarre zu "Treat Your Mama", gepaart mit Didgeridoo, Kontrabass und Schlagzeug, gehört mit zu den Highlights des Auftritts. Zu diesen Höhepunkten gehört auch das Solo des Schlagzeugers. Dieser bringt die Butler Anhänger nicht nur zu feiern. Es gleicht einer Comedyshow als Nicky mit der Menge spielt und diese zum "Eyooo"- und "Schakalako Ding Dong"-Grölen animiert. Zum Lachen kommen die Butleranhänger auch, wenn John eine Pause einlegt, um sich vor versammelter Mannschaft die Finger zu feilen. Mit schelmischem "Aussieakzent" sagt er stolz, dass es seine Musik ist, die ihn zu diesem Punkt gebracht hat: "Ich kann mir vor Tausenden von Leuten die Finger feilen".
Nach 14 Songs über vier bejubelte Zugaben, einigen Lachnummern und jeder Menge Kommunikation mit den Fans, geht ein australischgeprägter Konzertabend um kurz nach 23 Uhr zu Ende.